. Einen Augenblick blieben die Byzantiner unentschlossen stehen , von dem Eindruck dieser Machtentfaltung von Granit und Eisen überwältigt . Da wurde es hell in dem matt erleuchteten Raum : man vernahm Musik aus dem Hintergrund des Ganges : und , von Fackelträgern und Flötenspielern begleitet , nahte Cethegus , ohne Rüstung , einen Kranz auf dem Haupt , wie ihn der Wirt eines Festgelages zu tragen pflegte , im reichen Hausgewand von Purpurseide . So trat er lächelnd vor und sprach : » Willkommen ! und Flötenspiel und Tubaschall verkünde laut : daß die schönste Stunde meines Lebens kam : Belisar , mein Gast im Kapitol . « Und unter schmetterndem Klang der Trompeten führte er den Schweigenden in die Burg . Vierzehntes Kapitel . Während dieser Vorgänge bei den Römern und Byzantinern bereiteten sich auch auf Seite der Goten entscheidende Ereignisse vor . In Eilmärschen waren Herzog Guntharis und Graf Arahad von Florentia , wo sie eine kleine Besatzung zurückließen , mit ihrer gefangenen Königin nach Ravenna aufgebrochen . Wenn sie diese für uneinnehmbar geltende Feste vor Witichis , der heftig nachdrängte , erreichten und gewannen , so mochten sie dem König jede Bedingung vorschreiben . Zwar hatten sie noch einen starken Vorsprung und hofften , die Verfolger durch die Belagerung von Florentia noch eine gute Weile aufzuhalten . Aber sie büßten jenen Vorsprung beinahe völlig dadurch ein , daß die auf der nächsten Straße nach Ravenna gelegenen Städte und Kastelle sich für Witichis erklärten und so die Empörer nötigten , auf großem Umweg im rechten Winkel zuerst nördlich nach Bononia ( Bologna ) , das zu ihnen abgefallen war , und dann erst östlich nach Ravenna zu marschieren . Gleichwohl war , als sie in der Sumpflandschaft der Seefestung anlangten und nur noch einen halben Tagemarsch von ihren Toren entfernt waren , von dem Heer des Königs nichts zu sehen . Guntharis gönnte seinen stark ermüdeten Truppen den Rest des ohnehin schon gegen Abend neigenden Tages und schickte nur eine kleine Schar Reiter unter seines Bruders Befehl voraus , den Goten in der Festung ihre Ankunft zu verkünden . Aber schon in den ersten Morgenstunden des nächsten Tages kam Graf Arahad mit seiner stark gelichteten Reiterschar flüchtend ins Lager zurück . » Bei Gottes Schwert , « rief Guntharis , » wo kommst du her ? « » Von Ravenna kommen wir . Wir hatten die äußersten Werke der Stadt erreicht und Einlaß begehrt , wurden aber entschieden abgewiesen , obwohl ich selbst mich zeigte und den alten Grippa , den Grafen von Ravenna , rufen ließ . Der erklärte trotzig , morgen würden wir seine und der Goten in Ravenna Entscheidung erfahren : wir sowohl wie das Heer des Königs , dessen Spitzen sich bereits von Südosten her der Stadt näherten . « » Unmöglich ! « rief Guntharis ärgerlich . » Mir blieb nichts übrig , als abzuziehen , so wenig ich dies Benehmen unseres Freundes begriff . Die Nachricht von der Nähe des Königs hielt auch ich für eine leere Drohung des Alten , bis meine im Süden der Stadt schwärmenden Reiter , die nach einer trockenen Beiwachtstelle suchten , plötzlich von feindlichen Reitern unter dem schwarzen Grafen Teja von Tarentum mit dem Ruf : Heil König Witichis ! angegriffen und nach scharfem Gefecht zurückgeworfen wurden . « » Du rasest , « rief Guntharis . » Haben sie Flügel ? ist Florentia aus ihrem Wege fortgeblasen ? « » Nein ! aber ich erfuhr von vicentinischen Bauern , daß Witichis auf dem Küstenweg über Auximum und Ariminum nach Ravenna eilt . « - » Und Florentia ließ er im Rücken , unbezwungen ? Das soll ihm schlecht bekommen . « - » Florentia ist gefallen ! Er schickte Hildebad gegen die Stadt , der sie im Sturme nahm . Er rannte mit eigener Hand das Marstor ein - der wütige Stier ! « Mit finsterer Miene vernahm Herzog Guntharis diese Unglücksbotschaften ; aber rasch faßte er seinen Entschluß . Er brach sofort mit all seinen Truppen gegen die Stadt auf , sie durch einen raschen Streich zu nehmen . Der Überfall mißlang . Aber die Empörer hatten die Befriedigung , zu sehen , daß die Festung , deren Besitz den Bürgerkrieg entschied , wenigstens auch dem Feind sich nicht geöffnet hatte . Im Südosten , vor der Hafenstadt Classis , hatte sich der König gelagert . Des Herzogs Guntharis geübter Blick erkannte alsbald , daß auch die Sümpfe im Nordwesten eine sichere Stellung gewährten , und rasch schlug er hier ein wohlverschanztes Lager auf . So hatten sich die beiden Parteien , wie zwei ungestüme Freier um eine spröde Braut , hart an beide Seiten der gotischen Königsstadt gedrängt , die keinem ein günstiges Gehör schenken zu wollen schien . Tags darauf gingen zwei Gesandtschaften , aus Ravennaten und Goten bestehend , aus dem nordwestlichen und aus dem südöstlichen Tor der Festung , dem Tor des Honorius und dem des Theoderich , und brachten , jene in das Lager der Wölsungen , diese zu den Königlichen , den verhängnisvollen Entscheid von Ravenna . Dieser mußte sehr seltsam lauten . Denn die beiden Heerführer , Guntharis und Witichis , hielten ihn , in merkwürdiger Übereinstimmung , streng geheim und sorgten eifrig dafür , daß kein Wort davon unter ihre Truppen gelangte . Die Gesandten wurden sofort aus den Feldherrnzelten beider Lager unter Bedeckung von Heerführern , die jede Unterredung mit den Heermännern verwehrten , nach den Toren der Stadt zurückgebracht . Aber auch sonst war die Wirkung der Botschaft in den beiden Heerlagern auffallend genug . Bei den Empörern kam es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden Führern : dann zu einer sehr lebhaften Unterredung von Herzog Guntharis mit seiner schönen Gefangenen , die , wie es hieß , nur durch Graf Arahad vor dem Zorne seines Bruders geschützt worden war . Darauf versank das Lager der Rebellen in die Ruhe der Ratlosigkeit . Folgenreicher war das Erscheinen der ravennatischen Gesandten in dem