Tabackspfeifen und die Wirthschaftsmamsell kam mit einem Häckselkasten , darin eben gelegte Eier lagen , oder mit ein paar Stücken Butter , die mit nach Ruppin wandern sollten . Und nun setzten wir uns an den Kaffeetisch , an dem alles herrschte , nur nicht Ruhe , denn entweder kamen Tagelöhner und Arbeiter , um die Schlüssel vom Schlüsselbrett zu holen , oder ein Polier oder Zimmergeselle trat ein , um Nägel zu fordern oder irgend was andres . Alles so primtiv wie möglich . So viel Tassen , so viel Größen und Muster und kamen dann mehrere von unsren Beamten und Angestellten und setzten sich mit an denselben Tisch , so wurde der Aufguß-Kaffee immer dünner und der Kümmel den wir in der Brennerei leidlich zu mischen verstanden , mußte aushelfen . Aber dem ungeachtet waren dies glückliche Stunden und wenn Fremde mit uns herausgekommen waren , so wählten wir draußen einen Platz im Freien und nahmen Abends unsre saure Milch unter einem Hollunderbaum an windgeschützter Stelle . Die Kinder waren glücklich und der Hang , dies Idyll zu ändern und mit einem prächtigen Bau zu vertauschen , war , vielleicht grade weil wir Gentzrode so liebten , anfänglich höchst gering . Nach und nach stellte sich aber doch , und zwar nach aller Meinung , die Nothwendigkeit heraus , diesen primitiven Zuständen ein Ende zu machen , und als ich in die Lage kam , einen großen an der Landstraße sich hinziehenden Speicher bauen zu müssen , entschloß ich mich , diesem Speicher einen thurmartigen Anbau zu geben , theils um das Straßenbild zu verbessern , theils um endlich einige präsentable Wohnräume zu gewinnen . Und nach diesem Entschlusse wurde denn auch verfahren . Der thurmartige Anbau , mit einem mächtigen Thurmknopf oben , empfing ein großes Zimmer im Erdgeschoß und ein eben so großes im 1. Stock , woran sich dann , im 2. Stock , einige kleinere Räume : Schlafzimmer und Logirzimmer anschlossen . « So berichtet Alexander Gentz über die Verhältnisse , die diesen turmartigen Speicheranbau mit einem Goldknopf darauf entstehen ließen . Uns erübrigt nur noch , die Räume selbst zu schildern , von denen das Turmzimmer im Erdgeschoß , soviel ich weiß , bis diesen Tag unverändert geblieben ist . Dies untere Turmzimmer kann als ein in seiner Art interessanter Raum gelten . Man hat hier alles in Bild und Schrift beisammen , die Personen und die Gedanken , die Gentzrode seinerzeit entstehen ließen . Es ist eine dunkelgrüne runde Halle , oben mit goldenen Sternen bemalt . Als Wandbilder ( von Wilhelm Gentz herrührend ) , erst der alte Johann Christian , dann Alexander Gentz , dann der erste Torfmeister , der erste Förster , der erste Brenner , der erste Inspektor . Dazu Versinschriften . Zwischen den beiden Gentz , Vater und Sohn , stehen folgende Reime : Wer Großes schafft , muß viele Plagen Mit zähem Muthe fest ertragen . Auch Dem , der hier den wüsten Sand Der Kahlenberg ' in urbar Land Verwandelt hat mit Müh und Fleiß , Ihm machte man sein Streben heiß . Philisterrede , Spott und Hohn , War Anfangs seiner Mühe Lohn , Alsdann des Waldbrands grimme Noth Hat Untergang ihm fast gedroht . Doch hat er all die Müh ' und Plagen Mit zähem Muthe fest ertragen . Er dacht ' : wem Großes soll gedeihn , Darf keine Müh und Arbeit scheun , Muß rüstig brauchen Kopf und Hände , Dann führt er ' s doch zum guten Ende . Dieser längeren Reiminschrift gegenüber stehen folgende kurze Sprüche : Was verkürzt die Zeit ? Thätigkeit . Was bringt in Schulden ? Harren und Dulden . Was macht gewinnen ? Nicht lange besinnen . Was bringt zu Ehren ? Sich wehren . So das runde Zimmer im Erdgeschoß . Auch das im ersten Stock war seinerzeit reich geschmückt mit Teppichen , Geweihen und Tigerfellen , mit Raubvögeln und Wildschweinsköpfen , meist selbstgemachte Jagdbeute . Dazwischen waren andre Räume mit Waffen gefüllt , so daß sie einer Rüstkammer glichen ; oben aber lief ein Außengang um den Turm herum , von dem aus man einen trefflichen Überblick über Näh ' und Ferne hatte . Das obere Zimmer war Arbeitszimmer für Alexander Gentz , wenn er , auf länger oder kürzer , in Gentzrode verweilte , während das Rundzimmer im Erdgeschoß als Empfangsraum für die Besucher diente , deren sich , in den Sommermonaten , beinah täglich etliche hier zusammenfanden . Auch solche , die für längere Zeit in Gentzrode verweilten , hatten in diesem Parterreraum ihr regelmäßiges Frühstücksrendezvous mit der Familie . Diese Besucher waren meist Freunde aus Berlin , unter ihnen Adolf Stahr und Fanny Lewald , die hier vorübergehend ihren Sommeraufenthalt nahmen . * All dies war in den ersten siebziger Jahren . Aber wie seinerzeit das » Inspektorhaus « nicht mehr genügt hatte , so wollte jetzt auch der » Turmausbau « nicht mehr genügen und Alexander Gentz , dessen Torfgeschäft » im Wustrauer Luch « nach wie vor große Gewinnsummen abwarf , hielt jetzt den Zeitpunkt für gekommen , um seine speziell hier in Gentzrode von Anfang an auf das künstlerisch Prächtige gerichteten Ideen verwirklichen zu können . Mit andern Worten , es handelte sich darum , zum Abschluß des Ganzen ein Schloß , einen Park , ein Mausoleum entstehn zu lassen . Und mit dem ihm eignen Feuereifer ging er an die Durchführung dieser neuen Idee . Sein Bruder Wilhelm , der schon damals , einigermaßen kopfschüttelnd , dem allen zusehen mochte , schreibt mir über das Vorgehen aus jenen Tagen : » Alexander wandte sich zunächst an die Herren Kyllmann und Heyden und bat dieselben um einen Entwurf . Aber was die Herren ihm einsandten , eine reizende Zeichnung im Villenstil , mißfiel ihm , weil es ihm nicht groß genug war . Er ging nun die Herren Gropius und Schmieden um einen andern Plan an . Dieser kam und gefiel ihm . Er war mehr oder