verletzen würde , als Du berechnen kannst . Diese ersehnte Zusammenkunft ist vielleicht nicht mehr fern , und ich war eben gesonnen , Dich auf meine mögliche kurze Entfernung vorzubereiten , welche mit einem mir gemachten Vorschlage , den König zu sehen , zusammenhängt , und welche den Bewohnern dieses Schlosses zu deuten , ich Deiner Klugheit überlassen muß . Und habe ich so viel Anspruch an Euer spätes Vertrauen , verehrter Herr , um hier mehr als ein blinder Hüter Eurer mit Fremden verabredeten und mir bis jetzt so wohl entzogenen Pläne zu sein ? sprach die Herzogin , sich nach ihrem Sessel zurückziehend . Ja wohl , Fremde ! seufzte hier Lord Bristol schwer auf , denn in England scheint kein Herz mehr nach dem Takte alter Ehre und alten Rechtes zu schlagen , sondern , wie die Furcht das feige Blut regiert , im jähen Wechsel von Hast und Gleichgültigkeit . Die Hülfe , die man mir beut , sie kömmt von jenen , die aus dem Untergange meiner lang gepflegten , für England segensreichen Pläne ihre eigenen aufblühen sehen . Richelieu bietet sich zum Vermittler an , durch Richelieu ' s geheimen Einfluß soll ich den König sehen . - Richelieu ! rief die Herzogin , in der Ueberraschung ihre Empfindlichkeit vergessend , Richelieu , der Jesuit ! der Feind aller Freiheit , aller Tugend ! Euer Feind , so lang Ihr England mit Spanien zu vereinen strebtet , er , er würde Euern Einfluß zu heben suchen , nachdem ihm durch Euren Sturz der beste Vortheil ward , und er begierig mit Eurem Feinde Buckingham die Bande schürzte , die auf immer Alles trennen , was Ihr mit langer Weisheit in andrer Richtung angeknüpft ! Vater , wollt Ihr mich glauben lehren an den Ruf , der Richelieu zu dem verschlagensten Staatsmanne Europa ' s stempelt ! Wenn er Euch zu täuschen wüßte , glaube ich an Alles ! Eben weil ich Dich als so rasch in Urtheil und Aeußerungen kenne , erwiederte Lord Bristol , entzog ich Dir , wie Du bestätigst , nicht ohne Grund , die langsam entstehenden Beweggründe , die endlich mich zu diesem Punkte führen konnten ; doch weiß ich , die Ueberzeugung wird Dir bald nöthig sein , daß Dein in den Wegen der Politik grau gewordener Vater nicht jetzt in die Schlingen eines französischen Kardinals gefallen , sondern daß hier zum ersten Male der Fall eingetreten ist , daß Beide in einem Interesse handeln . Da die Herzogin ihn nicht unterbrach , fuhr Graf Bristol fort : Was ich zum Wohle des Ganzen mit Spanien so sorgfältig angesponnen , ist unwiderruflich dahin . Frankreich hat mit neidischen Augen eine Verbindung betrachtet , welche England einen überwiegenden Einfluß auf alle europäischen Beschlüsse verhieß , und wohl wissend , von wem dieser Plan ausging und geleitet ward , und wie nach ihm Keiner ihn führen könnte , war ich seinen geheimen Machinationen unaufhörlich preisgegeben . Alle Schwierigkeiten des römischen Hofes wurden von Frankreich geleitet und scheiterten allein an dem seltenen persönlichen Verhältniß , welches zwischen mir und Philipp bestand , und mein einfaches Wort höher gelten ließ , als alle Intriguen des ehrgeizigen Kardinals . Daß aus der unbegreiflichen Versöhnung des Prinzen mit Buckingham diese verderbliche Reise entstehen dürfte , die Alles vernichten mußte , das lag außer der Berechnung selbst der kühnsten Wünsche Frankreichs ; doch ward es eben so schnell zu dessen Vortheil benutzt , wie es außer meinen Kräften lag , es unschädlich zu machen . Eine wunderbare Erscheinung in der Welt hat sich hier wiederholt , daß oft die Weisheit durch die Schellenkappe von ihrem Throne gejagt wird , um das Laster darauf zu krönen . Was Richelieu nicht zu hintertreiben gelang mit dem ganzen drohenden Apparate des römischen Hofes , das gelang dem wahnsinnigen Uebermuthe eines boshaften Thoren , der vielleicht in toller Laune seine Schuhschnallen gegen diese Verbindung gewettet hatte . So brutal , so planlos , so ohne Hehl seiner bösen Absicht trat dieser Mensch auf , und dennoch so unwiderstehlich , da er kein Mittel scheute , um gerade das zu zerstören , worauf Alles beruhte : Treue und Glauben an englische Redlichkeit und reine Sitte . - Und der Prinz ? rief die Herzogin . Nie werde ich das Räthsel lösen können , was er uns dabei aufgiebt . Nicht hoch ist meine Meinung von ihm gewesen , sie ist gerechtfertigt ; seine erste Handlung zeigt ihn als einen Mann ohne Haltung , ohne Güte und wahres Ehrgefühl . Wie konnte er je die Hand Buckinghams ergreifen , die sich einst freventlich gegen ihn erhob , und sich von allen denen wenden , für die er früher nur zu leben schien . Der Prinz , erwiederte Bristol , zeigt sich freilich abweichend von dem , was früher wir von ihm erwarten durften ; aber ehe ich Dir beipflichte , müßte ich ihn näher beobachten können . Ganz rechne ich seinem Karakter diese Verwandlung nicht zu ; es liegt hier irgend ein äußeres Anreizungsmittel zum Grunde , das bis jetzt zu erforschen mir nicht gelang . Doch leider ist so viel gewiß , daß , seit er in Deinem Gemahl seinen guten Engel verloren , er in die Gewalt eines bösen Geistes gerieth , der mindestens seine Handlungen der Welt entstellt wiedergiebt . Vielleicht hätten wir den Schlüssel zu allem diesem , wenn Dein Gemahl Zeit behalten hätte , mir den Grund seiner Reise nach Spanien zu entdecken ; daß sie vom Prinzen veranlaßt war , ist das Einzige , was mir klar geworden . Wunderbar , sagte die Herzogin düster vor sich hin , er hat ihn mir mißgönnt vom ersten Augenblicke an , er hat ihn mir entzogen , so viel er vermochte , er hat ihn mir endlich für immer geraubt ! Bristol umging es , diese bittere Anklage seiner Tochter durch Widerspruch zu schärfen , und sie abziehend , führte er die abgewichene Unterredung auf ihren Anfang zurück