Jugend sehr bald , und ihm war wenigstens die Bahn eröffnet , sich Ehre zu erwerben , wenn ich auch fortwährend für sein Leben zittern mußte . Die Dankbarkeit , welche die Gräfin für die Schwester des Grafen Evremont empfinden mußte , erhöhte die frühere Neigung , und beide Frauen schlossen sich eng an einander in inniger Freundschaft , die dadurch noch fester wurde , daß Beider Zärtlichkeit sich in demselben Gegenstand begegnete . Adolph St. Julien pries sein Geschick , das ihm zwei Mütter gegeben hatte , die er beide mit herzlicher Liebe empfing . Der Graf hatte es gern übernommen , die Geschäfte seiner Freunde ordnen zu helfen , und er fand es natürlich , daß die Tante das zarte Gefühl für Recht zu befriedigen suchte und dem Neffen das Erbe seines Vaters einzuhändigen wünschte . Er stand ihr also in diesen Auseinandersetzungen bei , und indem er in Berlin die Papiere durchging , die sie zu diesem Behuf mitgebracht hatte , fielen ihm auch die Zeugnisse der Geburt des jungen Mannes in die Hände , und er machte die Wittwe des Herrn St. Julien darauf aufmerksam , daß es auch gerecht sei , daß dessen Adoptivsohn den so lange geführten Namen ablege und den ihm durch die Geburt zukommenden führe . Es war ihm nicht schwer , die Schwester des Grafen Evremont zu überzeugen , daß bei der Wendung , die die öffentlichen Angelegenheiten Frankreichs genommen hatten , dieß für den jungen Mann vortheilhaft sei , um so mehr , da nicht nur dort ein neuer Adel entstand , sondern Napoleon unverkennbar die alten Familien um sich zu sammeln suchte , und man so in der Ferne hoffen konnte , den jungen Mann wieder als Grafen anerkannt zu sehen ; eine Hoffnung , die weder dem Grafen selbst , noch der Wittwe St. Juliens gleichgültig war , denn wie der Mensch auch meint sein Herz gereinigt und sich über Vorurtheile erhoben zu haben , so lassen sich doch Gefühle , die von frühester Kindheit an ihm unbewußt genährt werden und mit ihm gewachsen sind , wohl verläugnen , sie gänzlich auszurotten aber ist er niemals im Stande . Der Graf war weit davon entfernt , irgend ein drückendes Vorrecht des Adels erneuert zu wünschen , aber er konnte sich nicht abläugnen , daß er den jungen Mann , den er väterlich liebte und dem er , als dem Sohne seiner Gemahlin , alle Rechte eines leiblichen Sohnes einräumen wollte , Graf Evremont zu nennen wünschte , und er meinte , wenn nur der erste Schritt geschehen sei und er den Namen seines Vaters führte , so stände der Anerkennung des alten Adels eigentlich nichts mehr entgegen , die ja in Deutschland erfolgen mußte , selbst wenn sie Napoleon nicht bewilligen sollte , weil die vorhandenen Dokumente die Rechte des jungen Mannes an diesen Titel klar bewiesen , denn daß der geliebte Sohn sich auf deutschen Boden zurückziehen sollte , sobald die Ehre es erlaubte , war gleich nach der Erkennung in Hohenthal von allen Seiten beschlossen worden . II St. Julien empfing mit Dankbarkeit sein väterliches Erbe und bat den Grafen , es gemeinschaftlich mit seiner Tante zu verwalten . Der Frühling näherte sich , und da der Urlaub des jungen Mannes ebenfalls beendigt war , so durfte er nicht länger zögern , und die Trennung , die seinem Herzen so schwer wurde , mußte erfolgen . Der Graf suchte die Standhaftigkeit seiner Familie zu erhalten und vor Allem die Gräfin zu schonen , indem er darzustellen suchte , daß wenigstens keine Gefahr für den geliebten Sohn für die nächste Zeit zu befürchten sei , weil man von Portugal , wohin sich die Truppen wahrscheinlich richten würden , keinen bedeutenden Widerstand erwarten dürfe . Die Gräfin fühlte , daß der Graf die Sache selbst anders betrachtete , als er sie zu ihrer Beruhigung darzustellen wünschte , und fand deßhalb keinen Trost in seinen Worten . In den schönen Augen der sanften Emilie entdeckte man oft Spuren von Thränen , und ihre sonst von einer zarten Röthe angehauchten Wangen wurden täglich bleicher . St. Julien suchte seit lange ein einsames Gespräch mit ihr , und er bereute hundert Mal , daß er den Aufenthalt auf dem Lande nicht besser benutzt hatte , der ihm täglich die Gelegenheit dazu bot , die er in Berlin lange vergeblich herbei wünschen mußte . Er wollte sich nicht trennen , ohne aus dem Munde der Geliebten das Wort zu vernehmen , welches nach seinem Gefühle über das Glück seines Lebens entscheiden mußte , und dieß Wort wollte er selbst vernehmen und nicht der Bewerbung eines Andern verdanken , und nur dann , wenn Emilie über sein Glück entschieden hätte , wollte er es seinen Freunden mittheilen . Endlich fand sich der lang herbeigesehnte Augenblick . Der Graf war mit den andern Damen ausgefahren und wurde erst in einigen Stunden zurückerwartet . Emilie , die seit einiger Zeit die Einsamkeit suchte , um sich ungestört ihren Träumen und ihrer Trauer hingeben zu können , war unter dem Vorwande eines leichten Unwohlseins gern zurückgeblieben , und St. Julien , der ihre Absicht bei der Mittagstafel erfuhr , zog sich ebenfalls von der Gesellschaft zurück . Er fand die Geliebte , wie er es wünschte , allein . Die bei seinem Eintritt getrockneten Thränen und die Röthe ihrer Wangen zeigten ihre innere Bewegung . Vor der dunkeln Glut seines Auges senkten sich schüchtern die milden , dunkelblauen seiner Freundin , und nach schwachem Widerstreben ruhten ihre zitternden Hände in den seinen . Ihr Ohr trank die süße Melodie seiner Worte , und sie berauschte ihr Herz mit seligem Entzücken . Die Glut seines Gefühls öffnete ihm das schöne , von jungfräulicher Zaghaftigkeit verhüllte Herz , und ließ ihn entzückt die Tiefe und Fülle ihrer zärtlichen Neigung ahnen . Die Stunden verschwanden dem glücklichen Paar wie Minuten , und als der Graf mit seiner Gesellschaft zurückkehrte , belehrte ihn der leuchtende Blick St. Juliens und die