weniger orientalischem Geschmacke angepaßt und diesem neuen Plane gemäß , ward denn auch beschlossen , mit dem Bau zu beginnen . Zuvor aber erschien meinem Bruder Alexander , und von seinem Standpunkt aus mit Recht , eine Erhöhung des Terrains nothwendig und zwar › imposanteren Aussehns halber ‹ . Viele Tausende wurden dafür ausgegeben . Schmieden erzählte mir später , es sei ihm angst und bange geworden bei den Ausgaben , die das alles verursacht habe . Nun gleichviel , es kam zu Stande , desgleichen eine dem Schloß gegenübergelegene , durch eine künstliche Felsengrotte verschönte Parkanlage , die Richard Lucae , bei seinem Besuch in Gentzrode , ein Meisterstück gärtnerischer Kunst nannte . « 87 So war das , was hier entstand . Die ganze Prachtschöpfung ging ihrem Abschluß entgegen , und nur das » Mausoleum « fehlte noch . Die Pläne zu demselben lagen schon vor und Alexander Gentz war von einer fieberhaften Hast erfüllt , daß mit der Ausführung begonnen werde . Die Mittel waren da , denn es war die Zeit unmittelbar nach den Gründerjahren und Ansehen und Vermögen standen auf der Höhe . » Gestehe , daß ich glücklich bin « , konnte der Herr auf Gentzrode , wenn er Umschau hielt , wie König Polykrates ausrufen und im Gefühle dieses seines Glücks kam er auf den Einfall , neben andrem auch sein und seines Werkes eigner Geschichtsschreiber sein zu wollen . Diesem Einfall verdanken wir ein , meines Wissens , in seiner Art einzig dastehendes Schriftstück . Energisch und rasch wie in allem , so ging er auch in dieser Sache vor und schrieb eine Geschichte der Entstehung von Gentzrode nieder , die , nach seinem Wunsch und Willen , in den großen vergoldeten Turmknopf des in Vorstehendem ausführlich geschilderten Speicheranbaus deponiert werden sollte . Der Ernst , fast könnte man sagen die Feierlichkeit , mit der er dabei verfuhr , erhellt am besten aus den Einleitungsworten zu dieser » Urkunde « . Dieselben lauten : » Im Namen Gottes ! « » Im Namen Gottes ! Johann Christian Gentz und ich , Alexander Gentz ( Sohn Johann Christians ) haben das auf den Kahlenbergen bei Neu-Ruppin belegene Gut Gentzrode durch Ankauf von Ländereien im Jahre 1856 begründet und das Jahr drauf mit Herstellung der nöthigen Wirthschaftsgebäude begonnen . In den vergoldeten Knopf , den ich dem Thurm am Kornspeicher vor Jahren gegeben habe , soll diese Schrift niedergelegt werden und unseren Nachkommen über unsre bisherige Wirksamkeit auf Gentzrode Kunde geben . « So der Beginn , an den sich , am Schluß des Ganzen , folgende Worte reihen : » Die vorstehenden , für den Thurmknopf am Kornspeicher bestimmten Aufzeichnungen habe ich in den Nächtestunden geschrieben , die mir der letzte Winter gewährte . Der erste Gedanke war , nur einfach in richtiger Reihenfolge niederzuschreiben , wie das alles nach und nach entstand . Im Schreiben selbst aber kam mir dann die Lust zu allerhand Exkursionen , die nun Schlaglichter warfen auf die Personen , mit deren Beschränktheit und Schlauheit ich all die Zeit über zu kämpfen hatte . Was ich im Luch an Torfwiesen erstand , das hatte nur den Zweck des Gelderwerbes , meine Thätigkeit in Gentzrode dagegen war meine Lust und Freude . Zugleich hab ich es ins Leben gerufen , um es zur Grundlage für den Wohlstand und Zusammenhalt einer Familie zu machen , denn der Grundbesitz bleibt das sicherste und stabilste Besitzthum . « So schrieb er damals , ahnungslos , wie bald diese Herrlichkeit und mit ihm der stolze Plan eines andauernden Familienbesitzes zusammenbrechen würde . Die Katastrophe war nah . Aber ehe wir diese schildern , wenden wir uns dem Manuskript zu , das in den vergoldeten Turmknopf gelegt werden sollte . 3 3 Die Turmknopf-Urkunde Das Niederschreiben einer für den Turmknopf bestimmten Urkunde 88 , deren Vor- und Nachwort ich am Schluß des vorigen Kapitels bereits mitteilte , war es , was Alexander Gentz , nach vorläufigem Abschluß seiner Gentzroder Bautätigkeit , einen Winter lang beschäftigte . Wie mir nicht zweifelhaft ist , zu seiner besonderen Befriedigung . Und eine solche Befriedigung zu fühlen , dazu war er nicht nur aus menschlicher Schwachheit ( er wollte den Ruppinern etwas anhängen ) , sondern auch ästhetisch und künstlerisch angesehen , vollkommen berechtigt . Ja , was er da niedergeschrieben hat , zum Teil in einem brillanten Stil , ist durchaus eine literarische Tat , und das bekannte , für die fachmäßige Schriftstellerwelt freilich nicht allzu schmeichelhafte Wort : » ein Schriftsteller kann jeder sein , der was zu sagen hat « , empfängt aus diesen Alexander Gentzschen Aufzeichnungen eine Bestätigung . Eine literarische Tat , so sagte ich . Aber damit ist die Sache noch keineswegs erschöpft , der eigentliche Wert dieser Urkunde liegt in ihrer lokalhistorischen Bedeutung . Es wird darin ein kleines märkisches Städtebild aus der Mitte des Jahrhunderts gegeben , ein Bild , wie ' s bis dahin nicht da war und auch auf lange hin mutmaßlich nicht wiederkommen wird . Eingelebtsein in alle Verhältnisse , scharfe Beobachtung und große Klugheit , vereinigten sich hier mit angeborner schriftstellerischer Begabung und ließen ein Werk entstehen , das nun für alle die , die dermaleinst märkische Kulturhistorie schreiben wollen , und ebenso für die märkische Novellistik der Zukunft unschätzbar erscheint . Ein Mikrokosmus , wie er nicht schöner gedacht werden kann . Der ursprüngliche Zweck der Urkunde , » wie Gentzrode ward und wuchs « , wird nie ganz aus dem Auge verloren , aber wie sein eignes vorzitiertes Schlußwort es auch ausspricht , überall finden wir Exkurse , denen sich Porträtierungen gesellen , eine ganze Galerie von kleinstädtischen Charakterköpfen . Und nun geb ich dem Verfasser selber das Wort , nur hier und da , beßren Verständnisses halber , eine kurze Bemerkung einfügend . » ... Ich war nun also Mitglied des Magistrats-Collegiums und damit scheint mir der Zeitpunkt da , mich über diese Körperschaft oder doch wenigstens die Hervorragendsten darin auszusprechen . Eh