sein , daß sich dieser Fall für uns ereignete ; denn ich weiß , es steht nicht gut mit mir . Tritt er ein - dann vergessen Sie nicht , daß es sich handelt um eine unsterbliche Seele . Ich habe so eben die heiligen Sterbsakramente empfangen und darf hoffen , daß der liebe Gott meine Seele in Gnaden aufnehmen werde ; also ich kann sterben . Aber das Kind muß leben - denn es muß die heilige Taufe empfangen . « Der eine Arzt dachte bei sich selbst : die Logik verstehe ich nicht . Der andere , Coronas Hausarzt , der trockene Mann , sah sie an mit feuchtschimmernden Augen und sagte im barschen Ton : » Gnädige Gräfin müssen nicht so sprechen ! davon wird einem ja ganz unnützer Weise das Herz weich . Man ist ja auch ein Christenmensch und hat ein Gewissen . « » Gut , Herr Doktor ! « sagte Corona ; » auf Ihr Gewissen lege ich die Seele des Kindes . « - - Namenloser Jubel brach im Schloß aus : Corona lebte und ihr Sohn lebte auch ; schwach und schwankend zwar , aber er lebte . » Wie soll er heißen ? « fragte Levin ; » ich taufe ihn gleich . « » Gott war mit uns ! « sagte Corona strahlend vor Wonne ; » Emanuel soll er heißen . « Alles an ihr war übernatürlich : ihre Freude wie ihr Leid ; ihre Gedanken wie ihre Liebe . Und abermals ging ein Telegramm mit diesen Nachrichten zu Orest und traf ihn nicht ; denn er war noch in Lyon bei einem prächtigen Fest , das man zu Ehren Judiths gab . Tags darauf ging sie nach Paris zurück . Man war in der Charwoche und sie hatte versprochen , am grünen Donnerstag in der Kapelle der Klosterfrauen von Unserer Lieben Frau von Sion zu singen ; Pergoleses » Stabat mater « , zum besten des Klosters . Auch ihr Konzert in Lyon war für einen Zweck der Barmherzigkeit gewesen und nie schlug sie eine solche Bitte ab . Mit Orest zugleich traf ein drittes Telegramm aus Stamberg ein , so daß er auf seinem Tisch drei telegraphische Depeschen fand . Trotz seines Leichtsinns entsetzte er sich und öffnete die letzte zuerst . Sie meldete ihm den Tod seines Sohnes . Das schwache Lebensflämmchen war nicht zu erhalten gewesen und nach vierundzwanzig Stunden still erloschen . Orest war vernichtet . Er hatte einen Sohn gehabt und verloren - und ihn nie gesehen ! Er sauste mit dem Schnellzuge durch die Nacht und war am andern Vormittag auf Stamberg , außer sich , verzweifelnd , mit Gott und Menschen hadernd , denn einen Sohn hatte er gewünscht , einen Träger des Namens , einen Erben des Vermögens , einen Vertreter des Hauses Windeck ; und nun fand er ihn - aber als Leiche . Auf Frühlingsblumen gebettet und in Spitzen eingehüllt lag die kleine Leiche in dem Saal , der zur Kapelle umgeschaffen war , und Felicitas saß , mit Blumen spielend , so ruhig und ahnungslos neben dem kleinen Sarge , als ob es die Wiege ihres entschlafenen Brüderchens sei . Dies Bild eines Friedens , der Zeit und Ewigkeit umschloß , trat so überwältigend in die wilde Gewitternacht seines Innern , daß Orest ohnmächtig neben den beiden Kindern zusammensank . Dies entwaffnete etwas den Graf Damian , der einen beträchtlichen Vorrat von Groll gegen seinen Schwiegersohn in sich aufgespeichert hatte , und der Hausarzt sagte zu Levin : » Ja , ja ! so sind die Leute ! Nichts wollte der Herr Graf davon hören , seine Reise abzukürzen , obgleich es ja auf der Hand liegt , daß bei einer so zarten Gesundheit , wie die Frau Gräfin hat , die Dinge leicht eine schlimme Wendung nehmen . Und nun ist er desperat , das Bübchen nicht mehr am Leben zu treffen , und hat nicht übel Lust , uns alle dafür verantwortlich zu machen . « Corona hatte ihr Kind in die Hand Gottes zurück gegeben , aus der sie es empfangen hatte . Bei solcher Gesinnung verliert der Schmerz seine Herbe und seinen Stachel ; aber weh tut er doch ! Das Herz blutet sich leise nach innen aus . Sie suchte Orest zu trösten und zu beruhigen und bat ihn , daß das Kind in der Familiengruft zu Kloster Engelberg beigesetzt werde . » Dort sind wir im Sarge zu Hause , « sagte sie , » und viele heilige Meßopfer und Gebete erheben sich über unsere Gruft und schlingen die Toten in den Verband des ewigen Lebens hinein . « Was sie wünschte , geschah . Es war , als habe sie einen Blick in ihre Zukunft getan . Allmählig senkten sich wieder die Wellen in den aufgeregten Gemütern , und das Alltagsleben kehrte in das gewöhnliche Geleise zurück . Graf Damian , Levin und die Baronin Isabelle verließen Stamberg . Corona erholte sich ; doch so langsam , daß sie im Laufe des Sommers eine Kur in Ems brauchen mußte und daß die Ärzte erklärten , sie müsse den nächsten Winter in Italien zubringen , in Rom oder Pisa ; ihre Brust scheine angegriffen . » Also nach Rom ! « rief Orest . » Ja , nach Rom ! « sagte Graf Damian . » Ich gehe mit . Das habe ich mir schon lange gewünscht . « Er war auch in Ems mit Corona ; er konnte sich kaum mehr von ihr trennen , so sehr fühlte er die Verpflichtung , in ihrer Verlassenheit ihr beizustehen . Hyazinth war bereits im Frühling nach Rom gegangen , um dort ein Jahr theologische Studien zu machen . Der Grund , weshalb Orest sich für Rom entschied , war kein anderer , als weil Judith dahin ging . Diese hatte erklärt , ihr Ruhm sei jetzt begründet ; sie brauche London und Paris nicht mehr ; sie wolle fortan nur in