habe , und ob sie genesen sei . » Und Heinrich ? wie läßt er sich an ? Das graue Gespenst macht mir halt nur insofern bange , als Heinrichs Seelenschwung ermatten und seine Bekehrung welken könnte . « Seltsam lautete Theklas Antwort : » In der Chronika derer von Schlick ist der Lebenslauf manches Ahnen beschrieben . Von meines Urgroßvaters Schwester Veronika heißt es , sie sei eine ebenso hochsinnige wie schöne Jungfer gewesen . Überreich an Freiern , trat sie ins dreißigste Jahr , ohne ihr Herz verloren zu haben . Da kam auf ihres Bruders Schloß ein Gast , war anoch ein Jüngling , obwohl bereits mit güldenen Sporen angetan , dazu ein gekrönter Sangesmeister . Als er nun wieder scheiden gemußt , lief Veronika heimlich hinterdrein . Mit ihrem süßesten Lenze hielt Frau Minne die beiden bezaubert . Und wiewohl sie ein ehelich Paar hätten werden dürfen , war eine andere , ungewöhnliche Hochzeit mehr nach ihrem Sinn . Aufs Hochgebirg wallten sie Hand in Hand und mögen auf blumigen Matten bei Felsen und Wolken , erhaben ob dem Getriebe drunten , wie Engel gewesen sein . Nach dreien Tagen aber fand man sie entseelt in einem Abgrunde , wohinein sie in der Umarmung sich gestürzt hatten . Ein hinterlassener Zettel war von des Ritters Hand also beschrieben : Wen du begnadet in der Zeit , Hat Eines nur zu sorgen : Nit welken darfstu , Seligkeit ! Wohlan , im Heim der Ewigkeit Bleib alterlos geborgen ! Dieser Liebesleute Beispiel zu empfehlen , sei ferne von mir . Herbeizwingen darf man den Tod nicht . Doch ich fühle , wie durch meine Adern rollt der Veronika Blut . Denn ich möchte nicht wieder ins trübe Tal sinken aus der klaren Höhe , zu der mich des Himmels Güte emporgehoben . In reinster Liebe aufblühen , dann nicht erst das Welken abwarten , sondern gleich eingehn zur stillen Ewigkeit ! Unschuldig sterben , wie jenes Knäblein , an dessen Bahre Waldhäuser Heimweh nach der Ewigkeit empfand . Und unser kleiner Johannes - wiewohl Grauen seinen Opfertod umgibt - , im weißen Kleide als ein Lämmlein ist er zum guten Hirten gekommen . So preist ihn ein Lied , das im Herzen seiner Mutter erklungen , bald auch von ihr gelten mag : Am offenen Fenster Ein Flämmchen wacht , Es flirrt und flackert In wehender Nacht . Ein Windstoß würgt es ; Da beugt es sich müd , Als ob ein Blümchen , Ein blaues , verblüht . Aus lischt sein Auge ; Ein letzter , Strahl Hinan zum heiligen Sternensaal . - Arm Flackerseelchen , Du Bettelkind , Gern wärst du worden Was Sterne sind . Mußt nun versprühen In Nacht und Tod . Jedoch getrost : Der Lichtborn loht ! Dein Lichtborn droben , Die glühenden Sonnen , Dran heilige Sehnsucht Dir ist entbronnen . Und was du liebtest In armer Zeit , Dein Reichtum ist es In Ewigkeit . Der Sternenliebe Ergib dich ganz ; So wirst du selber Zu Sternenglanz . « Ich weinte . Ein Lied von ihr ! ein Lied auf unser Kind ! So war nun Klein Johannes ein zitternder Klang im Elternherzen . Wie denn aber ? Auch von der Mutter sollte bald dies Lied der Wehmut gelten ? So meint sie - oh ! Bange Zweifel bestürmten mich . Immer rätselhafter ward Thekla . Weshalb diese Todesgedanken ? Warum ging sie mit keiner Silbe auf meine Fragen ein ? War mein Schreiben nicht in ihre Hand gelangt ? Wollte sie die Antwort vermeiden ? War etwas vorgefallen ? » Ich beschwöre Dich , Thekla « - so schrieb ich - » sprich gerade heraus : Vermeinest Du , ein Hindernis vereitele unser ehelich Glück , und willst Du mir Enttäuschung ersparen , indem Du vorschnelle Hoffnungen zügelst ? Oder hast Du eine wirkliche Scheu vor unserm Zusammenleben , selbst wenn Heinrich es gestattet ? Darf ich nie als Gatte bei Dir einkehren ? Willst Du bleiben , was Du bist , möchtest nur meine Braut sein ? In Zeit und Ewigkeit nichts weiter als das ? « Der Märzmond war kommen , in den Tälern und selbst an den sonnigen Hängen meiner Iserberge hauchte , sproß und zwitscherte der erste Lenz , nicht anders , als Thekla ihn geschildert . Da erhielt ich , nach siebentägigem Harren , ein neues Schreiben . » Du ewig Meiner ! Wie soll ich danken für all Deine Güte , Treue und Geduld , für die Wonnen , so mir Deine Liebe gab , und dafür , daß Du mich zu einem neuen , besseren und glückseligen Menschen gemacht . Immerdar nun möcht ich das bleiben in Deinem Herzen . Als mein Vater endete , hat es die gute Marianka den Kindern erspart , des Vaters Blut und Leichnam zu sehen ; so ist es gekommen , daß mein Vater nur rüstig und strahlend mir im Gedächtnis lebt . Nicht wahr , auch dem Bilde , so ich Dir hinterlasse , vergönnest Du , daß es nicht entstellet werde ! Wenn einmal der gute Tod mein Abendstündlein läutet , möcht ich mich hinwegstehlen aus dieser Enge wie ein Hauch . Die am Sterbebette weinen , sollen lieber über das , was röchelnd hier unterlag , recht bald ein Tüchel decken ; ich schäme mich der armseligen Körperlichkeit . Ich bin nicht Staub ; in dieser Ruine , die vordem eine saubere Hütte gewesen , hat mein Geist gehauset und geschafft . Die zertrümmerte Klause meidet er , sein Heim ist ein hohes , weites Königszelt . Diese Mahnung gilt meinem guten Heinrich . Hilf ihm verstehen ! Wer wie Du und Sibylle gelernt ins Ewige zu schauen , der findet mich darin , und darf nicht traurig bleiben . Für Dich , mein Liebling , möcht ich noch besonders vorgesorgt haben für den Fall meines Todes . Das beste wäre , wenn Du von meinem Krankenlager gar nichts erführest . Schüttelt