die Braut des Fürsten Waldernberg gar seltsam . Das Alles fuhr Sophie durch den Kopf , während sie , Helenens beide Hände noch immer festhaltend , ihr tief und tiefer in die dunklen Augen sah . Arme Helene ! sagte sie ; sie wußte kaum , daß sie es sagte . Aber in Helenens Herzen erweckten die leisen mitleidsvollen Worte alle die Schmerzensgeister , welche die letzte bange Nacht mit ihr gewacht und kaum gegen Morgen eine Stunde lang mit ihr in unruhigem Schlaf gelegen hatten . Mitleid mit sich selbst , wie sie es nie gekannt hatte , ergriff sie , die Thränen kamen ihr in die Augen , und sie warf sich in Sophiens Arme , das schöne blasse Antlitz an der Freundin Busen verbergend . Um Himmelswillen , liebe Helene , was hast Du ; sagte Sophie , jetzt ernstlich bestürzt ; ich habe Dich ja nie so gesehen , nie geahnt , daß ich Dich so sehen würde und am wenigsten jetzt , wo ich glaubte , es sei in Deinem Leben Alles Herrlichkeit und Freude . Hast Du das wirklich geglaubt ? fragte Helene , sich aufrichtend und Sophie mit den großen , schmerzlich starren Augen forschend anblickend . Sophie senkte vor diesem Blick die Wimpern . Sie mochte nicht Nein sagen , und Ja zu sagen , erlaubte ihr ihre Ehrlichkeit nicht . Aber dieses Schwanken dauerte bei ihr nicht lange . Jetzt oder nie war der Moment , Helenen Alles mitzutheilen , was sie so lange schon auf dem Herzen gehabt hatte . Helene , sagte sie , klar und ruhig mit ihren tiefen blauen Augen aufblickend ; ich kann nicht lügen und mag nicht lügen , keinem Menschen gegenüber und zumal Dir gegenüber nicht , die ich so herzlich lieb habe . Komm , süße Seele , setze Dich zu mir hier auf ' s Sopha und laß uns sprechen , wie ' s Schwestern geziemt , die wir , wenn nie wieder , doch wenigstens in dieser Stunde sein wollen . Wenn Du nicht Aufrichtigkeit von mir wünschest , weshalb wärst Du denn , da Du so viel glänzendere Freundinnen haben könntest , gerade zu mir gekommen ? Habe ich recht ? Sprich weiter ! sagte Helene , als sei nur die Stimme der Freundin zu hören , für sie schon ein Trost und eine Erquickung . Du hast mich gefragt , fuhr Sophie immer muthiger werdend , fort , ob ich wirklich glaube , daß Du jetzt glücklich bist ? Ich glaube es nicht . Du siehst nicht aus wie eine Glückliche . Dein schönes blasses Gesicht sagt nein , wenn Deine Zunge auch ja sagen sollte . Ich habe oft und oft in Deinem Gesicht gelesen , lange , lange Geschichten , von denen Du Stolze , Schweigsame mir kein Wort gesagt , und ich will Dir erzählen , was ich gelesen . Darf ich ? Sprich weiter , Sophie ! sprich weiter ! Ich habe hier auf Deiner Stirn gelesen , daß Deinem Geiste nur das Große , das Außerordentliche genügt , und selbst das kaum - und hier in Deinen zauberisch schönen Augen , daß Dein Herz sich , wie nur ein Menschenherz es kann , nach Liebe sehnt . So ist von jeher ein Zwiespalt gewesen zwischen Deinem Kopf und Deinem Herzen . Du willst herrschen und willst lieben zu gleicher Zeit , und , liebe Helene , das geht nicht an . Die Liebe , die echte Liebe - und es gibt ja nur die eine - ist demüthig ; sie duldet Alles und glaubt Alles ; sie will nichts , als Eins sein mit dem Geliebten , in Freud und Leid . Sieh , süße Seele , mir ist das Glück solcher Liebe zu Theil geworden , und ich weiß deshalb , was ich sage . Franz und ich haben nur einen Willen . Er will das Gute , ich will ' s mit ihm , und sollten unsere Ansichten wirklich einmal auseinandergehen - die Herzen bleiben doch verbunden ; da findet sich denn das Andere ganz von selbst . Alle Freude ist doppelt groß , und alles Leid trägt sich doppelt leicht . Ich hab ' s erfahren , als mein guter Vater starb . Was hätte aus mir werden sollen , wenn ich Franz nicht gehabt hätte . Ich hatte , als mein Vater starb , Niemand , sagte Helene tonlos . Ich weiß es , liebes Herz , und ich habe mich oft , wenn ich daran dachte , wie einsam Du warst und wie Du so keine Menschenseele hattest , der Du Dein Leid klagen konntest , an die Brust meines Franz geworfen , der dann manchmal gar nicht wußte , was mich so plötzlich und gewaltig zu ihm trieb . Du stehst allein , selbst jetzt noch , wo Du im Begriff bist , Dich zu vermählen , und , was tausendmal schlimmer ist , Du bist in Deinem Herzen überzeugt , daß es so bleiben , daß Dein Gatte nie Dein Freund , Dein Bruder , Dein Geliebter sein wird , vor dem Deine Seele so klar und offen liegt , wie ein krystallheller Bergsee , in den die liebe Sonne bis auf den tiefsten Grund hinabblickt . Nie , nie ! murmelte Helene . Ich wußte es ja , sagte Sophie traurig , aber Helene , wenn es schon schlimm genug ist , daß Du den Fürsten heirathen willst , ohne ihn zu lieben , so ist es noch viel , viel schlimmer , daß Du sein Weib wirst , während Du in Deinem Herzen das Bild eines anderen Mannes trägst . Eine dunkle Röthe ergoß sich über Helenens Gesicht , als Sophie mit fester Stimme diese letzten Worte sprach und sie dabei mit den großen blauen Augen so ernst und vorwurfsvoll anblickte . Nein , süßes Mädchen , schäme Dich nicht , daß Du ihn geliebt hast . Deshalb tadle ich Dich nicht , denn er