überlegen geschienen , sagte er , sich zu ihr wendend : Da Du Dich nach Richten sehnst , meine Liebe , ist es mir recht erwünscht , daß ich meine Geschäfte hier beendet habe , und daß unserer Abreise von meiner Seite jetzt nichts mehr im Wege steht . Selbst Deine Aussage , daß Du Dich in der Stadt niemals so wohl befunden als in Richten , ist mir sehr erfreulich , - wie sich denn mitunter Alles leicht und geschickt fügt , während manchmal Alles uns zu widerstreben scheint ! Angelika verstand nicht , was der Freiherr meinte oder worauf diese letzte Aeußerung sich beziehen konnte ; aber seine Zutraulichkeit , sein ruhiges Eingehen auf die Unterhaltung überraschten sie , denn sein Verkehr mit ihr war seit ihrem Zerwürfniß so kurz und so ganz äußerlich gewesen , daß sie sich nicht erinnern konnte , irgend eine allgemeine Bemerkung von seinen Lippen gehört zu haben , wenn sie sich mit ihm allein befunden hatte . Sie fragte ihn , was ihn zu jener Betrachtung veranlaßt habe , und er antwortete : Ich meinte damit , daß uns oftmals , wenn wir mit irgend einem Entschlusse nicht zu Stande kommen können , ein sogenannter Zufall über alle Schwierigkeiten forthilft . Geben wir ihm verständig nach , folgen wir seiner Weisung , so werden wir es plötzlich gewahr , daß alle unsere Bedenken auf falschem Boden erwuchsen , und welche Vortheile es uns bringt , welche Erleichterungen sich uns bereiten , wenn wir uns entschließen , diesen falschen Standpunkt aufzugeben und zu verlassen . Er hielt ein wenig inne und sprach dann , da er die Augen Angelika ' s mit einer Art von Besorgniß auf sich gerichtet sah , zögernd , aber doch mit anscheinendem Gleichmuthe : Ich habe mich seit Jahren mit der unnöthigen Sorge um das Haus der Tante Esther getragen . Jedes Frühjahr , jeder Herbst haben Reparaturen darin nöthig gemacht , und es ist ein Capital völlig unbenutzt und ungenossen geblieben , nur damit ein paar alte und zum Theil mürrische Domestiken , einige alte Bilder und ein paar alte Kläffer nicht von ihrer Stelle gerückt zu werden brauchen . Die Sorge bin ich endlich los ! Du bist der Sorge los , und wie das ? fragte die Baronin . Ich habe heute das Haus verkauft ! entgegnete er und erhob sich , um ein Notizbuch von einem Seitentische zu holen . Angelika konnte sein Gesicht nicht sehen , er mochte sie auch nicht anblicken , und es war ihm unlieb , daß sie schwieg . Das gute , alte Haus ! sagte sie nach einer Weile . Du hast es nie geliebt , entgegnete er ihr , wie kannst Du es beklagen ? Ich dachte nur , wie Alles doch so wandelbar und so vergänglich ist ! gab sie ihm zur Antwort . - Er blätterte in dem Notizbuche ; sie ließ ihn gewähren , bis sie endlich mit der Schüchternheit , welche sie dem Freiherrn gegenüber jetzt niemals mehr verließ , leise die Frage aufwarf : Mußtest Du das Haus verkaufen , war es denn nicht zu vermeiden , Franz ? Aber er mißkannte den Ton der Betrübniß und der Sorge , der aus ihren Worten sprach , und ihn für einen Vorwurf haltend , sagte er : Der Kirchenbau in dem unseligen Rothenfeld hat zu viel Geld verschlungen , und die durch Herbert nöthig gewordene Entlassung Adam ' s macht mir große Schwierigkeiten . Es blieb mir keine Wahl ! Er wußte , was er ihr mit diesem Ausspruche that , und er bereute ihn sofort ; denn wenn sie auch nicht mehr mit einander zu verkehren vermochten , ohne sich gegenseitig zu verletzen oder doch verletzt zu glauben , nöthigte der Zustand der Baronin ihm dennoch Theilnahme und Rücksicht ab . Er versuchte es also , sie mit seinen Worten und mit dem Ereigniß auszusöhnen , indem er leichthin von gewissen Einzelheiten der Gutsverwaltung und seiner Geschäftsverhältnisse zu reden anhob , deren er sonst niemals gegen sie erwähnte . Aber weit entfernt , sie zu beruhigen , erhöhten die Mittheilungen nur ihre Besorgnisse . Er ließ sie bemerken , daß sie in Mamsell Marianne , die er nach den Anordnungen von Fräulein Esther jetzt nach Richten nehmen müsse , eine Pflegerin erhalten werde , wie sie dieselbe schon lange nöthig gehabt habe ; mitten in diesen Auseinandersetzungen unterbrach ihn jedoch Angelika plötzlich mit dem Ausrufe : Weiß es die Herzogin ? Nein , entgegnete der Freiherr , von der Frage nicht angenehm berührt , und ich wünschte auch , daß ihr die Sache wenigstens vorläufig noch verborgen bleibe ! O gewiß , rief die Baronin , und beide , der Freiherr sowohl als Angelika , fühlten sich , wenn auch aus verschiedenen Gründen , eben durch die Erinnerung an die Herzogin verstimmter und gedrückter als zuvor . Die Unterhaltung gerieth völlig ins Stocken . Endlich sah der Freiherr nach der Uhr und sagte dann , auf den früheren Gegenstand des Gespräches zurückkehrend : Wie es mir überhaupt willkommen ist , von dem Besitze des Hauses frei zu werden , so ist mir es auch angenehm , daß grade Flies es kaufte . Er hat sich wie immer als einen bequemen Geschäftsmann , hinsichtlich des Kaufpreises auch nicht kleinlich bewiesen , und da er sein hiesiges Geschäft nun aufzugeben denkt , hat er mir freiwillig das Anerbieten gethan , Dich Dein Schlüsselgeld - denn ein solches kommt Dir zu - aus seinem Magazine wählen zu lassen , wobei er Dich sicher nicht beschränken wird . Es sind Leuchter , silberne Schalen , Kelche dort , die trefflich für unsern Altar passen und Dir und dem Caplan sicherlich Freude machen würden . Hat der Arzt Dir auszufahren gestattet und fühlst Du Dich dazu geneigt , so möchten wir , da die Herzogin auch Luft zu schöpfen wünscht , vielleicht noch heute diesen kleinen Einkauf abthun , und wir könnten dann auf morgen Mittag unsere