im Grimm seiner galligen Laune : » Ui , fein stecket ihr da beisammen , ihr zwei ! Aber eine schieche Gelegenheit habt ihr euch ausgesucht . Sonst , wenn Glück und Lieb bei der Jugend Einstand halten , duftet ' s nach Rosmarin und Veiglein . Bei eurer Seligkeit schmeckt ' s wie auf dem Nüremberger Fischmarkt am Karsamstag ! « Erschrocken starren ihn Julas Augen an . Und ihre Stimme bettelt und zürnt : » So hilf doch , du ! So hilf doch ! Hilf ! « Er lacht in seiner Qual . » Gotts Teufel , ja , was soll ich denn machen sonst ? Zwei , die speisen können , und einer , der hungern muß , ist allweil noch besser , als müßten alle drei das Maul an den Bindfaden hängen . « Er hat das zweite Brett vor die beiden hingeschoben , betrachtet ihre Gesichter , und das Lachen vergeht ihm . Mit einer wunderlichen Trauer sagt er : » So ein Krieg halt , gelt ! Alles , was schön ist , muß er versauen ! Wie du und der da , Maidl , so schaut die liebe bayerische Welt jetzt aus . « Mit beiden Armen hat er zugegriffen und lupft den in halber Ohnmacht taumelnden Ritter Someiner aus dem Schlamm heraus . Jula schwingt sich ohne Hilfe auf die Bretterbrücke . Schweigend schält Malimmes dem Lallenden das schwere , schlammige Eisen der flämischen Rüstung vom Leib und schleudert Stück um Stück hinaus in das Moor . Auf der Brust und am Halse reißt er ihm den Koller und das Hemd auseinander . Und Jula schöpft immer Wasser mit den hohlen Händen und wäscht dem Taumelnden das Gesicht , die Brust und an den Handgelenken die Stellen , wo die matten Pulse ticken . Beim Anblick dieser stummen , sorgenden Zärtlichkeit wird Malimmes ungeduldig : » Wie , du , jetzt laß einmal gut sein ! Gar so päppeln brauchst du ihn nit . Der reißt schon von selber die Augen wieder auf - und greift nach dir . « Verstört sieht Jula an ihm hinauf und stammelt : » Malimmes ? Bist du ' s ? Oder ist ' s ein andrer ? « Er vermeidet ihre Augen und murrt vor sich hin : » Krieg ist überall . Ich weiß nimmer , was recht und gut ist . « Verstummend kniet er auf die Bretter nieder , schiebt seinen Nacken unter den Ohnmächtigen und nimmt ihn auf den Rücken und streckt sich auf . Er steht unter der schweren Menschenlast ein bißchen gebeugt . Dann sagte er ruhig : » Sei zufrieden ! Ich trag hin hinaus . Mit den Brettern mußt du den Weg machen . Das ist leichter . « Während Jula über die Moosbuckeln des Schlammes die fliegende Brücke baut und die Bretter schwingt , sieht Malimmes sie ein paarmal an und wendet immer gleich den Blick wieder von ihr ab . Was sie noch am Leib hat , klebt an ihr . Wie ein schönes , nacktes Weib , das aus dem Moorbad herausgestiegen ist - so sieht sie aus . Ein Schilfboden mit besserem Grund . Und als der vergessene Pongauer die drei im Röhricht verschwinden sieht , beginnt er zu wiehern , daß es klingt wie eine Trompete . » Sein Gaul ! « schreit Jula erschrocken auf . Da verliert Malimmes die Ruhe wieder . » Mußt du denn alles haben ? Dem Gaul ist nit zu helfen . Sei zufrieden , weil du dein Mannsbild hast . « Stumm , mit Schmerz und Trauer in den Augen , sieht Jula ihn an . Und schweigend , in beginnendem Ermüden , baut sie die Bretterbrücke durch das Schilf . Die Moorstraße war schon nahe . Deutlich hörte man das Schreien der Leute . Aber in dem hohen Röhricht und unter dieser dicken Wolke der in der Sonne schwärmenden Moosschnaken sah man nicht weit . Und überall im Schilf die lärmenden , lachenden Menschen . Sie machten dem Malimmes das Brückenbauen mit den Brettern nach und fischten noch an die zwanzig von den eisernen Karpfen heraus . Wie viele hinunter gesunken waren in die schwarze Ewigkeit , das wußte man nicht . Als das Röhricht dünner wurde und der Boden fester , ließ Malimmes die Last , die er trug , auf das Brett heruntergleiten . » Herr Someiner ? Könnet Ihr stehen ? « Lampert hatte die Augen offen . Mühsam straffte er die von allem Grauen dieses Tages zerbrochenen Glieder . Er nickte . Und sah die Jula an , immer die Jula . Matt umklammerte er die Hand des Malimmes . » Ich danke dir . « » Braucht ' s nit , Herr ! Heut ist Zahltag für das Rappenholz von Berchtesgaden . Und für das Ingolstädter Rössel . Das müßt Ihr jetzt wieder reiten . Es ist mit dem Falben zusammengewöhnt . Was sich lieb hat , därf man nit auseinandreißen . « Malimmes lachte . » Wie , Maidl , komm her da ! Tu deinen Herren schön in der Höh halten . Sonst fallt er um . Wie ihr ausschaut , ihr zwei , so laß ich euch nit hinaus . Ich mag nit , daß die Leut spotten , wenn so ein feines Paar daherkommt . Erst muß ich euch ein lützel säubern . « Weil Jula nicht kommen wollte , ließ er den schwarzen , lächelnden Träumer allein auf dem Brette stehen . Da kam sie erschrocken gesprungen und griff mit beiden Armen zu . Und Malimmes hopste davon . Gleich kam er wieder , mit einem Mantel und einem Eisenhut . Jula hielt die Arme um den taumeligen Mann geklammert , sah ihn aber nicht an , sah immer gegen die Moorstraße hin , auf der die vielen Leute lärmten . » Der Vater ? Wo ist denn der Vater ? « » Ich weiß nit , Maidl ! Aber da mußt du