erhält , verächtlich die Naschen rümpfen und mit Absicht leicht darüber hinweg zu blicken versuchen . - Das thut Alles nichts ; wie schon bemerkt , an dem Abend wird Manches verziehen oder Manches geglaubt . » Ach ! dies schöne Geschenk wird von Onkel Karl sein ! « sagt die Betreffende , indem sie mit außerordentlicher Geschicklichkeit ein kleines Papierchen verschwinden läßt , das unter dem Armband gelegen . » Ach ! Onkel Karl , das ist zu viel ! Nein , das ist zu viel ! « Onkel Karl , ein alter geiziger Hagestolz , steht daneben mit einem höchst dummen und verblüfften Gesicht ; und befindet er sich augenblicklich unter dem Einfluß von einiger Geistesgegenwart , die ihm aber gewöhnlich mangelt , so macht er grinsend ein breites Maul , lächelt ziemlich blödsinnig und ist unverschämt genug , die warmen Küsse seiner lieblichen Nichte für Rechnung eines Anderen in Empfang zu nehmen . Du erinnerst dich gewiß , theurer und geneigter Leser , so lebhaft wie wir dieser herrlichen schönen Weihnachtszeit . Du kannst das nicht vergessen , nicht einmal in dem schlimmen Falle , wenn du selbst lange , lange Zeit hindurch Niemand etwas Gutes mehr bescheert hast , oder wenn dir ein böses Schicksal während vieler Jahre nur Fußtritte oder Ohrfeigen gab . Ja , auch dann wirst du dich , wenn auch wehmüthig , jener Zeit erinnern , wo du zum letzten Male etwas Angenehmes bescheertest oder wo dir etwas Angenehmes bescheert wurde . - Ach ! es ist etwas so Köstliches um die Erinnerung , um eine angenehme Erinnerung , und wenn wirklich deine Seele schon lange mit dickem Staube bedeckt ist oder sich dein getäuschtes und verrathenes Herz mit einer festen Schale umzogen - an diesem Abend steigt jener auf , zerschmilzt diese , und du fühlst , wie dich ein süßer Schauer durchzieht - wenn du das nämlich fühlen willst - seltsame Töne , bunte , glänzende Bilder , und alles Das eingehüllt in den wohlbekannten Duft der Tannennadeln und des herabträufelnden Wachses . Dann eile hinaus auf die Straße , um dich unter den Glücklicheren umzuschauen , selbst wenn es nebelt oder sogar einzelne Schneeflocken vom dunkeln Himmel herab dich in großen Kreisen umflattern und zuletzt auf deiner Nase oder deiner Wange zerschmelzen . Das gehört mit zum heiligen Christtag , und ist das wilde Wetter zuweilen liebend den Tausenden von Tannenbäumen nachgezogen , die man aus dem finstern Wald hieher versetzt . Wer achtet aber dieses Wetters ? - Niemand . Selten siehst du einen Regenschirm aufgespannt , und die Damen behelfen sich sogar , indem sie dichte Kaputzen über den Kopf ziehen und von unten mit soliden Ueberschuhen verwahrt sind . Man hat auch keine Zeit , nach dem Wetter zu sehen oder den Regenschirm zu balanciren ; man muß nur dafür sorgen , daß man nicht an die Begegnenden anstoßt und daß man seine kostbaren Waaren unversehrt nach Hause bringt . Die schönste Stunde an diesem Abend ist gleich nach der Dämmerung , wenn die Ladendiener eilfertig die Gaslampen angezündet haben , und wenn es nun wie ein Aufschrei höchster Lust durch die Glasschränke zieht , wenn Alles heller wird als am Tage ; denn die Sonne vermag nicht in den dunkeln Winkel zu dringen , wo die Schaukelpferde stehen , oder dort hinten in die Ecke neben dem Ofen , wo sich die hölzernen Gewehre , die Säbel , Schwerter und Peitschen befinden . Jetzt aber strahlt Alles von Licht und Glanz . Es glänzt das Gold auf den Helmen und Harnischen der Rittersmänner , man sieht die Mähnen der Rosse flattern , und hell strahlen die Fenster dieses Schlosses oder jener Burg . Wie galoppiren die Pferde dort vor der reichen , bunten Karosse , wie anmuthig lächelt die Dame in derselben , und wie greulich verzieht der edle Nußknacker sein häßliches Gesicht ! Sollte man doch glauben , er schiele ordentlich links hinüber nach jener großen schönen Puppe in weißem gesticktem Atlaskleide mit wirklichen Schuhen an den Füßen und ächtem Haar auf dem Kopfe . Dieses Gesicht ist aber auch der Mühe werth , betrachtet zu werden : die runden , schneeweißen Wangen , angetupft mit einem zarten Roth , der zusammengezogene Mund , so klein , daß er gar nicht in Betracht kommt , die unbedeutende Nase und hauptsächlich die großen blauen Augen von unaussprechlichem Glanze und einem Ausdruck , der über alle Beschreibung geht . Sie blickt verwundert vor sich in das Gewölbe und , wie in tiefe Gedanken versunken , schaut sie keine Menschenseele an , sondern starrt weit , weit hinaus in die unmeßbare Ferne . - Jeder aber ist wie gesagt an diesem Abend eilig und hat für den besten Freund keine Zeit ; Der hat dies , Jener das vergessen , und da heute Abend Mägde und Knechte alle Hände voll zu thun haben , so muß er selbst rennen und laufen , um das Versäumte herbei zu holen . » Da wäre ich schön angekommen , « sagt ein dicker Herr im Laden zu einem sehr dürren , der Wachslichter aufsucht , » meine Frau hat sich ein Portemonnaie gewünscht , wie sie es vor acht Tagen bei der Staatsräthin gesehen . Wissen Sie , von dänischem Leder mit Stahlschloß ; ich versichere Sie , bester Freund , es ist gut , daß es mir jetzt noch einfiel , ich hätte böse Feiertage gehabt . « » So kann man Unglück haben ! « ruft ein anderer Herr , der eilig in den Laden tritt . - » Bitte um neue Glaskugeln , « sagt er zu dem Ladendiener , der mit offenem Munde herbeieilt . » Da sehen Sie die Bescheerung ! « wendet er sich an den dicken Herrn , » gehe ich noch von hier aus zur Putzmacherin - sie hat die Sammetmantille für Madame noch nicht geschickt - und da ich warten soll , setze ich mich nieder auf einen Stuhl und auf