ist ein ungewöhnlicher Mensch , ausgestattet mit Allem , was wohl ein Mädchenherz fesseln kann . Ich tadle Dich auch nicht , daß Du ihn noch liebst , - wer kann die Liebe so leicht aus seinem Herzen reißen ! - aber , Helene , da dem so ist , heirathe den Fürsten nicht ! Du darfst es nicht , aus Achtung vor Dir selbst , aus Achtung vor ihm , wenn er achtungswürdig ist . Es ist zu spät ; sagte Helene , ihr Gesicht in den Händen verbergend . Nun und nimmermehr ! rief Sophie leidenschaftlich ; nie ist es zu spät , einen Irrthum zu bekennen , der Dich und ihn grenzenlos unglücklich machen muß . Versteh ' mich wohl , Helene ! Ich spreche nicht für jenen unglücklichen Mann , der Deine Liebe , wenn er derselben je würdig war , woran ich zweifle , jetzt durchaus verscherzt hat . Ich bin niemals seine Freundin gewesen ; die sogenannten glänzenden Eigenschaften lassen mich ziemlich kalt , wenn sie die Güte des Herzens nicht zur Folie haben . Aber weil er Deiner nicht würdig , mußt Du deshalb einen Mann heirathen , für den , mag er sonst noch so vortrefflich sein , nun einmal Dein Herz stumm ist ? O , Helene , ich wollte , ich könnte mit Engelszungen reden , um Dein stolzes Herz zu rühren , daß Du Dich demüthigtest vor der Wahrheit , daß Du alle Herrlichkeit der Welt gering achtetest vor der Seligkeit , mit Dir selbst übereinzustimmen . Helene bebte zusammen , als ob wirklich der Himmlischen Einer zu ihr spräche . O , Du bist gut , rief sie ; wäre ich doch , wie Du ! Du kannst es sein , wenn Du nur willst ! Aber wie entrinnen aus diesem Wirrsal ? ich habe mein Wort gegeben ; wie kann ich es zurücknehmen ? Sprich ganz offen mit dem Fürsten , sagte Sophie , der dieser Ausgang das Einfachste und Natürlichste schien . Lieber todt ! murmelte Helene . In diesem Augenblick wurde an die Thür gepocht ; der Jäger trat herein mit einem Billet in der Hand . Er blieb kerzengerade an der Thür stehen . Gnädigen Baronesse gehorsamst zu vermelden , daß dies Billet so eben aus dem Palais hierher gesandt ist . Helene griff hastig nach dem Billet . Von meiner Mutter . Sie warf einen Blick hinein und zuckte heftig zusammen . Was ist ' s , Helene ? Meine Mutter hat so eben Nachricht aus Grünwald erhalten , daß mein Bruder sehr schwer erkrankt ist . Sie muß augenblicklich zurück . Armes Mädchen ! rief Sophie ; wie blaß und erschrocken Du bist ! Soll ich mit Dir fahren ? Nein , nein ! sagte Helene ; bleib ! Ich muß allein hin . Leb ' wohl , liebe Sophie ! leb ' wohl ! Sie riß sich aus Sophie ' s Armen . Sophie geleitete sie bis zum Wagen . Sie hielt die Hand der Freundin fest in der ihren und sagte : Laß von Dir hören , Helene ! was Du auch thust , folge der Stimme Deines warmen Herzens , es räth Dir besser als der kalte Verstand . Ich will es , erwiderte Helene , schon im Wagen ; verlaß Dich d ' rauf ; ich will es . Leb ' wohl ! Der Jäger schloß die Thür . Der Wagen donnerte davon . Sophie sah ihm nach , bis er um die nächste Ecke gebogen war . Dann schritt sie langsam , das liebe Gesichtchen sinnend zur Erde geneigt , in das Haus zurück . Sechsundvierzigstes Capitel In einem Zimmer der Beletage des Hotel de Russie Unter den Akazien befanden sich an diesem Nachmittag Berger und Director Schmenckel . Sie hatten eine lange Unterredung mit einander gehabt , und Herr Schmenckel erhob sich , um zu gehen . Berger stand ebenfalls auf . Sie wissen doch genau , was Sie sagen sollen ? Ich sollt ' halt meinen , erwiderte Herr Schmenckel und räusperte sich . Wollen wir ' s lieber doch noch einmal durchsprechen ? ' S könnte vielleicht nicht schaden ; erwiderte Herr Schmenckel . Sagen Sie also : es thäte Ihnen leid , daß Sie der Fürstin solche Ungelegenheit bereitet . Sie selbst würden nie auf diesen Plan gekommen sein , wenn der Mensch , - wie nannten Sie ihn doch ? Timm ! - Sie nicht darauf gebracht hätte . Jetzt wären Sie zur Einsicht gekommen , daß Ihre Handlungsweise sich für einen ehrlichen Mann nicht zieme , und Sie gäben der Fürstin Ihr Wort , daß nimmer wieder ein Laut von dieser Angelegenheit über Ihre Lippen kommen solle . Kommen solle ! wiederholte Herr Schmenckel . Was den Menschen , den Timm beträfe , so solle sich Ihre Durchlaucht nur nicht ängstigen , und ihn , wenn er etwa die Frechheit hätte , zu kommen und ihr Geld abzufordern , durch ihre Bedienten zur Thür hinauswerfen lassen . Da Sie ihn in keiner Weise unterstützen würden , so hätte der Skandal , den er möglicherweise erregen könnte , nichts zu bedeuten . Haben Sie es jetzt ordentlich im Kopf ? Ich denk ' , es wird nun gehen , sagte Herr Schmenckel nachdenklich . Und was die Hauptsache ist , Sie nehmen kein Geld von der Fürstin an , weder viel , noch wenig . Vergessen Sie das ja nicht ! Will ' s schon machen ! sagte der Director , mit einem plötzlichen Entschluß den Hut auf den Kopf drückend ; adies , Herr Professor . Adieu ! sagte Berger , ihm die Hand reichend ; gehen Sie , und werden Sie wieder der ehrliche Mann , der Sie bis dahin gewesen sind . Und nun , murmelte Berger , als die Thür sich hinter Herrn Schmenckel geschlossen hatte , ist der Augenblick gekommen , die alte Schuld quitt zu machen . Er trat an das Bureau und nahm aus einer