ist Geduld . Es geht alles so sehr , sehr langsam . Die Menschheit ist noch ein Kind , und wir verlangen schon Gerechtigkeit von ihr . Gerechtigkeit ! wie weit ist es noch bis dahin ! So weit wie vom Urwald zum Garten . Wir müssen Geduld üben für viele Generationen , die nach uns kommen . « Daniel erhob sich und ging auf und ab . Nach einer Stille , die Benda marterte , sagte er gepreßt : » Laß uns fortgehen , in ein Wirtshaus oder auf den Gassen herum , wohin du willst . Oder wenn ich dir lästig bin , begleit ich dich ein Stück und bleib dann allein . Nur hier kann ich nicht länger sein . « » Mir lästig , Daniel ? « erwiderte Benda vorwurfsvoll . Das war der Ton von ehemals , der Blick von ehemals . Und Daniel spürte plötzlich , daß er seinerseits nicht nötig hatte , viel zu erzählen ; diesem Ton und Blick entnahm er , daß Benda vieles wußte , alles ahnte . Es wurde ihm leichter ums Herz . Sie gingen hinunter . 15 Daniel bat Benda , an der Stiege zu warten , sperrte das Gatter auf und nahm seinen Hut vom Haken . Im Wohnzimmer herrschte großer Lärm und ununterbrochenes Gelächter . Philippine trat aus ihrer Kammer und brummte : » Was die heut wieder treiben ; machen einen Spektakel wie die B ' soffenen . « » Was ist denn los ? « erkundigte sich Daniel scheu , nur um etwas zu sagen . » Blindekuh spielen s ' halt , « versetzte Philippine geringschätzig , » lauter alte Menschen , und spielen Blindekuh . « Da erschallte ein Klirren wie von einem zerbrechenden Teller , ein durchdringender Schrei folgte , dann ein kurzes Schweigen , dann wieder jenes allgemeine , widrig klingende Gelächter . In der schreienden Stimme hatte Daniel die Dorotheas erkannt . Er eilte zur Tür und öffnete sie jäh . Sein zorniger Blick umfaßte den Tisch , auf dem sich Kannen , leere Tassen und Bäckereien befanden , die beiseite geschobenen Stühle , den neuen Gaslüster , den Dorothea angeschafft , mit seinen fünf in Milchglaskugeln brennenden Flammen , und sieben oder acht Personen , die um Dorothea gruppiert waren und , immer noch lachend , einen zu Boden gefallenen Gegenstand betrachteten . Dorothea hatte die weiße Binde , die sie während des Blindekuhspiels vor den Augen gehabt , auf die Stirn geschoben . Sie war die erste , die Daniels ansichtig wurde und rief aus : » Da ist ja mein Mann . Zank nicht , Daniel , es ist bloß das dumme Gipsgesicht . « Der Hofrat Finkeldey , ein weißbärtiger Faun , nickte begeistert in die Richtung , wo Daniel stand . Es war seine Art , Dorothea zu huldigen , daß er alles , was sie sagte , mit einem begeisterten Nicken begleitete . Daniel aber sah , daß die Maske der Zingarella zertrümmert war . Ohne zu grüßen , ohne einen von den Gästen eines Blickes zu würdigen , schritt er in den Kreis , kniete nieder und versuchte , die zerbrochnen Stücke der Maske wieder zusammenzulegen . Aber es waren der Trümmer zu viele ; die Nase , das Kinn , Teile der herrlichen Stirn , ein Stück mit dem wehen Mundbogen , ein anderes von der Wange , es ließ sich nichts fügen . Da schleuderte er mit einer einzigen Bewegung die Scherben auseinander und richtete sich wieder empor . » Philippine , den Besen ! « befahl er laut . Und als Philippine den Besen brachte , fügte er hinzu : » Kehr den Dreck hinaus und wirf ihn auf den Mist ! « Philippine kehrte , und Daniel verließ ohne Gruß , wie er gekommen war , die Stube . Die Kommerzienrätin Feistmantel machte ein entrüstetes Gesicht , Edmund Hahn blies den Atem durch die Nase , Herr Samuelsky , ein dicker Mensch mit einem roten Bart , murmelte eine verächtliche Bemerkung . Dorothea standen vor Ärger und Verdruß die Tränen in den Augen . Benda hatte am Gatter still gewartet . » Sie hat mir die Maske zerbrochen , « sagte Daniel mit verzerrtem Lächeln , als er zu ihm trat ; » die Maske , die du mir einst geschenkt hast , erinnerst du dich ? Sonderbar , daß es gerade heute ist , gerade bei unserm Wiedersehen . « » Man kann sie vielleicht kitten , « wagte Benda zu trösten . » Ich bin nicht fürs Kitten , « antwortete Daniel , und hinter den Brillengläsern funkelte es grün . 16 Als die Gäste fort waren , räumte Philippine die Stube auf . Dorothea saß auf dem Kanapee ; sie hatte die Hände im Schoß , und ihr Gesicht war ungewöhnlich ernst . » Warum kommt denn eigentlich dein Amerikaner nie zu uns herauf ? « fragte Philippine plötzlich . Dorothea schrak zusammen . » Mach die Tür ganz zu , Philippine , « flüsterte sie , » ich muß dir was sagen . « Philippine schloß die angelehnte Tür und näherte sich dem Sofa . » Der Amerikaner muß mich sprechen , « fuhr Dorothea mit scheu irrendem Auge fort ; » er sagt , es ist etwas , was für mein ganzes Leben wichtig ist ; er wohnt im Hotel , ins Hotel kann ich aber nicht gehen . Daß er hierher ins Haus kommt , will ich auch nicht , und auf der Straße will ich mich auch nicht mit ihm zeigen . Er hat einen Ort vorgeschlagen , wo ich mich mit ihm treffen soll , aber ich trau mich nicht , ich weiß nicht , wer die Leute sind . Weißt du mir keinen Rat , Philippine ? Weißt du niemand ? « In Philippines Augen zeigte sich das böse , wilde Glitzern . Sie dachte einige Sekunden lang nach , dann erwiderte sie : » O ja ,