Entrüstung den Gefallenen beschimpfte und ich taktlos genug war , mit ruhiger Miene zu antworten : Lump - so ! Na , wir sind doch alle Lumpen ! Die nähere Bekanntschaft Schmollers sollte nicht auf sich warten lassen . Diese Ehre kostete ich sofort , als ich Redacteur eines kleinen Blättchens wurde , das einigen Rumor machte . Ich saß am zweiten Tage mit dem Chef und Herausgeber bei der Arbeit , als dieser mit seinem bekannten brummeligen Ton aufstöhnte : Da kommt Schmoller ! Dacht ich ' s doch ! Und in der That dieser große Mann erschien , lebhafter Neugierde voll , gleich dem Geier , welcher Aas wittert . Mit seiner schnüffelnden Fuchsnase und seinem listigen Catilina-Blick durchforschte er sogleich unser etwas ärmlich ausschauendes Lokal und erkundigte sich nach unsern Mitteln . Dann hub er etwa also an : So na ja ! drei Abonnenten habt ihr ? Mein Chef , der ihn genau zu kennen schien , bläkte seine Zähne und sagte gar nichts . Was , schon 5000 ? Alle Achtung ! Jaja , der Mießnik da ! Hat gleich eine Novelle drin ! 2000 Mark bekommen , wie ich höre . Ach , reden Sie doch nich ! - Also , Mießnik , Sie sind zu den Conservativen übergegangen ? Wer hätte das gedacht ! Neulich war ich mit ein Paar Judenbengeln zusammen , haben Die geschimpft ! Was , der Mießnik ? Nachdem er von uns die hohen Honorare geschluckt hat ? ! Ich sperrte Nase und Mund vor Staunen auf , da ich die Erfindungsgabe Schmollers ja noch nicht kannte . Nein , was der Mießnik übrigens meinem Bruder ähnlich sieht ! Wahrhaftig , Haare , Stirn und die treuen Augen - alles dasselbe ! Ich war gerührt . Wir wollten arbeiten , aber Schmoller ist bekanntlich ein Klebpflaster : Er bleibt so lange sitzen , bis er irgend eine unvorsichtige Aeußerung erschnappt hat , womit er dann hausiren geht . Mein Chef brummelte fortwährend oder schwieg sich aus . Nachdem Schmoller mich dann gebeten , doch irgendwo mit ihm in einer Kneipe zu plaudern , schleppte er mich widerstandslos fort . Nun begann sein Spiel . Er erzählte mir von meinem Chef und dessen Gattin allerlei horrible Dinge unter dem Siegel peinlicher Verschwiegenheit . Doch lobte er die kluge Frau , indem er unter Anderem folgende köstliche Anekdote von Stapel ließ . Er hatte sie mal gefragt , warum sie ihn nicht mit dem ihr befreundeten berühmten Dichter Kasimir Pakosch zusammen einlade . Ach , hatte sie geantwortet , der würde Sie nach seiner Art über uns ausforschen und dann würden Sie irgend was Schlechtes sagen und er würde uns dies bei Gelegenheit mit frommer Gebärde wiederklatschen - na und dann wären wir alle auseinander ! Ich wunderte mich im Stillen . Schmoller wich nicht von uns . Er widmete unserm Blatte eine rührende Aufmerksamkeit . Dabei kam er dann bald auf sein berühmtes Steckenpferd : Seine unvergleichlichen Honorare ! 10,000 Mark für sein neues Buch - das ging ihm nur so vom Munde . Dann berichtete er auch mit liebevoller Detaillirung , daß seine Braut 50,000 Mark besitze und erkundigte sich , wo er 30,000 Mark unterbringen könne . Her damit ! Bei uns ! schrie mein Chef , dem das Wasser im Mund zusammenlief : Der Köder war selbst für seine Schmoller-Kenntnisse zuviel . Darauf hatte Schmoller nur gewartet . Er ließ vernehmen , daß sich das hören lasse , und versprach bereitwillig all seine Güter im Monde . Nun hatte er Anker gefaßt . Mir gegenüber stocherte er , wie ein so bedeutender Schriftsteller wie ich sich überhaupt zum Redacteur degradiren könne . Ihm könne man Berge bieten ! Und mein Chef schimpfe über mich - o ! Das sei überhaupt ein Kerl - na ! Zu Jenem äußerte er dann : Wie er solch einen Kerl wie mich überhaupt dulden könne ! Und der schimpfe über ihn - o ! In Folge dessen erlebte er denn das Gaudium , daß mein Chef und ich bei einem seiner gewöhnlichen liebenswürdigen Besuche uns gegenseitig in die Haare geriethen . Da verabschiedete er sich schleunig , worauf wir Andern uns natürlich versöhnten , sintemal die Aussprache ergab , daß Schmoller uns aneinandergehetzt . Doch schien ihm bald meine Freundschaft irgendwie werthvoller zu sein , als die der andern - kurz , er attachirte sich gewaltig an mich . Ich muß nun , um Schmollers Eigenart zu würdigen , Folgendes bemerken : Seine Grobheit bleibt Schmoller ' s gefährlichste Waffe . Denn eine angeborne Thorheit der menschlichen Natur liegt in dem Wahn : wer grob auftrete , sei darum auch ohne Falsch . Lächeln , lächeln , immer lächeln und doch ein Schurke sein ! heißt es im Hamlet . Und dennoch hat der größte Herzenskündiger seinen Richard III. je nach Bedarf grob und zänkisch ins Gesicht , oder aber biderb schmeichelnd dargestellt . Sie thun mir unrecht und ich will ' s nicht dulden , schimpft der polternde Biedermann . Und so - « Er unterbrach sich . Jener erhob die Hand wie zum Schlage . Dann packte er plötzlich Leonhart leicht an der Brust zwischen den Rockknöpfen , der ihn jedoch im gleichen Augenblick unsanft abschüttelte . Schmoller beherrschte sich mühsam und warf ruhig hin : » Fahre so fort ! Ich fange an , Dich zu achten . « Doch wiegte er wehmüthig das Haupt und flüsterte mit umflorter Stimme : » Kleiner Kerl ! « Aus Leonharts Auge brach ein scharfer greller Strahl , wie von inneren Blitzen entzündet . Er bohrte sich dem lauernden Brillen-Blick des Andern entgegen , der wie das scheue Spähen ertappter Neugier verlegen auswich , als könne er sich schwer dem Banne einer neuentdeckten Ueberlegenheit entziehn . Dann schlug er jedoch eine häßliche Lache auf : » Eine wahrhaft Shakespearische Menschenkenntniß ! Ich habe eine traurige Mittheilung zu machen , unter dem bekannten Siegel tiefster Verschwiegenheit - - Du brichst es doch