aber wieder feierlicher und stiller . Vier Edelknaben mit den Wappenschilden von Burgund , Holland , Flandern und Österreich , dann vier Ritter mit den Bannern von Steier , Tirol , Habsburg und mit dem kaiserlichen Paniere traten auf , dann ein Schwertträger und zwei Herolde . Nach der Flamberge tragenden Leibwache des Kaisers kam eine Schar Edelknaben in kurzen goldstoffenen Wämsern , goldene Pokale tragend , dem kaiserlichen Mundschenk vorauf , und ebenso gingen Jäger und Falkoniere dem Oberjägermeister vorauf . Fackelträger mit vergittertem Gesicht umgaben den Kaiser . Rock und Hermelinmantel von schwarzdurchwirktem Goldstoff , einen goldenen Brustharnisch tragend , auf dem Barett den königlichen Reif , ging Maximilian heroisch daher , das Angesicht auf das Heldenmütige , Ritterhafte und Sinnreiche gerichtet . So konnte man selbst von dem lebenden Konterfei sagen . Denn es hatte sich für das Bild des Kaisers ein junger Maler von den fernsten Grenzen des ehemaligen Reiches gefunden , der in Haltung und Angesicht ohne alle Zutat wie dazu geschaffen war . Unmittelbar hinter dem Kaiser ging sein lustiger Rat Kunz von der Rosen , aber nicht gleich einem Narren , sondern wie ein kluger und wehrbarer Held launiger Weisheit . Er war ganz in rosenroten Samt gekleidet , knapp am Leibe , doch mit weiten ausgezackten Oberärmeln . Auf dem Kopfe trug er ein azurblaues Hütchen mit einem Kranze von je einer Rose und einer goldenen Schelle ; an der Hüfte indessen hing an rosenfarbenem Gehänge ein breites , langes Schlachtschwert von gutem Stahl . Wie sein Held und Kaiser war er nicht sowohl ein Dichter als selbst ein Gedicht . Nun schritt in Stahl gehüllt und waffenklirrend einher , was von der Lüneburger Heide bis zum alten Rom , von den Pyrenäen bis zur türkischen Donau gefochten und geblutet hatte , die glänzende Führerschaft des Reiches der Erbschenk und Statthalter Siegmund von Dietrichstein und der zum zeitweiligen Feldherrn gediehene Jurist Ulrich von Schellenberg , Georg von Frundsberg , Erich von Braunschweig , Franz von Sickingen , das Freundespaar Roggendorf und Salm , Andreas von Sonnenburg , Rudolf von Anhalt und die übrigen , jeder mit seinen Waffen- und Trophäenträgern , überschattet von den Fahnen mit den Namen der Schlachten und Belagerungen , begleitet von Schilden mit kühnen oder edelsinnigen Wahlsprüchen . In diesem Aufzuge sah man vorzugsweise schöne und kräftige Männergestalten , da hier meistens solche ihren Platz genommen , die als die Schmiede ihres Glückes sich auf die Höhe des Lebens und Gelingens durchgekämpft hatten und in jeder Hinsicht geeignet waren , das Tüchtigste vorzustellen . Ich hatte mich an meinem noch verborgenen Platze etwas vorgedrängt , um besser sehen zu können , was uns voranzog , und verschlang alles mit den Augen wie einer , der das Zweite Gesicht hat . Meine eigene Mitspielerschaft ganz vergessend , erlabte ich mich an dem Anblick der Herrlichkeit ; als ob ich selbst ein Nachkomme der verschwundenen Reichsgenossen wäre , atmete ich voll stolzer Freude , die sich womöglich noch steigerte , als nun unter den gelehrten Räten des Königs der berühmte Willibald Pirckheimer auftrat , der in dem sogenannten Schwabenkriege den nürnbergischen Zuzug in der Heerfolge Maximilians gegen die Schweizer geführt und jenen Feldzug beschrieben hat . Denn plötzlich fiel mir nun ein , wie dieser selbe Ritterkönig mit allen diesen Kriegsherren , als er mein Vaterland hatte zum Reiche zurückzwingen wollen , das gegen meine Vorfahren aufgerichtete Reichsbanner hatte niederlassen und ohne Erfolg abziehen müssen , in die Klage ausbrechend , er könne die Schweizer nicht ohne Schweizer schlagen . So vermochte ich um so ungetrübter mich allen nationalen Selbstzufriedenheiten hinzugeben und bedachte nicht , wie unablässig die Eimer des Geschickes steigen und fallen und wie wenig , was meine alten Eidgenossen betraf , dieselben eigentlich trotz ihrer Tapferkeit von allen ihren Nachbaren geliebt und geschätzt waren . Ich hätte auch beinahe übersehen , daß der lange Prachtzug des letzten Ritters zu Ende ging und , während die Scharen der bisher Vorübergezogenen im weiten Rundgange sich kreuzten , schon der Mummenschanz heranrauschte , in welchem alles sich auftat , was die Künstlerschaft an übermütigen Sonderlingen , Witzbolden , Lückenbüßern und Kometennaturen vermochte . Auf einem störrischen Esel eröffnete der Mummereimeister den träumerischen Zug , und hinter ihm tanzten die bunten Narren Gylyme , Pöck und Guggerillis , die Zwergschälke Metterschi und Duweindl und viele andere Narren daher , unter welche ich als ein ziemlich stiller Narr zurückgeschlüpft war . Dann kam der bekränzte Thyrsusträger , welcher die behaarte , gehörnte und geschwänzte Musikbande führte . In ihren Bockshäuten nach der eigenen Musik hüpfend und hopsend , brachten diese Gesellen eine uralte , seltsam schreiende und brummende Musik hervor , bald in der Oktave ! bald in lauter Quinten pfeifend und schnurrend , aus der obersten Höhe in die unterste Tiefe springend . Mit goldenem umlaubtem Thyrsusstabe schritt der Anfahrer des Bacchuszuges vor . Ein Kranz blauer Trauben umschattete seine glühende Stirn ; von den Schultern flatterte und wallte eine festliche Last buntgestreifter Seidenbänder bis auf die Füße und verhüllte wehend den schlanken Körper . Nur die Füße waren mit goldenen Sandalen bekleidet . Halb mittelalterlich , halb antik geschürzte Winzer umschwärmten die biblischen Kundschafter aus dem Gelobten Lande , welche an tiefgebogener Stange die große Traube trugen , gefolgt von vier noch kernhafteren Männern , die zwischen vier aufrechten Fichten eine noch viel mächtigere Traube daherbrachten . Alle übrige Zubehör eines bacchantischen Getümmels mit Becken , Schalen und Stäben zog und schob den Wagen des efeubekränzten Gottes , über dem sich ein dunkelblauer Himmel von Trauben wölbte . Dem Triumphwagen der Venus , welcher sich hierauf nahte , gingen als Diener des Mars zwei zarte , in Landsknechttracht gekleidete Knaben mit Trommel und Pfeife vorauf , die gekerbten Federhüte auf dem Rücken tragend , daß das bunte Gefieder auf dem Boden schleifte . Mit schelmischer Feierlichkeit ließen sie ihren Kriegsmarsch ertönen , wobei die mehr sanfte als schrille Flöte immer denselben sehnsüchtigen Satz wiederholte . Könige mit Krone und Zepter