es für gut befunden hatte , während meines Schlafes dieser Nacht meine Seele von mir zurück zu fordern ; und daß dieser müde Körper , durch den Tod von allen weiteren Kämpfen mit dem Schicksal befreit , jetzt ruhig der Verwesung anheim gegeben wäre und ungestört seinen Staub mit dem Staub dieser Wildnis vermischen könnte . Aber das Leben war noch immer mein ! Das Leben mit seinen Erfordernissen , seiner Verantwortlichkeit und seinen Qualen . Die Bürde mußte getragen werden ; die Bedürfnisse befriedigt , die Leiden ertragen werden , der Verantwortlichkeit genügt werden ! Ich machte mich auf den Weg . Als ich Whitcroß wieder erreicht hatte , schlug ich einen Weg ein , welcher von der Sonne fortführte , die jetzt bereits hoch stand und glühend herabbrannte . Ich wollte meine Wahl durch keinen anderen Umstand bestimmen lassen . Lange ging ich vorwärts , und als ich endlich dachte , daß ich wohl genug geleistet und mit gutem Gewissen der Müdigkeit nachgeben könne , die mich beinahe überwältigte – daß ich dieses angestrengte Gebahren aufgeben könne und mich auf einen nahen Stein setzen dürfe , um mich widerstandslos der Apathie hinzugeben , die sich meines Körpers und meiner Seele bemächtigt hatte – da hörte ich eine Glocke erklingen – eine Kirchenglocke . Ich wandte mich nach der Richtung , aus welcher der Schall kam , und dort , zwischen den romantischen Hügeln , deren Anblick und Abwechslung ich schon seit Stunden zu bewundern aufgehört hatte , sah ich einen Weiler und einen Kirchturm . Das ganze Thal zu meiner Rechten war voll von Weiden , Kornfeldern und Wäldern ; ein glitzernder Strom lief zickzack durch die verschiedenen Schattierungen der Wiesen , des reifenden Korns , der düsteren Wälder und der hellen , sonnigen Fluren . Das schwere Rollen von Rädern lenkte meine Gedanken wieder auf die vor mir liegende Straße ; ich sah einen hochbeladenen Wagen hügelaufwärts streben und eine kurze Strecke dahinter erblickte ich zwei Kühe mit ihrem Treiber . Menschliches Leben und menschliche Arbeit waren mir also nahe . Ich mußte mich nun weiter schleppen , versuchen zu leben und zu arbeiten wie die Übrigen . Gegen vier Uhr nachmittags kam ich in das Dorf . Um Ende seiner einzigen Straße war ein kleiner Laden mit einigen Semmeln und Broten im Fenster . Ich sehnte mich nach einem Laib Brot . Durch solche Erfrischung war es mir vielleicht möglich , einen gewissen Grad von Energie wieder zu erlangen ; ohne dieselbe war es mir unmöglich weiter zu gehen . Der Wunsch nach Kraft und Stärke und Widerstandsfähigkeit kehrte zurück , sobald ich wieder unter meinen Mitmenschen war . Ich fühlte , daß es entehrend sei , an der Dorfstraße vor Hunger ohnmächtig zu werden . Besaß ich denn nichts , was ich jenen Leuten zum Tausch gegen eins jener Brote anbieten konnte ? Ich dachte nach . Um den Hals hatte ich ein kleines , seidenes Tuch geschlungen ; ich hatte auch Handschuhe . Wie sollte ich wissen , was Männer oder Frauen thaten , wenn sie an den äußersten Grenzen der Not angelangt waren ? Ich wußte ja nicht , ob die Leute irgend einen dieser Gegenstände annehmen würden ; wahrscheinlich würden sie es nicht thun – aber ich mußte es versuchen . Ich trat in den Laden . Eine Frau war darin anwesend . Als sie eine anständig gekleidete Person sah , eine Dame wie sie vermutete , trat sie mit größter Höflichkeit vor . Womit sie mir dienen könne ? Ich kam fast um vor Scham . Meine Zunge konnte die wohlvorbereitete Bitte nicht hervorstammeln . Ich wagte nicht , ihr die abgenützten Handschuhe oder das zerdrückte Seidentuch anzubieten . Außerdem sah ich auch ein , daß es dumm sein würde . Ich bat sie nur um die Erlaubnis , mich einen Augenblick setzen zu dürfen , da ich sehr ermüdet sei . Getäuscht in ihrer Erwartung auf einen Kunden , gewährte sie meine Bitte fast widerstrebend . Sie zeigte auf einen Stuhl ; ich brach darauf zusammen . Die Thränen waren mir nahe , und ich befand mich in der größten Versuchung , ihnen nachzugeben . Doch sah ich noch zu rechter Zeit ein , wie unvernünftig eine solche Kundgebung sein würde ; deshalb hielt ich sie zurück . Gleich darauf fragte ich sie , ob im Dorfe eine Schneiderin oder eine einfache Handarbeiterin sei . Ja , zwei oder drei . Gerade so viele , wie dort Beschäftigung finden konnten . Ich dachte nach . Ich war aufs äußerste gekommen . Ich sah der Not jetzt Aug ' in Aug ' . Ich hatte keine Hilfsquelle mehr ! keinen Freund ! kein Geld ! Irgend etwas mußte geschehen . Aber was ! An irgend jemand mußte ich mich wenden ! Aber an wen ? » Ob sie von irgend einer Stelle in der Nachbarschaft wisse , wo eine Dienerin gebraucht werde ? « » Nein , sie wisse von keiner . « » Welches der hauptsächliche Handel an diesem Orte sei ? Womit die Mehrzahl der Leute sich beschäftige ? « » Einige seien Landleute ; viele von ihnen arbeiteten in der Nadelfabrik von Mr. Oliver und in der Gießerei . « » Ob Mr. Oliver auch Frauen beschäftige ? « » Nein , es sei Männerarbeit . « » Und womit beschäftigten sich die Frauen ? « » Weiß nicht , « lautete die Antwort . » Einige thun dies , andere das . Arme Leute müssen zusehen , daß sie durchkommen . « Sie schien meiner Fragen müde zu sein , und in der That , welches Recht hatte ich , sie zu belästigen ? Ein oder zwei Nachbarn traten ein . Augenscheinlich brauchte man meinen Stuhl . Ich verabschiedete mich . Ich ging die Straße hinauf und im Vorübergehen blickte ich jedes Haus zur Linken und zur Rechten an . Aber ich konnte keinen Vorwand , keine Veranlassung finden , irgendwo einzutreten . Ich streifte im Dorfe