Ratzen in den Möbeln , so sonderbar klopfte es . Erst wußte die Gendarmerie nicht , wo ' s herkam . Hernach aber merkten wir ' s , daß es doch von inwendig kam und keine Ratzen waren . Halt ! dachten wir , da hat sich Einer drin gefangen , und schon berathschlagten wir , was nun zu thun . Das Klopfen aber hörte nicht auf und statt jeder Antwort auf unser : » Wer ist denn da drin ? « , bekamen wir wieder das Klopfen . Da machten wir denn die Stange los und öffneten behutsam , wie wenn Einer Vögel lebendig gefangen hat und die Falle aufmacht . Wer kroch in Lebensgröße heraus ? Excellenz ! Von Fragens war natürlich keine Rede ; denn Excellenz waren furchtbar ungnädig , winkten mit der Hand und setzten sich vorn auf den Bock , wo sie sehr wenig gesprochen haben , nichts aßen und nichts tranken als eine Tasse Kamillenthee in einem Dorfe ... und mir verboten haben ... Verboten ? rief die Geheimräthin mit satirischer , von der Vorstellung des aus dem Kasten kriechenden Gatten zum Lachen höchstgeneigter Miene ; verboten , von dieser Aufopferung zu sprechen ? Das Abenteuer ist so amusant , was ist da zu verbieten ? Sie betrachtete dabei mistrauisch mit den Augen zwinkernd die Ludmer . Die Ludmer aber , die nie etwas ganz schwarz sehen konnte , lachte über die Maßen . Das Kinn wackelte ihr vor Entzücken über den eingeschlossenen Geheimrath und weit entfernt , dem Zusammenhang sothaner Misverständnisse nachzuspüren , hielt sie sich ganz einfach an das komische Factum , wie der hagere , steife , stolze Herr müßte ausgesehen haben , als er aus seiner Falle herausgekrochen gekommen wäre . Falle sagst du , Charlotte ? wandte sich die Geheimräthin zu ihr . Falle ? Wer hat ihm denn eine Falle gestellt ? Wie ist denn der Geheimrath hineingekommen in den Wagen , von dem mir doch gesagt wurde , daß er von Euch und zwei Bewaffneten bewacht war ? Jetzt blickten die Diener wieder scheu zur Erde und verriethen , ohnehin durch die Confrontation verlegen , was ihnen Ferneres vorgestern Abend begegnet war . Dies kam denn darauf hinaus : Der Geheimrath hätte die übrige von Hohenberg nachkommende Gesellschaft , wie sie dachten des Prinzen wegen , mit großer Spannung im Heidekruge erwartet , wäre aber den ganzen Abend über nur mit Madame Schlurck und Fräulein Tochter zusammengewesen , wäre dann zu ihnen in den Hof gekommen , wo es vom Regen fast nicht zum Aushalten gewesen und hätte ihnen gesagt : Kinder , wir sind hier sicher , ich will nicht , daß ihr des Wagens wegen um einen trocknen Platz kommt ! Da geht hinauf und trinkt auf des Königs Wohl ! Damit hätte er ihnen einen Thaler gegeben . Sie wären hinaufgegangen in die Wirthsstube und müßten sich freilich schämen zu gestehen , daß sie auf des Königs Wohl über Kräfte getrunken hätten , woran die Gendarmen Schuld wären und wie gesagt , des Königs Wohl . Nach einer halben Stunde wären dann Excellenz gekommen und hätten den Schlüssel zu der Eisenstange am Wagen verlangt . Er wollte etwas nachsehen , hätt ' s geheißen . Sie hätten ihn natürlich begleiten wollen , allein Excellenz hätten es nicht leiden mögen und so hätten sie für des Königs Wohl gesessen bis in die Nacht hinein . Nachher wär ' ihnen aber denn doch der Schlaf gekommen und die Sorge für den Wagen . Wie groß wär ' ihr Erstaunen gewesen , als sie den Wagen in der Dunkelheit offen , die Stange aber mit dem Schlüssel an einem Ende baumelnd gefunden hätten . In Angst , es möchte der Geheimrath aus Vergeßlichkeit hier Gelegenheit zu einem Diebstahl gegeben haben , wären sie rasch bei der Hand gewesen , die Thür wieder zuzuschließen . Und da hätten sie denn ihren Herrn , der auf einem der Fauteuils wahrscheinlich entschlummert wäre , wider Wissen und Willen mit eingekerkert und einen so vornehmen Herrn gezwungen , die ganze Nacht in dieser höchst elenden und bejammernswürdigen Lage zuzubringen . Pauline hielt beide Hände über die Stirn und rief halb im Zorn , halb doch von der komischen Situation ihres Gatten amüsirt , laut aus , ob denn so etwas möglich , nur denkbar und wirklich glaublich wäre ! Dann aber des sicher bei dieser Gelegenheit verloren gegangenen Bildes gedenkend , rief sie : Was hatte er aber so spät in der Nacht in dem Wagen zu schaffen ! Der furchtsame Mann , der nicht allein des Abends oben auf sein Zimmer gehen kann ! Der Verschlafene , der wie die Hühner nach Sonnenuntergang kein Auge mehr offen behält ! Ernst , wie immer lebhaft , und an diese vertrauliche Art , über den Intendanten zu sprechen , im Hause längst gewöhnt , lachte und platzte mit den Worten heraus : Nun , die Äugelchen hat wol an dem Abend das Fräulein wach gehalten . Das Fräulein - ? Einem solchen Verrathe , der aus einer recht bösen Lust zu schaden hervorging , aus einer absichtlichen Reizung zum Unfrieden , mußten denn freilich jetzt die umständlichsten Geständnisse folgen ... Welches Fräulein ? Demoiselle Melanie ? Melanie Schlurck ? Wie war Das ? Was sah man ? Was hörte man ? ... Wir lassen nun einen Vorhang fallen über die fernere Entwickelung dieser häuslichen Angeberei , die zu den allerdings wiederkehrenden täglichen Erscheinungen großer Häuser gehört , zugleich aber zu den widerlichsten Belegen raffinirter Entsittlichung . Die Diener wurden mit dem Bemerken entlassen , daß sie zwar für die Vernachlässigung ihrer Pflichten auf dem Heidekrug Strafe verdient hätten , indessen wolle man in Anbetracht ihrer sonst aufrichtigen Geständnisse Gnade für Recht ergehen lassen und nur diese Bedingung noch ihnen ernstlich einschärfen , daß sie die Mitwissenschaft der Frauen ihrem Herrn zu verschweigen und sich überhaupt im ferneren Verlauf dieser Dinge zu erinnern hätten , von wem ihr längeres Verweilen in einem so