guten Dienste , mit dem gewöhnlich eine künftige Staatsanstellung als Kastellan eines königlichen Schlosses verbunden war , abhinge , ob von Excellenz dem Geheimrath oder Excellenz der Geheimräthin ... Die Diener gingen leise und erleichtert . Pauline winkte der Ludmer und schlüpfte über einen kleinen Verbindungsgang aus dem Gartensalon in ihre Zimmer . Diese lagen je nach ihrer Stimmung nach vorn oder hinten . In dem Zimmer nach vorn empfing sie nähere Bekannte , in dem , das nach hinten lag , dachte und grübelte sie ; beide waren durch ihr Schlafzimmer , einen nach beiden Seiten hin offenen Alkoven , getrennt . Das vordere Boudoir war ungemein geschmackvoll und auch ganz so eingerichtet , als wenn sie immer in ihm verweilte . Ein Schreibtisch von Jacarandenholz , sehr zierlich gearbeitet und mit den reichsten Schnitzereien eingefaßt , trug alle jene kleinen Geräthschaften , Briefbeschwerer , Siegel , Statuetten , Visitenkartenhalter , wie man sie bei einer so gewählten Einrichtung anzutreffen pflegt . Alles lag hier zierlich und wohlgeordnet nebeneinander . Das Zimmer war hellblau . Die Sessel alle mit gelbem Plüsch überzogen . Auch die Vorhänge fielen gelb von den im Sommer sonnengeplagten Fenstern herab . Hier sah man eine Bibliothek mit kostbaren Einbänden , eine Etagère mit den » Souvenirs « und Geschenken einer ziemlich langen Lebensperiode , dazwischen Blumen , jedoch nur geruchlose , des Schlafzimmers wegen , das durch einen schweren auch gelbseidnen Vorhang von diesem Zimmer getrennt war . Das Schlafzimmer hatte kein eignes Fenster und wurde nur durch die Fenster der beiden Zimmer , die es verbanden , gelüftet . Das Bett war einfach und verrieth in seiner geringen Aufladung einen abgehärteten fast männlichen Sinn . Das war kein Bett zum süßen Träumen , sondern zum wirklichen Ausruhen von ernstem Wachen ! Ebenso war das zweite vertrautere Boudoir , das nach hinten hinausging zu dem Winkel , den im Garten der vorgeschobene Anbau des Gartensalons und das Frontgebäude bildeten , sichtlich nicht zum bloßen Staate bestimmt . Hier lebte Pauline wie sie war . Zur Rechten lag der Eingang in eine große Garderobe , wo in Schränken rings an allen Wänden ihre Kleider hingen . In diesem zweiten Boudoir war Alles grün . Auch der Vorhang , der nach dieser Seite das Schlafzimmer trennte , war grün , von einfacher Seide . Hier lagen Bücher und Schriften wild durcheinander , Papiere zerrissen im Papierkorbe , Siegel und Siegelwachs in reichster Anzahl und von wirklichem Gebrauche zeugend . Im blauen Zimmer mit den gelben Vorhängen sah man wol auch Spuren von Thätigkeit , auch einen Papierkorb , auch Siegelwachs und Petschafte , aber Alles zierlich , lieblich , graziös , wie für den Gebrauch eines Elfen , einer Sylphide bestimmt . Im hellgrünen Zimmer mit den dunkelgrünen Vorhängen und Möbeln dagegen traf man das wirkliche Leben ihrer starkgeistigen Bewohnerin . Da waren Schubfächer mit geheimen Druckern , Schränke , festverschlossen , und Polster , die wirklich zerlegen und zersessen waren . Hier war Pauline wahr . In dem Vorderboudoir gab sie einen gefälligen Schein . Wohnlich und traulich war es dort ... Man mußte glauben , in ihre geheimste innere Werkstatt zu kommen , wenn man durch eine lange Reihe Gemächer endlich durch den allgemeinen Empfangsalon bis in jenes blaue Zimmer gelangte . Da war Alles fesselnd und sinnvoll , gemüthlich und beziehungsreich . Man mußte die sinnige Frau , den still waltenden Geist bewundern , der hier wirkte und schaffte und sich mit dem bescheidenen , anspruchlosen Bett begnügte . Aber ... Pauline wohnte nicht hier . Sie wohnte in dem Zimmer Grün in Grün mit düstren Vorhängen , schattig und dunkel und in hundert Spuren die Wildheit ihres Innern verrathend . Hätte sie noch so lieben können , wie sie einst liebte und Niemanden leidenschaftlicher , als jenen Heinrich Rodewald , sie würde auch diesen Raum zu einem Tempel der Liebe erweitert und verschönert haben ... Jetzt trug er keine Spuren mehr davon . Mit ihrer letzten längern » Liaison « , dem französischen Attaché Grafen d ' Azimont , hatte sie diesen sie ganz allein erfüllenden Anregungen ihres Innern Lebewohl ! gesagt und sich überhaupt , in Rücksicht auf die kleinen Cirkel , einer musterhaften Aufführung befleißigt . Man muß gestehen , daß sie Ursache hatte , endlich etwas zu finden , was sie ganz erfüllte . Sie hatte zu Vielem entsagt , um nicht Ansprüche auf die stärkste und umfassendste Befriedigung ihrer nach Thätigkeit schmachtenden Seele zu haben . Das Verhältniß zu dem Maler Heinrichson war jetzt ein letzter sanfter Abendschimmer der Vergangenheit . Dieser junge , schöne , elegante Salonmaler besuchte sie täglich , aber sie gefiel sich darin , vor der Welt die Miene anzunehmen , als wenn er in ihr , der bald Sechzigjährigen , nur eine Mutter besäße , eine ältere , rathende , anregende Freundin ... Wie hätte sie auch sonst von Heinrichson ' s kleinen Aventüren sprechen und oft zur Trompetta , zur Mäuseburg , zur Werdeck , zur Landskrona , zur Spitz sagen können : Ach , ich bin recht verstimmt ... Heinrichson hat so viel Unglück mit einer kleinen Blondine oder einer Brünette , die er liebt ! Ich habe das Mädchen besucht , ihr einen Shawl geschenkt ... oder einen Hut ... aber sie liebt ihn nicht und macht mich unglücklich ! Die Ludmer folgte Paulinen in das Zimmer Grün in Grün . Aufmerksam hörte sie ihrer Gebieterin und Freundin zu , als diese auf eine Ottomane sich werfend , nunmehr ausrief : Welche Entdeckungen ! Welche Enthüllungen ! Henning im Möbelwagen ! Prinz Egon auf Hohenberg ! Eine junge Kokette , die so liebenswürdig und geistreich sein soll , daß der Geheimrath ganz aus der Façon gekommen sein muß und seine Grandezza und seine pariser Perrücke einmal vergessen hat ! Ein Bild , das über dem Wirrwarr verloren geht , vielleicht geraubt wird ! Wer bringt Licht in dies Dunkel ? Wer entwirrt uns eine Intrigue , die doch an den