sich an den gepanzerten Buben , der mit der Hand an einen Sattelriemen des Falben geklammert hing und die Sprünge des Gaules klirrend mitmachte . Doch ehe der hopsende Pfarrer seine Frage stellen konnte , mußte Jul in Erschöpfung den Riemen auslassen und taumelte auf den Moosboden hin . Er blieb eine Weile liegen , mit den Fäusten auf dem Brüstling seines Panzers . Dann erhob er sich und fing im Walde zu rennen an und verlor den Weg . Oder zog ihn der wirre Lärm , der von irgendwo aus der Tiefe des Moorlandes zu ihm herauftönte ? Er sprang immer schneller , seine jungen Glieder schienen die Last des Eisens , das sie beschwerte , nicht zu fühlen . In seinen Zügen war der Ausdruck einer quälenden Angst , in seinen Augen der Blick einer gehetzten Seele . Der Waldsaum . Und ein freier Blick von der Höhe hinunter in das Wiesental , in dem eine wilde Fröhlichkeit das eroberte Lager füllte . Zelte , Karren , Rosse , Kriegsleute und Weiber , alles war klein durcheinandergeschüttelt , wirr und farbig , von Sonne funkelnd und lebendig . Schallendes Gelächter , schreiende Stimmen , johlender Liederklang und grelles Dirnengekreisch - das Bild eines siegreichen Heerhaufens , wie es Jul seit dem Sommer des vergangenen Jahres zu dutzendmalen gesehen hatte . Und dennoch hatte das Bild des Sieges nur ein halbes Gesicht . Es fehlten die verzweifelten Bauern , und man sah keine brennenden Dörfer , weil man im Land der Freunde und Verbündeten war und weil die Ingolstädter an diesem Morgen zum Brennen keine Zeit mehr gefunden hatten . Und noch ein anderes Ding war da drunten , das dem üblichen Bild der Siege nicht gleichen wollte . Auf der Moorstraße und am Rand der Sümpfe waren viele , viele Menschen mit Brettern und Stangen wunderlich beschäftigt . Fischten sie nach Fröschen und Mooskarpfen ? Oder suchten sie nach versunkenen Menschen ? Auf der anderen Seite des Lagers war es wie sonst nach einem Gefecht : viele Pferdeleichen ; eine lange Reihe von Lastträgern ; und immer zwei von ihnen trugen etwas , das einem steifen Pfahl oder einem eingeknickten Sacke glich . In der Seele des Buben schrie die Sorge : » Der Vater ? Malimmes ? Und - « Mit sinnlosen Sprüngen hetzte er über den steilen Hang hinunter . Jäh ein Erstarren des jungen , schlanken Körpers . Und mit vorgestrecktem Hals ein entsetztes Spähen . Weit da draußen im Moor , scharf abgehoben von einem glänzenden Tümpel , stand die zierliche Schwarzgestalt eines Rosses mit dicker Mähne und langem , wehenden Schweif . Wer von Kind auf bei Tieren war , die Tiere liebt und dreimal ein Tier gesehen hat , erkennt es wieder . Ein gellender Schrei . Und in taumelnder Seele eine jagende Bilderflucht : das Hängmoos mit den singenden Fröschen und der Rappe auf einer kleinen , grünen Insel im Sumpf ; eine Feuerstätte mit brüllenden Ochsen und der Rappe , der den buckligen Tod im Sattel trägt ; das Hallturmer Aschenfeld , von dem ein schaudervoller Geruch zum Fuchsenstein herüberweht , und dieser von Asche graugewordene Rappe , auf dem ein aschengrauer Reiter sitzt - - Da draußen steht dieser Rappe . Und wiehert über den Sumpf hinaus - mit leerem Sattel - Und der Reiter , den er getragen ? Wo ist dieser Reiter ? Dieser Reiter ? » Moorle ! « Wie die Schwalbe einen rauschenden Strom überfliegt , so schwimmt dieser klingende Schrei über den Lärm der Tiefe . Und der Gaul da draußen steht wie versteinert , mit gestrecktem Hals . Durch das Gewirr der Leute , die am Ufer des Sumpfes mit Brettern , mit Spießen und langen Stangen fischen - die einen aufgeregt und barmherzig , die anderen roh belustigt , und den Fisch , den sie angeln wollen , nach dem Gewicht seines Lösegeldes schätzend - durch dieses Leutgewirr kämpft sich ein junger Harnischer , stößt andere nieder , schlägt mit den Fäusten zu , wenn der Weg sich sperren will , gewinnt die Moorstraße , jagt an der Böschung hin , späht mit huschenden Augen nach einem Pfad im Sumpfe , und immer wieder klingt seine gellende Mädchenstimme über die von Sonne glitzernden Tümpel : » Moorle - Moorle , ich komm - « Er sieht nicht , daß ein Schwarm von Leuten hinter ihm her ist , hört nicht , was sie schreien , hört auch jene zornige Stimme nicht , die immer die gleiche Silbe brüllt , nur die eine Silbe : » Jul ! Jul ! Jul ! « So schrien einmal auf der Straße vom Hallturm nach Berchtesgaden zwei Stimmen in Zorn und Sorge . Jetzt schreit nur eine , immer die gleiche Silber wieder : » Jul , Jul , Jul ... « Am Hang der Straße jagend , reißt der gepanzerte Bub die stählernen Armkacheln von seinen Schultern , die Platten von den Armen , die Schienen von den Schenkeln . Ein paar Augenblicke unter keuchenden Atemzügen rastend , zerrt er die gespornten Schuhe und die leinenen Lappen von den Füßen . » Moorle , ich komm ! « Und während er leichtfüßig , mit nackten Sohlen von einem Moosbuckel zum anderen springt , manchmal bis übers Knie hinuntertappend , schleudert er das Schwert in den Sumpf , das Dolchgehenk und den Kettenschurz . Manchmal ein Stücklein besseren Bodens , dann wieder das fürchterliche Grau , mit großen , trüben Lachen , mit Watspuren und Moorlöchern . Hat hier ein Roß sich durchgestampft ? Ist dort ein Mensch versunken ? Ein Speer ragt mit der Spitze aus dem Sumpf , dort schwimmt ein roter Mantel in einer Pfütze , hier zittert das trübe Wasser um ein regungsloses Ding , das aussieht wie ein blasses Menschengesicht . Um den Buben herum ist eine Wolke der Moosschnaken . Immer müder und kürzer werden seine Sprünge . Das Eisen , das er noch trägt , ist schwer und zieht