Ihnen augenblicklich diese Erklärung zu geben ! « rief Leonin , mit einer Wildheit in Ton und Blick , die Alle erschreckte . - » Ich bin bereit dazu ; denn es ist vielleicht so besser , da ich in meiner Empfindung nicht mehr zu retten bin . Aber Sie - Sie , meine Mutter , - Sie sollten mich nicht dazu treiben wollen ! « Die Marschallin fühlte , daß sie zu weit gegangen war ; aber sie hatte noch keine Beleidigung ungerügt erfahren , von ihrem Sohne sollte sie sie hinnehmen , der ihr bis jetzt noch nie getrotzt ? Es war zu viel und dennoch sah sie ein , sie habe ihn selbst zu der Grenze hingetrieben , von der sie ihn hatte abhalten wollen . » Sie sollten mindestens fühlen , « sprach sie , sich mit Gewalt bezähmend - » daß der Augenblick zu Ihrer leidenschaftlichen Unhöflichkeit gegen mich schlecht gewählt ist . Ich bin die Witwe Ihres Vaters - vielleicht erinnern Sie sich , daß die Leiche dieses in Ungnade gefallenen , berühmten Mannes noch über der Erde ist - und daß ich Ihre Mutter bin ! « Leonin stand in düsterem Brüten vor dieser kunstvollen Rede ; es blieb ungewiß , ob er sie gehört . Da fühlte er eine leichte Hand auf seiner Schulter , und eine Stimme , die ihn zu wecken und sich zu sammeln vermochte , sprach unsicher und schwach : » Glauben Sie nicht , mein Gemahl , daß Sie auch mich in der Stimmung des Zürnens oder der Neugierde gegen sich finden ! Wenn Sie mir ein Recht zugestehen , wie ich eben zu hören glaubte , so lassen Sie es das des Vertrauens sein , das weder von Ihnen eine Erklärung fordert , noch nöthig hat . Fassen Sie sich aber jetzt . Der Schmerz , der so natürlich in Ihnen ist , sollte uns Alle zur Schonung gegen Sie auffordern ; - vielleicht bedürfen wir sie auch , « setzte sie mit sinkender Stimme hinzu - » wir haben Viel gelitten ! « Leonin versenkte sich mit zärtlichem Antheil in die schönen , edlen Züge , die so blaß , so leidenvoll waren . Er führte die sichtlich bebende Gestalt zu ihrem Sitze zurück und nahm knieend neben ihr Platz . » Theure , edle Viktorine , « seufzte er , ihre Hand an seine Stirn drückend - » Sie sind die Einzige , die ein Recht hätte , mir zu zürnen ; - aber Sie werden bloß der Engel sein , der über den Gefallenen weint ! « - Und sie weinte bereits . Der Herzog von Lesdiguères , der ein höchst verlegener Zuhörer dieser häuslichen Scene gewesen war , da er niemals über gesellschaftliche Verhältnisse hinaus sich zu denken erlaubte , erfaßte nun eine Richtung , die er glaubte erkannt zu haben , und nahte sich seinem Schwiegersohne . » Ich bin , « sprach er - » nach dem Empfange , den ich bei Seiner Majestät genossen , als ich ihm die Todesmeldung des Hauses Crecy-Chabanne machte , fast überzeugt , daß eine bestimmte Hoffnung auf Gnade vorhanden ist , und , wenn Viktorine ihren Einfluß bei der gütigsten Königin anwendet , Ihnen , mein Herr Schwiegersohn , der König Ihren Platz bei seiner erhabenen Gemahlin zurückgiebt . « So erfuhr Leonin seine Absetzung . Die Marschallin gönnte ihm einige Alteration und beobachtete ihn scharf . Er erhob sich jedoch sogleich ruhig von seinen Knieen und indem er dem Herzoge ehrerbietig für seinen Antheil dankte , setzte er hinzu : » Ich muß diese Absicht bei Seiner Majestät indessen entschieden ablehnen . Obwol ich meine Verweisung vom Hofe noch nicht kannte , mußte ich sie erwarten ; doch dachte ich bisher nicht daran und war entschlossen , den König um meine Demission zu bitten . « » Den König darum zu bitten ? « riefen der Herzog und die Marschallin zugleich . - » Ich bin gesonnen , « fuhr Leonin fort - » wenn ich über meine näheren Angelegenheiten mit meiner Gemahlin die nöthige Rücksprache genommen und hier alle Pflichten erfüllt , die meine neue Stellung mir aufnöthiget , mich zum Marschalle von Louxemburg zu begeben und ohne bestimmte Anstellung , um die ich jetzt nicht bitten könnte , unter seinen Fahnen als Volontair den Krieg mitzumachen . « » Den Krieg ? den Krieg ? « stammelte Viktorine , während Alle ihre Ueberraschung nicht zu verhehlen vermochten . » Erschrecken Sie nicht , theure Viktorine ! « - sprach Leonin , nur zu ihr sich wendend . » Es kann Ihnen nicht entgehen , daß mich ein ungewöhnliches Schicksal unerwartet und hart niedergeworfen hat . Gott mag es denen vergeben , die mich hineinstießen gegen Pflicht und Gewissen ! Ich kann es noch nicht - und eben so wenig auf dieser Stelle Ihnen gegenüber aushalten , Viktorine ! Lassen Sie mich jetzt gewähren . Vielleicht rettet mich Anstrengung meiner Kräfte , Thätigkeit , Entbehrung , Mitgefühl bei der Noth des Krieges . Vielleicht komme ich Ihrer würdiger zurück ; - jetzt ist Ihre Nähe mir ein Vorwurf - ich vermag sie nicht zu ertragen ! « » Genug ! « rief hier die Marschallin mit ihrer alten Energie und außer sich gebracht über die rücksichtslose Sprache ihres Sohnes , die er selbst gar nicht zu bemerken schien . » Es dünkt mich , Sie sind in einer so maaßlosen Aufregung zu uns zurückgekehrt , daß Sie keine Beurtheilung über das Gewicht Ihrer Worte haben . Ich fühle mich unfähig , meinen Sohn länger in einer solchen Stimmung die wichtigsten Interessen seines künftigen Lebens absprechen zu hören ! Lassen Sie uns nach dem kleinen Eßsaale gehen , wo uns einige der genauesten Freunde des Marschalls erwarten . « » So bitte ich , mich zu beurlauben , « sagte Leonin ; - » ich will mit meiner Stimmung , die gegen Ihre Absichten läuft , Ihnen nicht länger lästig fallen .