aus erster Verhüllung ans Licht hervorbricht ; ich saugte Licht mit dem Geist und sah mit diesem , was ich vorher mit leiblichem Auge nicht gesehen haben würde , alles was die Natur mir spielend darbot , gab mir eine Erinnerung an ein Verborgenes in mir , die Farben und Formen der Pflanzenwelt sah ich mit tiefem , genießendem , verzehrendem Blick , durch den die Nahrung in meinen Geist übergehe . Ach , wir wollen schweigen , wir wollen leisen Nebelflor über dies Geheimnis ziehen , durch den uns sein Inhalt ahnungsweise durchschimmert , ja wir wollen schweigen , Freund ! Wir können ' s ja doch nicht in Worten enthüllen . Aber pflanzt doch der irdische Mensch und säet in den Busen der Erde , die vorher unbefruchtet war , daß ihre nährenden Kräfte eindringen in die Frucht ihrer Erzeugnisse . Hätte sie Bewußtsein ihres sinnlichen Gefühls , dann würde dies Gefühl zu Geist in ihr werden ; - so vergleiche ich den Menschengeist mit ihr , ein vom himmlischen Geistesäther umschwebtes Eiland ; es wird aufgelockert und urbar gemacht , und göttlicher Same wird seinen sinnlichen Kräften vertraut , und diese Kräfte regen sich und sprießen in ein höheres Leben , das dem Licht angehört , welches Geist ist ; und die Frucht , die dieser göttliche Same trägt , ist die Erkenntnis , die wir genießen , damit unsere der Seligkeit zuwachsenden Kräfte gedeihen . Wie soll ich ' s noch darlegen , daß dieses leise Schauern und Spielen der Lüfte , des Wassers , des Mondlichts mir wirklich Berührung mit der Geisterwelt war ? - Wie Gott die Schöpfung dachte , da ward der einzige Gedanke : » Es werde « , ein Baum , der alle Welten trägt und sie reift . So ist auch dieser Hauch , dies Gelispel der Natur in nächtlicher Stille ein leiser Geisterhauch , der den Geist weckt und ihn besäet mit allen Gedanken , die ewig währen . Ich sah ein Inneres in mir , ein Höheres , dem ich mich unterworfen fühlte , dem ich alles opfern sollte , und wo ich ' s nicht tat , da fühlte ich mich aus der Bahn der Erkenntnis herausgeworfen , und noch heute muß ich diese Macht anerkennen , sie spricht allen selbstischen Genuß ab , sie trennt von den Ansprüchen an das allgemeine Leben und hebt über diese hinweg . Es ist sonderbar , daß das , was wir für uns selbst fordern , gewöhnlich auch das ist , was uns unserer Freiheit beraubt ; wir wollen gebunden sein mit Banden , die uns süß deuchten und unserer Schwachheit eine Stütze , eine Versicherung sind ; wir wollen getragen sein , gehoben durch Anerkenntnis , durch Ruhm , und ahnen nicht , daß wir dieser Forderung das Ruhmwürdige und die Nahrung des Höheren aufopfern ; wir wollen geliebt sein , wo wir Anregung zur Liebe haben , und erkennen ' s nicht , daß wir den liebenden Genius darum in uns verdrängen . Wo bleibt die Freiheit , wenn die Seele Bedürfnisse hat und sie befriedigt wissen will durch äußere Vermittlung ? - Was ist die Forderung , die wir außer uns machen , anders , als der Beweis eines Mangels in uns ? Und was bewirkt ihre Befriedigung , als nur die Beförderung dieser Schwäche , die Gebundenheit unserer Freiheit in dieser ? Der Genius will , daß die Seele lieber entbehre , als daß sie von der Befriedigung eines Triebes , einer Neigung , eines Bedürfnisses abhänge . Wir alle sollen Könige sein ; und je widerspenstiger , je herrischer der Knecht in uns , je herrlicher wird sich die Herrscherwürde entfalten , je kühner und gewaltiger der Geist , der überwindet . Der Genius , der selbst die Flügel regt , sich in den blauen Äther erhebt und Lichtstrahlen aussendet , der Macht hat , die Seligkeit durch eigne Kräfte zu erzeugen ; wie schön , wenn der sich vor Dir beugt und Dich lieben will , der nicht um Liebe klagt , nicht sie fordert , sondern sie gibt . - Ja , schön und herrlich : übergehen ineinander , in den Lichtsphären des Geistes , in aller Glorie der Freiheit aus eignem , kräftigem Willen . Die Erde liegt im Äther wie im Ei , das Irdische liegt im Himmlischen wie im Mutterschoß , die Liebe ist der Mutterschoß des Geistes . Es gibt keine Weisheit , keine Erkenntnis des Wahren , die mehr will , als die Liebe zu ihr . Jede Wahrheit buhlt um die Gunst des Menschengeistes . Gerechtigkeit gegen alle beurkundet die wahre Liebe zu dem einen . Je allseitiger , je individueller . Nur der Geist kann von Sünden freimachen . Willst Du allein sein mit dem Geliebten , so sei allein mit Dir . Willst Du den Geliebten erwerben , so suche Dich zu finden , zu erwerben in ihm . Du erwirbst , Du hast Dich selbst - wo Du liebst ; wo Du nicht liebst , entbehrst Du Dich . Bist Du allein mit Dir , so bist Du mit dem Genius . Du liebst in dem Geliebten nur den eignen Genius . Gott lieben , ist Gott genießen ; wenn Du das Göttliche anbetest , so gibst Du Deinem Genius ein Gastmahl . Sei immer mit Deinem Genius , so bist Du auf dem graden Weg zum Himmel . Eine Kunst erwerben , heißt dem Genius einen sinnlichen Leib geben . Eine Kunst erworben haben , bedeutet dem Geist nicht mehr Verdienst , als dem Vater eines bedeutenden Kindes . - Die Seele war da , und der Geist hat sie in die sichtbare , fühlbare Welt geboren . Wenn Du einen Gedanken hast , der Dich belehrt , so fühlst Du wohl , es ist Dein liebender Genius , der Dir schmeichelt , der Dir liebkost . Er will Dich bewegen zur Leidenschaft für ihn . Und alle Wahrheit ist Eingebung , und