konnte nur ein Märchen sein . Die schönste Blume auf der Welt Steht nun bei mir in meinem Zelt . Wer kommt nun jetzt mit seinem Licht ? Wer küßt nun fromm ihr Angesicht ? Wer geht bei uns nun aus und ein ? Das muß erst recht das Märchen sein ! « Das also war ein Liebeslied ! Ich lasse es ohne Kommentar , denn es redet seine eigene Sprache ! Als der letzte Ton verklungen war , ertönten von allen Seiten laute Achsant- und Jagadarufe162 . » Nun , Effendi , kann ich singen ? « fragte er . » Fast noch besser , als du reiten kannst , « antwortete ich . » Und waren nicht gleich alle stumm ? « » Alle ! « » Ja ; ich singe über alle weg und reite an allen vorbei . Das wirst du sehen , wenn wir Wettrennen haben . Unsere Stute wird die Siegerin sein . Sie steht dort an der Tempelecke . « » Wie kommt das ? Ich denke , Kara ist mit ihr heimgeritten ? « » Ja ; aber seine Mutter ist dann auf ihr herübergekommen . Siehst du , daß sie dir winkt ? « Hanneh forderte mich allerdings mit der Hand auf , zu ihr zu kommen . Ich leistete natürlich Folge und erlöste dadurch den Pedehr von der Verpflichtung , bei ihr zu bleiben . Sie ging mit mir nach meiner Ecke , wo wir uns neben einander niedersetzten . » Hast du schon einmal so herrlich singen gehört wie heute , Sihdi ? « fragte sie . » Wir haben im Abendlande wunderbare Musik und sehr berühmte Sänger und Sängerinnen , « antwortete ich . » Aber wir nicht . Du kennst doch unsere arabische Musik . Ich habe sie bisher für unvergleichlich gehalten . Aber was ist sie gegen diese hier ! Wir schreien , quieken und jammern ; das nennen wir singen . Hier aber habe ich zum ersten Male in meinem Leben singen gehört ! « » Wirklich ? « » Ja . « » Besinne dich , Hanneh ! « » Worauf ? Ich weiß nichts . « » Ich habe im Lager der Haddedihn einige Male deutsche Lieder gesungen , um euch zu zeigen , wie sie klingen . Nun sagst du , du habest nie singen gehört ! « Es machte mir heimlich Spaß , sie in Verlegenheit zu bringen . Sie errötete zwar , war aber doch schnell mit der Antwort da : » Das hatte ich vergessen . Auch ist es ein Unterschied , ob nur einer singt oder mehrere . « » Tifl sang auch allein ! « » O , der ! Nimm es mir nicht übel , Effendi , aber an den kommst selbst du noch lange nicht . Er selbst ist ein so langer , langer Mensch . Aber seine Stimme ist noch tausendmal länger als er . Sie reicht , soweit das ganze Thal sich dehnt ! « » Es scheint sehr praktisch zu sein , die Stimme nach ihrer Länge zu beurteilen ! « » Natürlich ist das richtig ! Thust du das nicht auch ? Denke doch , wenn vorhin die beiden Lieder hier im Tempel gesungen wurden ! Sie sind aber so lang , daß ich sie noch jetzt in meinen Ohren und in meinem Herzen klingen höre . « » Wo warst du , als man sang ? « » Halef schlief fest ; da brauchte ich nicht ganz in seiner Nähe zu sein . Ich setzte mich an deine Säule , wo ich dich bei unserer Ankunft sah . Da war es plötzlich , als ob sich der Himmel öffne und als ob die heiligen Malaïka163 ihre Stimmen hören ließen , um Allahs Herrlichkeit zu preisen . Da faltete ich die Hände , denn es war jemand in mir , der beten wollte . Wer es war , das weiß ich nicht ; aber ich fühlte es , daß er auch vom Himmel ist . - Was haben dort die Perser mit dem Pferde ? « » Weißt du , warum sie gekommen sind und wie wir sie empfangen haben ? « » Ja . Kara erzählte es mir . Jetzt stehen sie dort bei der Sahm des Ustad . Sie sprechen von ihr . Tifl kommt . Sie reden mit ihm . Er thut so stolz . Jetzt lacht er über sie . Sie scheinen sich zu ärgern . Er wird das Pferd gelobt haben ; sie aber tadeln es . « So schien es allerdings zu sein . Sie waren vom Waldesrande herabgekommen , denn sie fühlten wohl das Bedürfnis , nicht so allein für sich zu bleiben . Nun beschäftigten sie sich mit der » Sahm « , deren Verteidiger Tifl machte . Das dauerte längere Zeit . Sie schienen nicht bloß über das Pferd , sondern auch über andere Dinge mit ihm zu sprechen . Dann suchten sie den Pedehr auf , mit welchem sie einige Zeit verhandelten . Es schien wichtig zu sein , denn er schickte einen Boten zu den Aeltesten , um sie zusammenrufen zu lassen . Dann kam er zu mir . » Effendi , die Dschemma wird gebildet . Ich bitte dich , mit beizuwohnen , « sagte er . » In welcher Angelegenheit ? « » Der Blutrache wegen . Die Perser wollen fort . Das ist uns lieb . Darum bin ich auf ihren Wunsch , jetzt in Kürze zu verhandeln , eingegangen . « » An welchem Orte wird es sein ? « » Da oben , wo sie gesessen haben . Bring auch unsere Freundin Hanneh mit . « » Mich ? « fragte sie . » Was hat ein Weib in eurer Dschemma und mit dieser Blutrache zu schaffen ? « » Weil ein Weib , die Frau des Scheikes der Kalhuran , mit in sie verstrickt ist . Wir möchten dich ersuchen , an ihrer Stelle