ich wüßt schon wen . Die Hadebusch ' n , meine Freundin , das ist ein verläßliches Weib . Bei der kann geschehn , was will , da kümmert sich keine Katz drum . ' s ist eine Witwe und wohnt allein in einem Häusla , vermieten tut sie nimmer , weil ' s zu viel Schererei macht bei ihrem Alter , nur einen Sohn hat ' s ; aber der is schwach im Kopfe . « » Geh einmal zu ihr hin und sprich mit ihr ! « sagte Dorothea zaghaft . » Gut , ich geh morgen zu ihr hin , « versetzte Philippine , lächelte gefällig und legte die schwielige Hand auf Dorotheas zarte Schulter . » Du , Philippin ' , daß du mir aber vorsichtig bist ! « mahnte Dorothea , und ihre Augen wurden groß und drohend . » Schwör mir , daß du stumm bist , wie das Grab . « » So wahr ich da steh ! « sagte Philippine . Im selben Moment bückte sie sich , um eine Haarnadel vom Boden aufzuheben . Am andern Vormittag eilte Philippine zu Frau Hadebusch . Auf dem ganzen Weg trällerte sie vergnügt vor sich hin . Der Teufel fährt in Flammen aus dem Haus 1 Ungeachtet des Regens wanderten Daniel und Benda bis nach Mitternacht um den Stadtgraben . Von dem , was ihn so sichtlich erfüllte und quälte , sprach Daniel mit keiner Silbe . Er berichtete von seinen Arbeiten , von seinen Reisejahren , von seiner Stellung an Sankt Egydien und von der andern an der Musikschule , jedoch so allgemein , so abgerissen und hinwerfend , so müd und auch zerstreut , daß Benda schließlich vor Beklommenheit kaum mehr zuhören konnte . Um eine offenere Rede zu erzwingen , deutete er an , er habe von Gertruds und Lenores Tod erst nach seiner Rückkunft erfahren ; es hätte ihn schrecklich angefaßt , und er müsse fortwährend darüber grübeln . Doch sei es ihm nicht um nähere Wissenschaft zu tun , jetzt nicht ; er wäre froh , wenn er die Überzeugung gewinnen könne , daß Daniel all des Trüben innerlich Herr geworden sei . Statt darauf zu antworten , sagte Daniel mit einem Zucken um den Lippen : » Ja , ich weiß , du bist schon lange hier . Hab mich auch im stillen gewundert . Aber es ist nicht leicht , mit einem so problematischen Individuum , wie ich es bin , neuerdings anzuknüpfen . « » Du fühlst , daß du unrecht hast , während du das sagst , « entgegnete Benda ruhig , » und drum verschmäh ich ' s auch , mein Warten zu erklären . Problematisch warst du mir nie , bist du mir nicht . Ich finde dich heute noch so ganz und so wahr , wie du immer gewesen bist , obgleich du dich vor mir duckst und verschanzest . « Daniels Brust hob sich wie im Krampf . Er sagte stockend : » Laß erst das alte Vertrauen wieder wachsen . Ich muß mich erst an den Gedanken gewöhnen , daß einer da ist , der mit mir empfindet . Zwar , du willst , daß ich reden soll . Ich kann aber nicht reden , wenigstens von dem nicht , was du erwartest . Mir graut davor , ich hab ' s verlernt , die Worte schänden mich , und wenn ich einmal gute Träume hab , bin ich in ihnen so wohlig- , so heiligstumm wie das Tier . Mir graut ' s , daß ich in mein Inneres langen und dir verrostete Dinge zeigen soll , verschimmelte Früchte , Schlacken- und Steinzeug , dir , der einst alles kristallen gekannt hat . « Sein Auge richtete sich nach oben , dann fuhr er fort : » Doch gibt ' s vielleicht noch ein anderes Mittel , Friedrich . Schaue , Freund , schaue ! Deine Sache war von je das Schauen . Schau , aber mach , daß ich mich nicht dabei krümme wie ein Wurm . Und wenn du geschaut hast , - Weisheit braucht nur ein einziges gesagtes Wort für zehn verschwiegene . Das eine wirst du mir schon entlocken . « Benda , tief ergriffen , antwortete lange nichts . » Liegt ' s an einem Weibe ? « fragte er sanft , als sie über die Zugbrücke in das öde Tor der Burg gingen . » An einem Weibe ? Nein . Eigentlich nicht an einem Weibe . Mehr am Manne , mehr an mir . Manches Schicksal erreicht seinen entscheidenden Punkt im Glück , manches erst in der Schuld . Der letzte Fall ist bitter . An einem Weibe ! « wiederholte er mit einer Stimme , die im Gewölb des Durchgangs ein schauriges Echo gab ; » freilich , es ist da ein Weib , wenn man mit der zu tun hat , bleibt einem nichts weiter übrig als die Augen zum Weinen . « Sie verließen den Torweg . Benda legte Daniel die Hand auf die Schulter und wies mit der andern Hand stumm in die Höhe . Es waren keine Sterne am Himmel , nur Wolken , aber Benda meinte die Sterne . Daniel verstand die Gebärde ; seine Lider schlossen sich , um seinen Mund war der Ausdruck eines gewaltigen Schmerzes . 2 Benda hatte die Gewißheit , nicht bloß , daß ein großes Unheil geschehen , sondern auch , daß ein größeres im Werden war . Sooft er an Dorothea dachte , wurde ihr Bild furchteinflößender . Immerhin müssen wunderbare Eigenschaften in ihr sein , die Daniel bestimmt haben , sie zur Lebensgefährtin zu wählen , sagte er sich . Und er wollte sie nun endlich sehen . Sie ließ ihn durch Daniel zum Tee bitten . Früh am Nachmittag ging er hin . Sie empfing ihn mit Äußerungen lebhafter Freude . Sie sagte , sie habe es kaum erwarten können , ihn zu sehen , denn es