Rückreise festsetzen . Angelika , die sich von jeher gefällig den Anordnungen ihres Gatten gefügt , ließ sich dies jetzt immer doppelt angelegen sein . Sie erklärte sich also gleich bereit , die vorgeschlagene Fahrt zu unternehmen , aber es kostete sie eine große Ueberwindung ; denn im sichern Reichthum , in den geordnetsten Verhältnissen erwachsen , und auferzogen in dem Glauben an die Unantastbarkeit des ererbten Besitzes , war sie von der Nachricht , welche sie eben jetzt erhalten hatte , sehr erschüttert worden . Nur die entschiedenste Nothwendigkeit konnte ihren Gatten , wie sie glaubte , bewogen haben , das Haus in fremde Hände übergehen zu lassen ; hatte er doch oftmals es ausgesprochen , wie er es für einen Mann in seiner Stellung geboten finde , in der Residenz ansässig zu sein und dort ein festes Domicil zu haben . Sie hätte ihn gründlich fragen mögen , was denn geschehen sei , sie hätte völlige Auskunft fordern mögen ; die Weise , mit welcher der Freiherr die ganze Angelegenheit behandelte , zeigte ihr aber , daß er keine Erörterungen wünsche , und sie wollte ihm nicht beschwerlich fallen , da eine innere Stimme ihr verrieth , daß es ihm nicht leicht sei , den Gleichmuth zu behaupten , den er zu zeigen für angemessen hielt . Schweigend Unruhe zu ertragen , muß man gesund sein , und Angelika war krank . Ihre Kammerfrau sah sie bedenklich an , als sie ihren Hut und ihren Shawl verlangte , um auszufahren ; auch die Herzogin , welche man benachrichtigt hatte , und die gekommen war , die Ausfahrt mitzumachen , warnte davor ; indeß auf den Ausspruch des Arztes gestützt , der sie freilich in ihrer gegenwärtigen Erregung nicht gesehen hatte , ließ sich die Baronin von ihrem Vorhaben nicht abbringen , und dem Freiherrn war daran gelegen , sie und sich selber zu zerstreuen . Es war um die vierte Nachmittagsstunde , als sein Wagen vor dem Flies ' schen Hause hielt , und wie immer , wenn er die Arten ' sche Familie erkannte , kam der Juwelier heraus , sie zu empfangen und sie selbst in seinen Laden einzuführen . Angelika hatte das stets völlig in der Ordnung gedünkt , heute mißfiel ihr die Zuvorkommenheit des Mannes . Sie konnte sich überhaupt einer Abneigung gegen ihn nicht erwehren . Seine Höflichkeit däuchte ihr unwahr , däuchte ihr spöttisch zu sein . Was mochte er in diesem Augenblicke denken ? Wie stolz mochte er sich fühlen , und weßhalb kam die Frau herein , die künftig in dem Hause wohnen sollte , das Angelika bisher gehört hatte , das ihrem Renatus einst gehören sollte ? So wie jetzt in diesem Momente , war der Baronin noch nie zu Muthe gewesen . Es kränkte , es beleidigte sie Alles , selbst der freigebige Gleichmuth , mit welchem Herr Flies sie zwischen den werthvollen Gegenständen , die er vor ihr aufstellen ließ , zu wählen ersuchte . Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie im Verkehr mit den Personen , von denen sie bedient ward , daran gedacht , daß sie vornehm sei , niemals hatte sie sich gefragt , ob man ihr die ihr gebührende Ehrerbietung zolle , niemals hatte sie darauf geachtet , wie ihr Gatte sich benehme . Heute dachte sie daran , heute achtete sie darauf . Denn sie meinte es dem Juwelier darthun zu müssen , daß sie die Freifrau von Arten sei und bleibe , auch wenn er das Haus besitze , das ihr Geschlecht erbaut hatte ; sie hielt es für nöthig , ihn zu überzeugen , daß sie gleichgültig sei gegen die Werthgegenstände , welche er ihr darbot , und als theile der Freiherr ihre Gedanken , fehlte auch ihm heute die bequeme Leutseligkeit , die ihm sonst überall , wo er erschien , eine so freudige Zuvorkommenheit erweckte . Die Herzogin , welche mit kleinen Einkäufen für sich beschäftigt war und daneben von Angelika bei ihrer Wahl zu Rathe gezogen wurde , wußte nicht , was das veränderte Betragen der Baronin und die Art und Weise bedeuten solle , mit welcher der Freiherr dem Juwelier begegnete , für den er sonst immer ein großes Wohlwollen geäußert hatte . Sie meinte es auf das Uebelbefinden , auf die Reizbarkeit Angelika ' s oder auf irgend eine Mißhelligkeit zwischen ihr und ihrem Gatten schieben zu müssen , zu welcher vielleicht diese Anschaffung der Altar-Geräthschaften den Anlaß gegeben habe . Herr Flies hingegen erklärte sich die Erscheinung leicht , wenn er auch keine Ursache hatte , sie unbeachtet hinzunehmen . Er blieb geduldig , wie es dem Verkäufer ziemt , er zeigte sich gefällig , obschon Angelika eine Lust daran zu haben schien , ihn und seine Leute zu bemühen ; aber sein Ton ward kälter , sein klarer Blick senkte sich forschend und fest in die von Erregung leuchtenden Augen der Baronin , und die Ueberzeugung , daß dieser Mann errathe , was in ihr vorgehe , daß er wisse , wie es nicht mehr so wohl stehe um das Haus des Freiherrn von Arten , und wie sie zum ersten Male schwere Sorge trage um die Zukunft ihres Gatten , ihres Sohnes , ihres Geschlechtes , empörten das stolze Herz der kranken Frau . Sie ist eine Berka und weiß , wie ihre Sachen stehen ; dachte der Juwelier . Nun , es kann ihr auch nicht schaden , wenn ihr Stolz gebeugt wird ! - Und er hatte Recht ! Heute , eben jetzt , da ihr Stolz gekränkt ward , fühlte die Baronin es mit schmerzlichem Genusse , daß sie stolz sei . Es befriedigte sie , dem reichen Juden ihren Stolz zu zeigen , sie hätte viel darum gegeben , wenn auch der Freiherr sich noch kälter gegen den Juwelier bewiesen , wenn Renatus nicht so freundlich mit der Frau desselben geplaudert hätte , wenn die Herzogin nicht dabei gewesen wäre ! denn Angelika war zorniger , erbitterter