, wenn er ohne Tadel reift . Sein Enkel mußte mich nach Haus begleiten auf seinen Befehl , weil ich nur eine Magd bei mir hatte . Ich schickte ihn aber bald wieder zurück und hab dem Enkel gesagt , er soll dem Großvater sagen , daß er alle Tage meiner gedenke , bis ich wiederkomm . - Als ich wegging vom Ephraim , legte er mir die Hand auf den Kopf und sagte : » Alles Werden ist für die Zukunft . « Ich ging zu Hause gleich nach dem Turm , weil ich mich noch einmal recht deutlich besinnen wollt auf dieses mächtige und doch so einfache friedenhauchende Geistesgesicht , so wie ich ihn eben verlassen hatte im Schimmer der hellen polierten vierfachen Lampe , die Rosen bis zu seinem weißen Bart sich neigend , so hab ich ihn zum letztenmal gesehen . Deutet dies nicht auf seinen Abschied vom Erdenleben , das er so mühevoll , so friedlich , so freudevoll durchführte , denn auch mir hat er beim Abschied gesagt : » Sie haben mir viel Freude gegeben . « - Und wie ich eine ganze Weile an ihn gedacht hatte , so besann ich mich auf seine Worte : » Alles Werden ist für die Zukunft . « - Ja , wir nähren uns von der Zukunft , sie begeistert uns . - Die Zukunft entspringt dem Geist wie der Keim der nährenden Erde . - Dann steigt er himmelauf und blüht und trägt Erleuchtung . - Der Baum , die Pflanze ist der Geist der Erde , der aufsteigt zum Licht , zur Luft . Der Geist der Erde will sich dem Licht vermählen , das Licht entwickelt die Zukunft . Alles echte Erzeugnis ist Auffahren zum Himmel , ist Unsterblichwerden . Und die Schönheit dieses Mannes leuchtete mir da in der letzten Stunde auf dem Turm so recht hell auf , denn das Bild mit den Rosen , es war , als hätt es mein Genius bestellt , daß ich ' s recht fassen solle , wie Du die Tempelhalle geweiht achtest , von der Du weißt , daß inner ihren Mauern die Opferflamme lodert , der Tempel ist nur dann heilig , wenn er den Menschen , den eignen Leib darstellt , - und des Gottes Lehre den eignen Geist . - Das hat er einmal gesagt zu mir . Und eben sah ich noch die Studenten ins Kolleg gehen , und sie waren recht verwundert , daß der Rosenstock nicht mehr da war . Ich sah ' s ihnen an , es war ihnen leid , sie hatten nun schon acht Tage hintereinander die Rosen gezählt . - Wartet nur , ihr werdet ihn bald ausfindig machen , und dann werden die Artigsten unter euch meine Rosen in der Weste tragen dürfen . Bettine Anhang Der Franke in Ägypten Wie der Unmut mir den Busen drücket , Wie das Glück mich hämisch lächelnd flieht . Ist denn nichts , was meine Seele stillet ? Nichts , was dieses Lebens bange Leere füllet ? - Dieses Sehnen , wähnt ich , sucht die Vorwelt , Die Heroenzeit ersehnt mein kranker Geist , An vergangner Größe will dies Herz sich heben , Und so eilt ich deinem Strande zu , Du der Vorwelt heiligste Ruine , Fabelhaftes Land , Ägypten du ! Ha ! Da wähnt ich aller Lasten mich entladen , Als der Heimat Grenze ich enteilet war . Träumend wallt ich mit der Vorzeit Schatten , Doch bald fühlt ich , daß ich unter Toten sei , Neu bewegte sich in mir das Leben , Antwort konnte mir das Grab nicht geben . - Ins Gewühl der Schlachten Warf ich durstig mich , Aber Ruhm und Schlachten Ließen traurig mich : Der Lorbeer , der die Stirne schmückt , Er ist ' s nicht immer , der beglückt . Da reichte mir die Wissenschaft die Hand , Und folgsam ging ich nun an ihrer Seite , Ich stieg hinab in Pyramidennacht , Ich maß des Möris See , des alten Memphis Größe ; Und all die Herrlichkeit , die sonst mein Herz geschwellt , Sie reicht dem Durstigen nur der Erkenntnis Becher . Ich dachte , forschte nur , vergaß , daß ich empfand . - Doch ach ! Die alte Sehnsucht ist erwacht , Aufs neue fühl ich suchend ihre Macht , Was geb ich ihr ? Wohin soll ich mich stürzen ? Was wird des Lebens lange Öde würzen ? Ha ! Sieh , ein Mädchen ! Wie voll Anmut , Wie lieblich , gut erscheint sie mir ! Soll ich dem Zuge widerstehn ? Doch nein ! Ich rede kühn zu ihr . Ist dies der Weg der Pyramiden ? O , schönes Mädchen ! sag es mir ! Mädchen Du bist nicht auf dem Weg der Pyramiden , O Fremdling ! Doch ich zeig ihn dir . Franke Brennend sengt die heiße Mittagssonne , Jede Blume neigt das schöne Haupt , Aber du der Blumen Schönste hebest , Jung , und frisch , das braungelockte Haupt . Mädchen Willst du in des Vaters Hütte dich erkühlen ? Komm , es nimmt der Greis dich gerne auf . Franke Welchen Namen trägst du , schönes Mädchen ? Und dein Vater , sprich , wo wohnet der ? Mädchen Lastrata heiß ich ; und mein guter Vater Er wohnt mit mir im kleinen Palmental , Doch nicht des Tales angenehme Kühle , Nicht Bäche Murmeln , nicht der Sonne Kreisen Erfreuet meinen guten Vater mehr . Franke Wie ! Freut den Vater nicht des Stromes Quellen , Der Palmen lindes Frühlingssäuseln nicht ? Ich fass ' es ; doch , wie es ein Gram mag geben , Der deiner Tröstung möchte widerstreben , Das nur , Lastrata , fass ' ich nicht . Mädchen Italien ist das Vaterland des Greisen , Und vieles Unglück bracht ihn nur hierher . Mit sehnsuchtsvollem Blick schaut er am Mittelmeere Hinüber in das