. Während die Augen suchen , in Angst und Hoffnung , reißt er die Halsberge und die Kettenhaube herunter , stülpt den geflickten , schlechtgewordenen Helm mit den Reihergranen wieder auf das dicht um die Schultern fallende Schwarzhaar , reißt am Brüstung seines Panzers die Schnallen auf , schleudert die stählernen Muscheln von seinem Leib , zerrt mit dem Lederwams den wunderlichen Polster herunter , der wie eine große Brille ist , und trägt nur noch das grobe Bubenhemd und die lederne Reithose , die bis zu den Hüften schon behangen ist mit Schlamm . Das nahe Wiehern eines Gaules , aufgeregt und schmetternd . » Moorle ! Moorle ! « Durch dick verflochtenes Schilf ein verzweifelter Kampf . Ein Niederbrechen bis zu den Rippen , ein mühsames Aufwärtsklimmen . Jetzt wieder das offene Moor , mit grünen Buckeln , mit großen Silberschilden und kleinen Goldmünzen , mit den schlammig vollgeronnenen Stapfen eines Rosses . Und da drüben , auf halbe Steinwurfweite , steht der graugefärbte Pongauer , hat vorgequollene , weißgeränderte Augen und wiehert dem Leben entgegen , das er kommen sieht . Es kommt ; mit wilden Sprüngen , die den Tod verhöhnen . Und sooft sich die nackten , von Moor und Wasser triefenden Füße aus einem tragenden Rasenschopf hinüberschwingen zum andern , strafft und streckt sich der schlanke Mädchenkörper . Und unter dem schlammbespritzten Hemde zittern leise bei jedem Sprung die strengen Brüste . Ein verstörtes Innehalten . Rings um den wiehernden Pongauer nur das glitzernde Wasser . Wo ist der Reiter ? Julas verzweifelte Augen suchen , suchen , suchen . Schrei um Schrei . Doch keine Antwort . Nur von der Moorstraße quillt der Leutlärm herüber . Und ein Söldner , der zwei lange feste Bretter von einem Troßkarren losgerissen , springt von der Straßenböschung hinunter und verschwindet im Schilf . Immer schreit die Suchende . Ein jähes Besinnen in dieser ratlosen Angst . Nicht hier , wo der geduldige Rappe steht - da drüben muß sie suchen , wo die schlammigen Watstapfen des Pferdes herausführen aus einem Gewirr grüner Moosschöpfe ! Sie springt und springt . Und sieht zwei graugewordene Fasanenflügel , die sich zwischen den Moosgräsern matt bewegen . Ein jauchzender Schrei der Suchenden , die gefunden hat . In ihrer Freude wagt sie einen unmöglichen Sprung , verfehlt den Rasenbuckel , tappt daneben und sinkt , zerrt sich in die Höhe , lacht und weint , macht sieben Sprünge noch , bei denen der Tod mit schwarzen Fäusten nach ihren Füßen greift - und da sieht sie über dunklem Wasser den geflügelten Helm und dieses bleiche , mit Schlamm bespritzte Mannsgesicht . Ein zerwühlter , schwarzer Teig ist um ihn her . Vom Gewicht des Eisens hinuntergezogen , hängt er bis über die Halsberge im Moor , die geschienten Arme seitwärts gestreckt , mit den gepanzerten Fäusten eingeklammert in zwei kleine Moosschöpfe . Seit dem Morgen hing er so und wagte sich nimmer zu rühren , um nicht völlig zu versinken . Die Erschöpfung hat sein Gesicht gelähmt , doch die Augen sind offen . Sein Blick ist stumpf , er scheint die schwarz und grau umwickelte Gestalt , die immer näher kommt , nicht zu erkennen . Doch die schreiende Stimme hört er . Nun plötzlich ein Aufleuchten in den starren Augen . Er hat den Helm mit den Reihergranen erkannt . Wer ihn trägt , das weiß er - und nun weiß er auch , wer gekommen ist und um seinetwillen den Tod nicht fürchtete . Ein Aufatmen , ein Versuch , sich höher emporzuziehen - ein Lächeln wie in einem schönen , aber wunderlich verrückten Traum - dann schließen sich die Lider , während der Kopf mit dem schweren Eisenhute langsam gegen den Nacken sinkt . Aufschreiend wagt Jula den Sprung nach einem Rasenschopf , der unerreichbar scheint . Und sie gewinnt ihn , die kleine Insel trägt , doch die Wucht des Sprunges wirft ihr den Helm vom Kopf . Sie will ihn haschen und könnte ihn noch greifen , bevor er niedertaucht . Aber da muß sie die Arme nach jenem sinkenden Leben strecken , das ihr mehr gilt als das eigene . Sie hat sich niedergeworfen . Von dem Rasen , der sie trägt , vermag sie den Arm des Niedergleitenden nicht zu fassen . Um ihn zu erreichen , muß sie hinunter in den schwarzgrauen Pfuhl . Die linke Faust in das zähe Wurzelwerk einklammernd , gleitet sie bis an die Arme hinunter - und kann mit der freien Rechten den Sinkenden greifen , faßt ihn am Wangenkamm der Halsberge , zerrt ihn langsam , langsam durch den zähen Schlamm an ihre Brust heran , hält seinen Nacken umklammert , fängt zu schreien an - und verstummt plötzlich und wird ruhig , weil sie sieht , daß einer kommt , der helfen wird . Gott will ihr beistehen und schickt den stärksten und treuesten der Menschen . Es rauscht im Schilfe . Über die Kolben und Blätter taucht ein graues , flinkes Rad herauf , verschwindet , ist wieder da , kommt immer näher und näher . Etwas Farbiges taucht aus dem Röhricht heraus : Malimmes , seiner eisernen Wehr entkleidet , in der bunten Söldnertracht , mit nackten Füßen . Er hat zwei lange , feste Bretter . Auf dem einen steht er , das andere läßt er ein Rad schlagen , wirft es vor sich hin , springt hinüber , packt das Brett , auf dem er gestanden , schwingt es herum und baut die fliegende Brücke immer flinker gegen die beiden hin , die im Moor gefangen hängen . Immer lacht er , weil Lachen mutig macht ; doch bei diesem Lachen zittert ' s wie Zorn in seiner fröhlich tuenden Stimme : » Höia , huppla , ihr zwei süßen Moosvögel , nur ein lützel Geduld , jetzt haben wir ' s gleich . « Und während er das feste Brett hinschmeißt , daß die Schlammfetzen aufspritzen , höhnt er