mich der peinvolle Husten , so dürft ich denken : Gottlob , er ahnt nicht diesen Verfall . Aus meinen Briefen an Dich , die ich gebieterisch der matten Hand abringen würde , ließe ich nur so viel durchblicken , als meinem Ziele dient . Nit welken darfstu , Seligkeit ! Wohlan im Heim der Ewigkeit Bleib alterlos geborgen ! Sei nicht bange , Johannes , versteh mich recht : Nur gesetzt den Fall , daß ich dem Tode nahe , würd ich so tun . Sanft ablenken möcht ich Deine Sehnsucht von der Gattenschaft , daß Dir vertraut der Gedanke werde , mich nie in Deine Arme zu schließen , sondern immer nur eine Sternenbraut zu haben . Selbst wenn ich schon in der Erde ruhete , würden an Dich noch immer Briefe abgehen , auf Vorrat von mir geschrieben . Sibyllen hätt ich eingeschärft : Jeden Sonntag bis auf weiteres gönne ihm sein Briefel ! Schließlich allerdings , nachdem meine Betrachtungen Dich vorbereitet hätten , müßtest Du wohl die Wahrheit erfahren ; und also sollte dies geschehen : Wenn mein letzter Brief in Deinen Händen wäre , käme Heinrich zur Abendburg und spräche : Lieber Bruder , ich soll Dir melden , sie sei nun bei uns alle Tage ! - Will dann mein Liebling weinen , so sinke er an Heinrichs treue Brust . Bei jedem weitern Anfall des Leides aber lausche in Dich hinein , bis Du die Worte vernimmst : Dies ist derselbe Kummer , den auch sie empfunden hat , und nun sind Braut und Bräutigam wieder eins , wenn auch nicht in Lust . Mein Wunsch , falls ich bald sterben sollte , wäre noch , es möchten Heinrich und Sibylle Dir zureden , die öde Abendburg doch zu verlassen und lieber in der Baude am Breiten Berge zu hausen . Nicht weil mein Staub daselbst ruht - Dein Herz ist ja mein wahres Grab ; vielmehr weil Du wohnen sollst in meinem Stübel . Da mögen Dich täglich grüßen die Zeichen meiner Zärtlichkeit und meines Wandels Spuren . Auch wirst Du Dir viel zu erzählen haben mit Heinrich und Sibyllen . Behalte sie lieb ; auch in ihnen lebt Deine Thekla ... Verzeihe nun , mein Liebling , dies seltsamliche Gedankenspiel , nur ein Vorsorgen ist es ja für den Fall meines Todes . Nicht bekümmern darf es Dich , es soll Dich rüsten und beruhigen , wie es mir selber Trost gab . Ich bin im Frieden ; und seliger ist keine Erdenbraut , denn Deine Thekla , berufen zum Altar der Ewigkeit . Ein Bettlein ward mir zugedacht , Wie ' s keine Mutter sanfter macht . Ich bette mich in seine Ruh , Wann ich den letzten Seufzer tu . Und träume lächelnd : O was hab Ich für ein wundersüßes Grab ! Von deiner Liebe eingewiegt Und wie in Gottes Schoß geschmiegt ! Nun drücke noch , als weißen Stein , Die Hand auf diesen Ruheschrein . Die Hand aufs Herz dir selber , du ! Drin ich so treu geborgen ruh . « Diese Zeilen ließen wiederholt mein Herz vor Bangen stocken . Wenn Thekla so gesonnen war , konnte ich ja gar nicht wissen , ob der Fall , den sie erörterte , nicht schon eingetreten . Wär ' s möglich ? Lag sie vielleicht wirklich bereits unter der Erde , und waren ihre letzten Briefe nur gütige Täuschung ? Erst schlug mich der Schrecken nieder , und ich zitterte . Dann faltete ich die Hände , von Andacht durchschauert . Hehr und kühl ward es innen wie in einem Dome , und ein Flüstern ging durch die Stille : » Hie bin ich , Liebling ! Schau mir ins Auge , wie du bereits im Böhmerschlosse schauen gelernt . Im Seelenblick sei eins mit mir , mich findest du , sooft dein Sehnen lodert , sei ' s an der Zackenschlucht , sei ' s wo du magst . In allem Schicksal web ' ich dir , aus tausend Verstecken lach ' ich dich an . Ich tröste dich , bin dir Beraterin und Schaffnerin , ich wirke mit bei allem Tun , das unsere Seelen einen kann . Nimm mein Bestes in dich auf , setze fort mein Lieben und mein Trachten ! So hast du nichts verloren . Seit wir einander aufs neue hienieden begegnet sind , durft ich ja nie ein andres sein denn deine heimliche und ferne Braut . Wohlan , nichts Minderes bin ich worden ; alles bleibt , wie es war , und wir haben noch den Vorteil , daß unser Minnen gerettet ist vor dem grauen Gespenst . Briefe tauschen wir , solange du atmest - nur daß du nicht erst zu schreiben , vielmehr bloß an mich zu denken brauchst , und daß dein Herz an Stelle des Baumes dient . Sei nun zufrieden , weil alles doch in Ordnung . Ich wußt es nicht besser einzurichten . Da mir der Tod so nahe bevorstund , wollt ich dir sein Bild ersparen und lieber das holde Geheimnis der Ferne dir verewigen . « So flüsterte es in mir , eine sanfte , gütige Hand lag in der meinen , und am Altare kniet ich mit der Sternenbraut . Komm , Sonnenmund , du Hochzeitsbecher , Zum Abendmahle mir geweiht ! Im Kusse sterbend saugt der Zecher Das Feuerblut der Ewigkeit . Laß trinken , trinken deinen Gatten - Bis ihm die Seele feierstill , Ein Himmel ohne Wolkenschatten , Ein Sonntag , so nicht enden will . Wie ich in der folgenden Frühe vor die Tür meiner Klause trat , siehe , da kamen aus dem Walde Heinrich und Sibylle gegangen . Ich schrak zusammen . Das war ja , wie Thekla es angekündigt . Wie versteinert stund ich . Und nun war Heinrich bei mir , schwer atmend . Weh lag auf seinem Antlitz , feierlich blickte sein blaues Auge , dann kamen die bebenden Worte