und seine poetische Selbst-Verdammnis zu sehr auf Rechnung eines poetischen Richterspruchs aufgesetzt . Wie man im Geräusche unwissend lauter spricht , so wußte er , wenn die Phantasie mit ihren Katarakten um ihn brauste , nicht recht , was er rief und wie stark . Da er oft doch weniger Schwärze an sich fand , als er schilderte : so setzt ' er voraus , der andere finde dann sogar noch weniger als er selber . Auch hatt ' er im poetischen und sündigen Taumel sich am Ende das moralische Zifferblatt selber beweglich gemacht , daß es mit dem Zeiger ging ; in dieser Verwirrung wurd ' ihm nicht gezeigt , wo Unschuld war . Hätt ' er vorausgesehen , daß seine brieflichen Beichten in feindlichern Winkeln an- und abprallen würden als einstmals seine mündlichen : er hätte sie anders gerichtet . Vor Erschütterung konnte Albano nicht sogleich den kurzen Scheidebrief - keinen Fehdebrief - an den Verlornen schreiben , sondern zögerte in der Gewißheit , daß der Hauptmann nicht selber komme - als er kam . Denn Zögern vertrug er nicht ; körperliche und geistige Wunden nahm er als theatralische auf ; zu sehr gewohnt , Menschen zu gewinnen , verwand ers zu leicht , Menschen zu verlieren . - Eine schreckliche Erscheinung für Albano ; nur der aufgestellte lange Sarg des getöteten Lieblings ! Daß nun über dieses kräftig-knochige Gesicht , sonst die Feste ihrer Seelen , die Furchen des Unkrauts sich krümmten , daß dieser Mund , den die Freundschaft so oft auf seinen gelegt , ein Pestkrebs , eine deckende Rose des Zungenskorpions für die trauendannahende gute Rabette gewesen , das zu sehen und zu denken war reiner Schmerz . Kaum hörbar war Gruß und Dank ; stumm gingen sie auf und ab , nicht neben- , sondern widereinander . Albano suchte seinen Zorn in die Gewalt zu bekommen , um nichts als die Worte zu sagen : gehe von mir und lasse mich deiner vergessen . Er wollte Lianen im Bruder schonen , der ihn das Opfermesser derselben gescholten ; ungerechte Vorwürfe erhalten uns in der nächsten Zukunft besser , weil wir sie zu keinen gerechten wollen werden lassen . - » Offen bin ich , siehst du « - ( fing Roquairol gemäßigt an , weil seine Wallungen halb vertropft und verschrieben waren ) » sei es auch und antworte dem Brief . « - » Ich war dein Freund nun nicht mehr « , sagte Albano erstickt . - » Dir hab ' ich doch nichts getan « , versetzte jener . » Himmel ! Laß mich nicht viel reden « - ( sagte Albano ) » Meine elende Schwester - Meine Unschuld an der Gräfin Kommen Meine elende , verworfne Schwester - - O Gott ! empör mich nicht - Ich achte dich nicht mehr , und da geh ! « » So schlage dich ! « sagte der Hauptmann , halb seelen- , halb wein-trunken . » Nein ! « ( sagte Albano , laut-einatmend wie zum Seufzer des Zorns ) » dir ist nichts heilig , nicht einmal ein Leben ! « Dieser Zögling des Todes warf den eignen Lebenstagen und Freuden und Planen so leicht alle fremde nach in die Gruft ; das meinte Albano und dachte nur an die kranke , so leicht an fremden Wunden sterbende Liane , die Liebe war ( statt der Freundschaft ) wie ein milderndes Weib vor seine aufgebrachte Seele gegangen ; aber der Feind verstand ihn falsch . » Du mußt , « ( spottete wild der Hauptmann ) » deines soll mir teuer sein ! « » Himmel und Hölle ! ich meinte ein besseres « ( sagt ' er ) - » Verleumder , gegen deine Schwester hab ' ich nicht so gehandelt wie du gegen meine - ich habe sie nicht elend machen wollen , ich bin nicht wie du ! - Und ich schlage mich nicht ; ich schone sie , nicht dich . « - Aber der Höllenfluß des Zorns , den er durch Liane in flaches Land hatte leiten und seichter machen wollen , schwoll davon wie unter Zauberhand auf , weil Roquairols Lüge ihres Hinopferns dabei so nahe lag . » Du fürchtest dich « , sagte der erbitterte Roquairol und nahm doch zwei Degen von der Wand . » Ich achte dich nicht - und schlage mich nicht « , sagte Albano , ihn und sich mehr reizend , da er doch sich bezwingen wollte . Da trat Schoppe herein ; » er fürchtet sich « , wiederholte jener gewaffnet . Albano gab errötend mit drei brennenden Worten die Geschichte . » Ein wenig müsset ihr euch vor mir schlagen ! « rief der Bibliothekar voll alten Haß gegen Roquairols poetisches Blend-und Gaukel-Herz . Albano , lechzend nach kaltem Stahl , griff unwillkürlich darnach . Der Kampf begann . Albano fiel nicht an , aber immer wütender wehrt ' er sich ; und wie er so den zornigen Affen des vorigen Freundes mit dem Dolch in der Hand sah , der aus den blühenden Beeten der schönsten Tage ausgeackert war und in welchen er mit seinen Wunden getreten ; und wie der Hauptmann mit wachsendem Sturme auf ihn fruchtlos einblitzte : so sah er auf dem grimmigen Gesicht den dunkeln Höllenschatten wieder stehen , der darauf gestanden und gespielet , als er unter sich die sträubende Rabette erwürgte ; - die Aufziehbrücke der Gesichter , worauf sonst beide Seelen zusammenkamen , stand hoch , auseinandergerissen in die Luft . Glühender blickte Albano , zorntrunkner griff er den Werwolf der verschlungnen Freundschaft an - plötzlich hieb er ihm wie eine Tatze das Gewehr ab : als Schoppe , vom ungleichen Schonen und Fechten entflammt , mit Rabettens Namen die Rache rufen wollte und schrie : » Die Schwester , Albano ! « Aber Albano verstand darunter Karls Schwester - und schleuderte das eine Schwert dem andern nach , und Feuertropfen standen in seinem Auge und