angeschaut hatte , nahm man einen Stand ein , der beide Ansichten gestattete . Nach und nach wurden Meinungen laut . Man fragte zuerst die älteren und ansehnlicheren Gäste . Diese gaben fast alle ihr Urteil unbestimmt und mit Vorsicht ab . Beide Einrichtungen hätten ihr Gutes , an beiden wird etwas auszustellen sein , und es komme auf Geschmack und Vorliebe an . Da das Gespräch allgemeiner wurde , traten schon manche Meinungen abgeschlossener hervor . Einige sagten , es sei etwas Besonderes und nicht überall Vorkommendes , die nackten Steine aus einer Wand stehen zu lassen . Wenn die Kosten nicht zu scheuen sind , möge man es an dem ganzen Schlosse so machen , und man habe dann etwas sehr Eigenes . Andere meinten , es sei doch überall Sitte , die Wände selbst gegen außen mit einer Tünche zu bekleiden , ein licht getünchtes Haus sei sehr freundlich , darum hätten auch die Vorbesitzer dieses Hauses so getan , um sein Ansehen dem neuen Geschmacke näher zu bringen . Darauf sagten wieder andere , die Gedanken der Menschen seien wechselvoll , einmal habe man die großen viereckigen Steine , aus denen das Äußere dieser Wände bestehe , nackt hervor sehen lassen , später habe man sie überstrichen , jetzt sei eine Zeit gekommen , wo man wieder auf das Alte zurück gehe und es verehre , man könne also die Steine wieder nackt legen . Mein Gastfreund vernahm die Meinungen , und antwortete in unbestimmten und nicht auf eine einzelne Ansicht gestellten Worten , da alles , was gesagt wurde , sich ungefähr in demselben Kreise bewegte . Mathilde sprach nur Unbedeutendes , und Eustach und Roland schwiegen ganz . Von der feurigen Natur des letzten wunderte es mich am meisten . Ich schloß aus dieser Tatsache , daß meine Freunde ihre Meinung entweder schon gefaßt hatten , oder daß sie dieselbe erst für sich fassen wollten . Diese eben abgehaltene Beschau erschien mir also als etwas Allgemeines , Unwesentliches , als eine nachbarliche Artigkeit , als eine Gelegenheit , zusammen zu kommen , um sich gemeinschaftlich zu sehen und zu sprechen , wie man es bei andern Anlässen auch tut . Mir erschien die Bloßlegung der Steine unbedingt als das Natürlichste . Wie ich wohl schon erkennen gelernt hatte , ist bei Denkmälern - und je größer und würdiger sie sein sollen , um desto mehr ist dies der Fall - der Stoff nicht gleichgültig , und dann darf er aber nicht mit Fremdartigem vermengt werden . Ein Siegesbogen , selbst wenn er unter Dach steht , darf von Marmor sein , weniger schon von Ziegeln oder Holz , ganz und gar nicht von gegossenem Eisen oder festgeklebtem Papier . Eine Bildsäule kann von Marmor , Metall oder Holz sein , weniger von groben Steinen , ganz und gar nicht von allerlei zusammengefügten Bestandteilen . Unsere neuen Häuser , die nur bestimmt sind , Menschen aufzunehmen , um ihnen Obdach zu geben , haben nichts Denkmalartiges , sei es ein Denkmal für den Glanz einer Familie , sei es ein Denkmal der abgeschlossenen und wohlgenossenen Wohnlichkeit für irgend ein Geschlecht . Darum werden sie fachartig aus Ziegeln gebaut und mit einer Schicht überstrichen , wie man auch lackiertes Geräte macht oder künstliches Gestein malt . Schon die aus bloßem Holze zur Wohnung eines Geschlechtes in unsern Gebirgsländern ( nicht zur Spielerei in Gärten ) erbauten Häuser haben Denkmalartiges , noch mehr die Schlösser , die aus festen Steinen gefügt sind , die Torbogen , die Pfeiler , die Brücken und noch mehr die aus Stein gebauten Kirchen . Daraus ergab sich mir von selber , daß diejenigen , die dieses Schloß so bauten , daß die Außenseiten der Wände fest gefügte , viereckige , unbestrichene Steine sind , recht gehabt haben , und daß die , welche die Steine bestrichen , im Unrechte waren , und daß die , welche sie wieder bloß legen , abermals im Rechte sind . Ich sah , daß man an sämtlichen Steinen , weil sonst die Kalktünche nicht zu vertilgen gewesen wäre , die Oberfläche mit scharfen Hämmern erneuert hatte . Dies gab wohl den Steinen etwas , das ein lichteres Grau ist , als die alten Simse und Tragsteine hatten , die nicht getüncht waren ; allein durch Zeit und Wetter werden sich auch die erneuerten Steinoberflächen wieder dunkler färben . Man ging , da man eine Weile gesprochen hatte , obwohl ein eigentliches Urteil nicht gefällt worden war , wieder in das Haus zurück , und auch die Dienerschaft , welche zugeschaut hatte , ging auseinander , gleichsam als ob die Sache jetzt aus wäre . In dem Hause zerstreuten sich die Gäste , manche begaben sich in Zimmer , manche gingen in das Freie . Ich nahm in meinem Schlafgemache , wozu mir das nämliche Zimmer , welches ich früher bewohnt hatte , angewiesen worden war , einen Leichteren Hut und einen bequemeren Rock , und ging dann auch in den Garten . Ich ging ganz allein in einem dunkeln Gange zwischen Gebüschen hin , und es war mir wohl , daß ich allein war . Ich schlug die abgelegenen , wenig gangbaren und auch weniger im Stande gehaltenen Wege ein , damit ich niemanden begegne , und damit sich niemand zu mir geselle . Es war auch wirklich kein Mensch in den Gängen , und ich sah nur kleine Vögel , welche ungescheut in ihnen liefen und Futter von der Erde pickten . Ich umging den Lindenplatz und kam hinter ihm aus dem Gebüsche heraus . Von da ging ich in einem großen Umwege der Eppichwand zu , und hatte vor , in die Nymphengrotte zu treten , wenn niemand in ihr wäre . Als ich schon nahe an der Grotte war und schief in dieselbe blicken konnte , sah ich , daß Natalie auf dem Marmorbänklein sitze , welches sich seit wärts von der Nymphengestalt befand . Sie saß an dem innersten Ende des