keine Unschuld - , ich gewann nichts - ich hasse die Sinnenlust - ; der schwarze Schatte , den einige Reue nennen , fuhr breit hinter den weggelaufenen bunten Lustbildern der Zauberlaterne nach ; aber ist das Schwarze weniger optisch als das Bunte ? Verdamme deine arme Schwester nicht ; sie ist jetzt unglücklicher als ich , denn sie war glücklicher ; aber ihre Seele ist unschuldig geblieben . Bewahrt lag ihre Unschuld in ihrem Herzen wie ein Kern in der steinigen Pfirsichschale ; der Kern selber zersprengte in der nährenden , warmen Erde seinen Panzer und drängte sich grünend ans Licht . Ich besuchte sie nachher . Alle ihre Seelenschmerzen gingen in mich über ; zu allen Taten und Opfern für sie fühlt ' ich mich leicht ; aber zu keinen Empfindungen . Macht , was ihr wollt , du und mein Vater , ich werde mich in diesem dummen Stoppelleben , wo man in der Freiheit so wenig erntet , nicht vollends in das enge dreißigjährige Gehege der Ehe bannen . Bei Gott ! für den erbärmlichen erpreßten Sinnen-Rausch hab ' ich schon bisher und unter ihm mehr ausgestanden , als er wert ist . Nicht das , was ich gestern bei dir gelesen , gibt mir diesen Entschluß - das frage Rabetten über ihn - , und meine Freimütigkeit gegen dich ist ein willkürliches Opfer , da die Mysterie unter zweien hätte ohne mich eine bleiben können : sondern ich will nicht von dir verkannt sein , gerade von dir , der du , bei so wenigen Reflexen deines Innern , so leicht nachteilig vergleichst und nicht merkst , daß du meine Schwester in Lilar gerade so , nur mit geistigern Armen , opfertest und ihre Augen und Freuden in den Orkus warfst . Ich tadle dich nicht ; das Schicksal macht den Mann zum Unter-Schicksal des Weibes . Die Leidenschaften sind poetische Freiheiten , die sich die moralische nimmt . Du hieltest mich doch nicht für zu gut , ich bin alles , wofür du mich nahmest , nur aber noch mehr dazu ; und das Mehr-Dazu fehlt dir noch selber . O , wie fliegt mein Leben schneller , seit ich weiß , daß Sie146 kommt ! Das Schicksal , das so oft Gewicht und Räder spielt und den Perpendikel des Lebens mit eigner Hand auswirft , hebt den meinigen aus , und alle Räder rollen der seligen Stunde unbändig entgegen . Sie ist meine erste , meine reinste Liebe ; vor ihr riß ich alle meine blühenden Jahre aus und warf sie ihr hin auf ihren Weg als Blumen ; für Sie opfer ' ich , wag ' ich , tu ' ich alles , wenn Sie kommt . O , wer in der leeren Schaum- und Gaukel-Liebe nichts fürchtet , was sollte der in der rechten , lebendigen Sonnen-Liebe scheuen oder weigern ? - Du Engel , du Würgengel , du flogst herein in mein kahles , ebenes Leben , du fliehst und erscheinst , bald hier , bald da , auf allen meinen Steigen und Auen , o verweile nur so lange , bis ich vor deinen Füßen mir mein Grab aufgewühlet habe , während du zu mir heruntersahest ! Albano , ich schaue die Zukunft und greif ' ihr vor ; ich sehe recht deutlich das lange , über den ganzen Strom gespannte Netz , das dich fassen , schnüren und würgen soll ; dein Vater und noch andere ziehen darin euch beide einander zu , Gott weiß warum . Darum kommt Sie jetzt , und dein Reisen ist nur Schein . - Meine arme Schwester ist bald besiegt , nämlich ermordet ; besonders da man dazu bei ihrem Geisterglauben keine andere Stimme braucht als jene körperlose , die über dem alten Fürstenherzen dem deinigen die Grenze anwies ! Welche Lichter in der Zukunft , die zwischen finstern Verhältnissen und Gebüschen , in Mord-Winkeln brennen ! - Wie es sei , ich trete in die Höhlen hinein ; ich danke Gott , daß das ohnmächtige , kaltschwitzende Leben wieder einen Herzschlag , eine Leidenschaft gewinnt ; und dann oder jetzt tue gegen mich , der ich sicher und versteckt und unredlich handeln konnte , was du magst . Schlage dich heut oder morgen mit mir . Es soll mich freuen , wenn du mich in den längsten Schlaf auf den Rücken bringst . O , das Opium des Lebens macht nur anfangs lebhaft , dann schläfrig , o so schläfrig ! Gern will ich nicht mehr lieben , wenn ich sterben kann . Und so ohne ein Wort weiter hasse oder liebe mich , leb aber wohl ! Dein Freund oder dein Feind . « 89. Zykel » Mein Feind ! « rief Albano . Der zweite heiße Schmerz schlug vom Himmel in sein Leben ein , und der Wetterstrahl brannte grimmig wieder hinauf . Als ein herzloser Rumpf der vorigen Freundschaft war ihm Roquairol vor die Füße geworfen ; und er fühlte den ersten Haß . Diese Giftmischung von sinnlicher und geistiger Schwelgerei , dieser Gärbottich von Sinnen-Hefe und Herzens-Schaum - dieser Vertrag von Liebes- und Mordlust und gegen dasselbe schuldlose Herz - dieser geistige Selbstmord des Gemüts , der nur ein lustiges , umherschweifendes , sich wechselnd verkörperndes Gespenst übrig ließ , auf das kein Verlaß mehr bleibt und das ein tapferer Mann schon zu hassen anfängt , weil er diesen weichen Gift-Nebel nicht packen und bekämpfen kann - das alles erschien dem Grafen , der ohne die Übergänge und Mitteltinten der Gewohnheit und Phantasie aus dem vorigen Lichte der Freundschaft in diese Abenddämmerung geführe wurde , noch schwärzer , als es war . Neben die flache Wunde , die sein Familienstolz in der gemißhandelten Schwester empfing , kam die tiefe giftige , daß Roquairol ihn mit sich und Lianens Zerstörung mit Rabettens ihrer verglich . » Bösewicht ! « knirschte er ; auch die kleinste Ähnlichkeit schien ihm eine Verleumdung . Allerdings hatte Roquairol an ihm sich verrechnet