, von welcher er stets , in trüber Vorahnung , die Veranlassung zu einer Katastrophe erwartet hatte , die ihn jetzt eben durch ihren Schützling erreicht zu haben schien . Er hörte daher nicht auf , sich auf das Lauteste über die Mahnungen der Pfalzgräfin zu beklagen , und es konnte Niemandem entgehen , daß diese Bemühungen die Sache des Grafen noch mehr verdarben . So wenig nun unter diesen Umständen sich ein Weg zu öffnen schien , dessen Verfolgung günstigere Resultate hoffen ließ , war doch Graf Archimbald eben , wie Richmond , entschlossen , festen Fußes das bestrittene Feld zu behaupten , da es außer allem Zweifel blieb , daß London und der Hof , bewacht in allen seinen Abwechselungen , Gelegenheit geben müßte , die nie aufzugebende Sache an ein klareres Licht zu ziehen . So blieben Beide freiwillig von Godwie-Castle getrennt , während der junge Herzog , in einer stillen , leidend ruhigen Fassung , in dem Hause seiner nunmehr anerkannten Braut in London , seine Zeit in gleichem Antheil dem Kummer seiner Familie , wie den Pflichten seines Berufs widmete . Die jüngere Herzogin begriff unter den offen daliegenden Ursachen des Kummers alle Empfindungen ihres Herzens , wie manches ihnen auch beigemischt sein mochte , was sie sich oder Andern einzugestehen nicht geneigt war . Sie hatte sich mit der Angelegenheit der angeblichen Gräfin Melville seit ihrer freiwilligen und heimlichen Entfernung von Burtonhall für abgefunden erklärt , und sich , wie ihren Umgebungen , mit der ihr eigenen Art , welche keine andere Meinung aufkommen ließ , jede weitere Nachforschung nach dem fernern Aufenthalte nach Ergehen derselben untersagt . Der Name des liebenswürdigen Wesens war daher in den einst von ihr belebten Räumen verklungen , oder wurde nur schüchtern in den langen Wintergesprächen der Dienerschaft erwähnt , welche alle dem gütigen Fräulein zugethan verblieben . Lord Bristol hatte die endlich geöffneten Gemächer des verstorbenen Herzogs bezogen , und sein rastloser Geist war hier mit der Abfassung von Memoiren beschäftigt , die sein reiches und einflußreiches diplomatisches Leben betrafen . So sich in die Vergangenheit vertiefend , behielt er doch seine gegenwärtige Stellung unverrückt im Auge , und auf die Liebe des Königs zu ihm bauend , die er einst so vollständig besessen , ging sein lebhafter Wunsch dahin , sich auf irgend eine Weise ihm nähern und sich vor ihm selbst vertheidigen zu können . Eine einzige Vertraute dieses Wunsches gab es für ihn ; dies war seine Tochter . Wie sonst bei Lebzeiten ihres Gemahls , ruhte die Herzogin heute in dem Lehnstuhle , dem Arbeitstische ihres Gemahls gegenüber , von welchem her jetzt das ernste , gefurchte Antlitz des Vaters zu ihr blickte , um dessen hohe Stirn die Locken des starken Haares , von dem Reife des Alters gebleicht , sich majestätisch bauten und den erhabenen Eindruck seiner ganzen Erscheinung zu krönen schienen . Ich habe meinen Namen vor England nicht zu vertheidigen , meine Tochter , setzte er gelassen ein mit ihr geführtes Gespräch fort , und hätte ich es , so würde , nach menschlicher Wahrscheinlichkeit , die Zeit nicht aus bleiben , wo es geschehen könnte ; aber zu jener Rechtfertigung , nach der , ich gestehe es Dir , mein Herz sich sehnt , dazu möchte es bald an der Zeit sein , oder für immer zu spät . Mein theurer , daß ich es sagen muß , mißleiteter König ist am Ende seiner Tage . Soll er sein Auge schließen , ohne es noch einmal versöhnt und wohlwollend auf seinen treuen Diener , den er einst seinen Freund nannte , gerichtet zu haben ? Er hatte sich während dieser Worte erhoben und schritt gedankenvoll durch das kleine Gemach . Sein stolzes Haupt hatte sich nachdenkend auf seine Brust gesenkt , seine Armen lagen gekreuzt über einander . Die Herzogin begleitete ihn mit den ausdrucksvollen Blicken , die ihr so eigen waren , wenn sie sich einen Gegenstand bis zur Klarheit ausdachte , und hier verfolgte sie den Gedanken , daß die persönliche Ungnade des Königs , der Gespiele , Freund und Vertrauter ihres Vaters gewesen , dem dieser mit grenzenloser Hingebung und einer an Enthusiasmus grenzenden Liebe gedient , dies edle Herz tiefer verwundete , als eine öffentliche Anklage , an die Niemand im Ernste glaubte , wenn auch sie zu widerlegen , außer dem Interesse der Mehrzahl lag . Sie hatte die ruhende Stellung aufgegeben , Gedanke an Gedanke , beflügelt von der Liebe zu dem edeln , innigverehrten Vater , ordneten sich in ihrem Kopfe und rötheten das blasse , zusammengefallene Antlitz mit einem Anhauche früheren Glanzes . Nun wohl , theurer Vater , so lasset uns handeln ! sprach sie endlich und erhob sich , lebhaft vor ihn hintretend . Die Witwe des Herzogs von Nottingham ist nicht vom Hofe verbannt , ihr wird der Zugang nicht verwehrt sein zu den Stufen des Thrones . Lasset Eure Tochter als Euren Boten voran nach London eilen , diese wankenden Knie werden sich leicht beugen , um für den Vater Gerechtigkeit zu erflehen , und Jakob wird die Tochter hören , die von dem Herzen des Vaters zu dem seinigen reden will . Ich fürchte diesen Buckingham nicht , und Ihr wißt , setzte sie stolz hinzu , ich habe ihn nie gefürchtet ; auch ist ja meine Sendung eine Sendung des Friedens ! Möge England ungewiß bleiben , ob Jakob versöhnt ist mit seinem edelsten Diener ; seid nur Ihr es nicht länger , sei nur von diesem Herzen der Schmerz genommen , der es jetzt ergriffen hält . Bristol betrachtete seine Tochter ; ein sanfter Ausdruck glitt über seine bekümmerten Züge und seine Arme lösten sich , die Hände der Tochter zu ergreifen . Ich danke Dir , Arabella , für den warmen Antheil , den Du mir bewahrt hast , sprach er sanft , aber vielleicht bedarf ich ihn nicht , um Dich einem so ungewissen Unternehmen auszusetzen , dessen Mißlingen Dich tiefer