Das ist für Ahriman Mirza . Er hat , auch ohne zu fragen , diese Stelle gewählt , weil seine Schatten und Massaban von jener Seite heranziehen werden . Der Anfang zu der Umzingelung wird also schon heut gemacht . Aber ebenso von heute an sind auch schon unsere nahen und fernen Posten ausgestellt , welche dafür sorgen , daß wir jede feindliche Annäherung rechtzeitig erfahren . Die sämtlichen Dschamikun stehen bereits unter Waffen , wenn sie es auch nicht sehen lassen , die hiesigen wie auch die auswärtigen . Ebenso auch die Kalhuran , mit denen wir verbündet sind . Sie haben bereits ihre besten Reiter und Rennpferde gesandt . Da schau hinab , wie sie schon üben ! Was der Ustad für einen Verteidigungsplan entworfen hat , das weiß ich nicht ; aber er sagte mir , ich solle Marah Durimeh nicht um Hilfe bitten ; wir seien stark genug . Diese Zuversicht ist höchst beruhigend . Ich habe aber trotzdem einen Boten an sie gesandt , und ihre noch nie besiegten , wohlgewappneten Reiter werden zur rechten Zeit erscheinen . Du weißt ja , « fügte sie lächelnd hinzu , » die Seele ist selbst dann noch gern für den Geist besorgt , wenn er meint , seiner Sache vollständig sicher zu sein ! « Eben als sie dies sagte , bemerkten wir eine lebhafte Bewegung , welche sich schnell über den ganzen Duar verbreitete . Die Ursache war ein jetzt aus dem Osten angekommener Reiter , welcher allen , die es hören wollten , eine Neuigkeit verkündete und dann herauf zum hohen Hause lenkte . Als er durch das Tor kam , erkannten wir ihn . Es war der Reitknecht unseres Dschafar Mirza . Er hatte der Hilfe des Schah als Führer gedient und war ihr eine Strecke vorausgeritten , um zu melden , daß hundert Mann der Ghulman-i-Schahi95 im Anzuge seien . Er brachte das Pferd des Hauptmanns mit . Zu gleicher Zeit kam die Gul-i-Schiras mit ihrem Hosstaate auf unserm gestrigen Wege links heraufgeritten , und in kurzem Abstande folgte ihr der Scheik ul Islam mit seinem hochtrabenden weltlichen und geistlichen Stabe . Sie ritten direkt nach den Ruinen , von denen sie Besitz ergriffen , als ob sie da zu Hause seien . Ihre Rennpferde wurden ihnen nachgeführt . Schon nach einigen Minuten schien sich zwischen den beiden Parteien ein Streit über den Platz entspinnen zu wollen , kam aber für dieses Mal nicht ganz zum Ausbruche , weil die Aufmerksamkeit der sich Entzweienden nach Osten abgelenkt wurde , wo jetzt die Leibwache auf der Bildfläche erschien . Diese außerordentlich gut berittenen und bewaffneten , glänzend uniformierten Hundert erregten Verwunderung . Wie kam der Ustad zu der noch nie dagewesenen Auszeichnung , vom Kaiser eine so direkte Unterstützung zu empfangen ? ! Aber diese Verwunderung verwandelte sich wohl gar in Schreck , als hinter dieser Leibkavallerie noch ein Artilleriezug von zwanzig Zambureks96 erschien , dem eine ganze Reihe Bagage und Munition tragender Kameele folgte . Zwanzig Kanonen ! Wenn auch nur so kleine ! Wenn solche Abwehrmittel den Dschamikun zur Verfügung standen , so war es doch wohl nicht so leicht , mit ihnen anzubinden , wie man gedacht hatte ! Und wozu oder warum waren dem Ustad diese Truppen geschickt worden ? Er wußte doch nicht das Geringste von dem geplanten Angriff gegen ihn ! Er sollte doch vollständig überrascht werden ! Sollte er doch vielleicht Etwas erfahren habe ? Aber von wem ? Es galt vorsichtig zu sein ! Vor allen Dingen gegen die eigenen Verbündeten ! Jetzt stieg der Hauptmann hier oben zu Pferde , um hinabzureiten und die zwar kleine , aber kriegerisch gewichtige Schar zu empfangen und seinen Absichten gemäß unterzubringen . Ihre Ankunft hatte auch da draußen bei Ahriman Mirza Aufsehen erregt . Er kam am See herbeigeritten , anscheinend um der Prinzessin seinen ersten Besuch in ihrer neuen Wohnung zu machen , denn er hatte sein Gefolge bei sich , genau dieselben Personen , die am Sonntag voriger Woche drüben am Beith-y-Chodeh mit ihm unser Fest gestört hatten . Das war eine Art von Demonstration , die wir ihm gönnen konnten , da er uns unvorsichtiger Weise durch sie verriet , daß seine Unteranführer bei ihm angekommen seien . Er ritt , ohne im Duar anzuhalten , direkt nach den Ruinen . Als er vor dem Zelte abstieg , kam die Gul heraus , ihn zu begrüßen . Hierbei sah ich sie zum ersten Male . Sie führte ihn hinein . Seine Begleiter blieben im Freien . Nach einiger Zeit ließ man den Scheik ul Islam kommen . Auch er verschwand in dem Zelte . Nun bemerkte ich erst , daß Syrr nicht zu sehen war . Ich fragte Schakara nach ihm , fast beschämt über diese meine Unaufmerksamkeit . Man hatte ihn im Garten untergebracht , damit er von den Zelten da drüben aus nicht gesehen werden könne . Ich bat meine » Seele « , ihn ja gut zu versorgen . Jetzt traten die drei hohen Persönlichkeiten wieder aus dem Zelte und gingen mit einander quer durch die Ruinen , dem Glockenwege zu . » Sie wollen herüber zu uns ! « sagte Schakara . » Das muß ich dem Ustad augenblicklich melden . Unser liebes Haus muß rein von solchem Zuspruch bleiben ! Er wird sie abweisen ! « » So bitte ihn , dies womöglich hier unter meinem Dache zu tun . Ich möchte die Gul kennen lernen und darum gern hören , was und wie sie spricht . « Schakara eilte hinab . Ich beobachtete die Nahenden , doch so , daß sie mich nicht sahen . Die Prinzessin war eine hohe , volle Gestalt . Sie hatte ihre Kleidung überreich mit Schmuck beladen . Einen Schleier trug sie nicht , hatte sich also von der in ihrem Kreise gebotenen , schamhaften Zurückhaltung emanzipiert . Ihr Haar war vorn abgeschnitten und bedeckte die Stirn , ganz nach Art unserer sogenannten Simpelfransen