sie wiedersehn , wie meine Jugend ! Wie rätselhaft , was unsre Jugend füllt Und wie so deutlich , was das Alter schwächt , Es will vergüten , was die Jugend fehlte . Ach Jugend macht die Jugend einzig gut ! O meine Jugend , wie bist du entschwunden In steter Arbeit , wie ein trüber Nebel , Der unter sich das frohe Grün ertötet , Er will es nicht , doch so ist seine Liebe . Nach einer Pause . Es ist zu viel ! Die tiefe Not ich trug , Und schwindle , da mich trägt ein neues Glück , Ein beßrer Lebensmut und reiner Wille ! Ich steh im Vaterland , vor meiner Schwelle , Hier eingewiegt , als Knabe eingespielet , Mit Todesmut als Jüngling eingeschworen , Mit Liebesglut auf ewig eingebrannt , Wo Liebe noch mich eingewurzelt hält , Der ersten Liebe gleich durchwachsne Rosen , Dies ew ' ge Band aus Lust und Schmerz gewoben , Wie wird mir hier so wohl und auch so weh . Ha , wo das Herz der Liebe Haus erbaut , Da haust es ewig , läßt sich nimmer bannen ; Hier lebte ich und war ich fern und ferner , Hier wachte ich an dieser heil ' gen Schwelle , Wie Traum bewacht der heil ' gen Unschuld Schlaf , Und träumend kehr ich heim zu Jugendfreuden . Sag ' s frei heraus mein Mund , was lang gedacht , Sich doch in des Gehirnes Falten decket , Was meine Jugend füllt , war unerschöpflich , Doch nun ich alt , da seh ich bald den Grund Und halt zusammen , was ich sonst verschwendet . Gesteh dir alles ein , mein fester Sinn : Dort stehet noch das alte Storchennest Hoch übern Schornstein künstlich frei erhöht , Das unserm Hause ehlich Glück sollt bringen , Jetzt bringt es mir so manche Nachgedanken . Es ist dasselbe Nest , ist ' s auch der Storch ? Ist nicht der alte Storch noch müd und ferne , Ein jüngerer hat ihm das Nest geraubet ? Was hülf ' s dem Storch , wenn er das Nest nun findet , Und findet es erwärmt von andrer Lust , Und fänd er ' s kalt und könnt es nicht erwärmen ? O welche Glut ist noch in meinem Mute , Und doch , ich fühl mich kalt , indem ich glühe , Denn zu viel Möglichkeiten sind in mir . KIND . Du sprichst vor dir und schauest dich nicht um , Es ist mir hier , als wär ich hier zu Hause ; Hier find ich Milch und Frucht , darf ich wohl essen ? VATER . Genieß mit Freuden , Milch und Frucht sind dein , Und wunderlich erschöpft ein nächtlich Wandern . - Wo hat mich Frucht von müheschweren Jahren , Wo hat die Milch der Hoffnung mich erquickt , Wo hat die Freude mich zum Tanz beflügelt , Was ist Gesundheit eines öden Sinnes ? Nur in dem Kind allein , wie es sich nährt , Bewußtlos in die Welt so herzhaft fühlt , Da hol ich nach , was ich versäumte trotzend . Ich seh ihm gerne zu , wie er sich macht , Und wie er reift , sich selber zu erkennen ; Ich hatte viel in diesem edlen Kinde , Ein lebend Bild von der verlaßnen Frau , Ich bin ihr nah , es will mir ganz genügen ; Mich fühlen ganz und froh , ich kann ' s nicht fassen . Mir ist ' s , als wär ich für mein Glück zu schwach , Was hilft ein volles Mahl im Hungertode , Der Eltern Segen Liebesterbenden ! KIND . Du klagst ja Vater , kann ich dir nicht helfen ? VATER . Ich klage nicht , ich freue mich nur anders ; Wer sich nicht arm stellt , kriegt vom Glücke nichts , Ganz heimlich sammle ich den Schatz der Not . Doch helfen kannst du mir . Bist du noch müde ? KIND . Ich bin bereit , ich springe ja schon weiter . VATER . Wo willst du hin ? Hast du es schon vernommen . KIND . Ich dacht , wir müßten eilend weiter ziehen . VATER . Noch nicht ; was willst du denn schon fort von hier , Wie , sollte das mir gar ein Zeichen sein ? Hör zu , du sollst mir etwas Wertes holen : Du siehst den duftbelegten Wiesenplan , Die Sonne atmet in die Welt so warm , Das helle Meer läuft zitternd himmelan , Und scheinet mit dem Himmel schon zu leben , Und ferne heben sich die Wolkenfelsen , Als wollten sie sogleich darauf gewittern ; Bist du nicht bang allein dahin zu gehen ? KIND . In freier Luft hab ich mich nie gefürchtet . VATER . Kömmst du hinaus nun über jene Wiesen , So geh zum vögelklingenden Gehölze , Dann findest du dich bald am weißen Felsen , Der jähe wie vom Meer zurückgeschreckt , Halb zweifelnd , ob er sich hinein soll stürzen , Das Ende einer Welt bezeichnen mag ; Zerstörung nagt darin in Wind und Wettern . KIND . Du warst wohl lange hier , daß du den Ort Mir also deutlich stellest vor die Augen , Als hätt ich ihn in alter Zeit gesehen . VATER . Wohl war ich hier ! Jetzt höre mit Bedacht . Auf diesem Abhang steht ein Myrtenstrauch ; Erst war er klein , nun ist er sicher groß , Den reiße aus mit allen seinen Wurzeln , Denn unten liegt ein Schatz , den bringe mir . KIND . Kaum halt ich mich ! Ich hob schon manchen Schatz , Der in der Erde neidisch war versteckt . VATER . Viel alte Scherben , die du heilig ehrtest . KIND . Du weißt es nicht , wie ich sie angesehen . VATER . So halte heilig , was du dort gefunden ; Du Leichtsinn weißt doch