die abgetragene dicke Brieftasche aus dem Rock zog , zog sich auch das Gesicht des Rittmeisters sichtlich in die Länge . » Sie werden sich hier die Augen verderben . « » Bin Ihnen für Ihre Theilnahme sehr obligirt , aber was hier drin liegt , kenne ich Alles auswendig . « Diese Versicherung tröstete den Offizier noch weniger , besonders als er , trotz der Dunkelheit , mit seinem scharfen Auge einen länglichen , schmalen Papierstreifen , den van Asten jetzt unter andern auf den Tisch legte , sehr gut zu erkennen glaubte . Warum den Gruß der Batterie abwarten , lieber grad los darauf . » Herr van Asten , « sagte er , » inkommodiren Sie sich nicht . Ich kenne den Wisch . Sind noch vierzehn Tage hin . Wenn ich am Verfalltage noch lebe , na , da sprechen wir weiter davon . Bin ich aber todt , machen Sie und ich unsre Rechnung mit dem Himmel - « » Theuerster Herr von Dohleneck , « rief der Kauf mann , den Wechsel wieder in die Tasche schiebend , » was so viel Gerede um eine Bagatell ! Zweihundert Thaler ! Darum sollte der alte van Asten einen Offizier seines Königs molestiren ! Bin ich ein Wucherer ? Weiß ich nicht , daß ein Soldat vor dem Feinde Courage braucht ? Courage und Kredit sind Verwandte und was kostet nicht die Feldequipage ! Wie kann da ein Offizier an solche Lumpereien denken . Mancher hat auch sonst Liebes hinter sich . Möchte ihnen doch gern ein Angebinde zurücklassen . « Der Rittmeister von Dohleneck sah ihn etwas groß , aber nicht sehr klar an . Der Eingang war zwar angenehm , aber wer bürgte ihm , daß es der Ausgang auch sein werde ? » Alle sind nicht wie Sie . Solidität wird eine immere rarere Eigenschaft , und der Krieg ist ein grausam Vergnügen . Wer weiß , wer zurückkommt und wer da bleibt ! Wenn nun Alle blieben , wer soll da bezahlen . Wie viele Kaufleute sind mit ruinirt . « Der Rittmeister sah mit Verwunderung wie der Kaufmann eine ganze Partie ähnlicher Papierstreifen auf den Tisch legte . Es überkam ihn ein Schauer in der Seele Derer , die sich mit ihrem Namen darunter geschrieben , seine Stirn aber runzelte sich bei der Vorstellung , daß der alte Geldmann ihn etwa ausersehen , um über die Verhältnisse seiner Kameraden Auskunft zu geben . Ein schlauer Seitenblick des Andern las , was in seiner Seele vorging . » Wie werde ich denn einen Offizier zum Zeugen aufrufen gegen seine Kameraden ! Das weiß ich , jeder Offizier muß für den Andern gut sagen - « » Na hören Sie , was das anbetrifft ! « » Wir verstehen uns ja ! Kavalierparole ist sehr was schönes . Giebt gar nichts schöneres in der Welt . Aber bei Wechseln , da halten wir Kaufleute , ' s ist so ' ne alte Usance , uns an andre Dinge . Wer ins Feld marschirt z.B. kann nicht Alles mitnehmen ; man erleichtert ' s den Herren , nimmt ihnen was zu schwer ist ab . Hatte da eben eine kleine Konferenz mit unserm Manteuffel . Das ist ein praktischer Mann . « » Hol ' ihn der Teufel ! « sagte der Rittmeister . » Weiß wohl , daß ihm die Herren Offiziere nicht sehr grün sind . Ja , lieber Himmel , wenn mal ' ne Sache unterm Hammer steht , giebt er sie weg um jeden Preis . Das ist wahr . Ist nu mal nicht anders . Die Moral ist , man muß es nicht dahin kommen lassen . Was nun des Herrn Rittmeisters kleinen Wechsel anbetrifft , so machte mir Herr Manteuffel die Proposition - « » Seelenmann , Sie werden mich doch nicht an Manteuffel verkaufen ? « » Verstehen Sie mich , er wollte Sie einem Andern abgeben . « » Das ist ja Seelenverkäuferei ! « » Sagte ich auch . Und ich wusste ja nicht , ob Sie gern mit dem Herrn in Konnexionen kämen . Nun wir kennen uns ! Aber der Herr ist ein Fremder , und voll hätte er auch nicht gezahlt , und wie gesagt , wer weiß , ob Ihnen das recht ist , an den Legationsrath von Wandel abgegeben zu werden . « » Der ! « Der Rittmeister legte schwer seine Hand auf den Tisch . » Sehen Sie , das hab ' ich Manteuffeln auch gesagt . Er ist ja ein Ausländer ! Sollen wir preußisches Blut , einen Soldaten unsres Königs , an einen Fremden verrathen ? Wissen Sie denn , in wessen Diensten der Herr ist ? Kann er nicht ein Agent des Bonaparte sein , kann der nicht den Auftrag haben , alle Wechsel aufzukaufen , die preußische Offiziere ausgestellt haben ? Und wenn der Krieg losgeht , die Herren marschiren sollen , ja da hat der König keine Offiziere . Alle eingesteckt in Wechselarrest . Kann nun ein König Krieg führen ohne Offiziere ? Der Bonaparte drüben freilich , woraus macht der sich nicht welche ! Die sind denn auch danach . Aber wir müssen sie doch aus den Kadettenhäusern haben , aus guten Familien . Der Napoleon ist es im Stande , sagte ich zu Manteuffeln , denn dem ist Alles möglich . Manteuffel wischte sich die Brille ab , und meinte , ich dächte wohl an England , das Napoleon zu ruiniren denkt . Aber was für England passt , passe nicht für uns , wir hätten keine Bank zu sprengen . Ja , antwortete ich , wäre ihm doch beinahe gelungen . Und ' s kann auch hier Manches springen . Aber ' s soll ihm nicht gelingen . Meinen Herrn von Dohleneck soll er nicht in seine Klauen kriegen , ehe wir nicht wissen , wer er ist . Nun freut mich zu hören , daß der Herr Rittmeister ihn