neben diesem sah ich den Veit Stoß , einen Mann von seltsamster Mischung . Er schnitt aus Holz so holde Marienbilder und Engel und bekleidete sie so lieblich mit Farben , güldenem Haar und Edelsteinen , daß damalige Dichter begeistert seine Werke besangen . Dazu war er ein mäßiger und stiller Mann , der keinen Wein trank und fleißig seiner Arbeit oblag , immer neue fromme Bilder für die Altäre erschaffend . Aber des Nachts machte er eifrig falsche Wertpapiere , um sein Gut zu mehren , und als er ertappt wurde , durchstach man ihm öffentlich mit einem glühenden Eisen beide Wangen . Weit entfernt , von solcher Schmach gebrochen zu werden , erreichte er in aller Gemächlichkeit ein Alter von fünfundneunzig Jahren und schnitt nebenbei Reliefkarten von Landschaften mit Städten , Gebirgen und Flüssen ; auch malte er und stach in Kupfer . Doch als ein ganzer und klassischer Genoß trat nun unter dem schlichten Namen eines Gelb- und Rotgießers Peter Vischer einher mit seinen fünf Söhnen , die Hantierer in glänzendem Erze . Er sah aus mit seinem kräftig gelockten Bart , der runden Filzmütze und seinem Schurzfell wie der wackere Hephästos selber . Sein freundlich großes Auge verkündete , daß es ihm gelang , sich im Sebaldusgrabe ein unvergängliches Denkmal zu setzen , reich an Arbeit vieler Jahre und beschienen vom Abglanz griechischen Lebens , ein Wohnsitz vieler Bildwerke , die im lichten Raume den silbernen Sarg des Heiligen hüten . So wohnte der Meister selbst mit seinen fünf Söhnen samt ihren Weibern und Kindern in einem Hause und derselben Werkstatt , im Glanz neuer Werke . Einer , der mir nicht viel weniger gefiel , war im Zuge der Maurer und Zimmerleute Georg Weber , groß und stark heranschreitend , zu dessen grauem Kleide es einer Unzahl von Ellen Tuches bedurfte . Der war freilich ein Wäldervertilger ; denn mit seinen Werkleuten , die er alle so groß und stark aussuchte , wie er selber war , mit dieser Riesenschaft arbeitete er mächtig in Bäumen und Balken , sinnreich und künstlich , und fand nicht seinesgleichen . Er war jedoch ein trotziger Volksmann und machte im Bauernkrieg den Bauern Geschütze aus grünen Waldbäumen . Er sollte deshalb zu Dinkelsbühl geköpft werden ; allein der Rat von Nürnberg löste ihn wegen seiner Kunst und Nützlichkeit aus und ernannte ihn zum Stadtzimmermeister . Er baute nicht nur schönes und festes Sparren- und Balkenwerk , sondern auch Mühl- und Hebemaschinen und gewaltige lasttragende Wagen und fand für jedes Hindernis , jede Gewichtmasse einen Anschlag unter seiner starken Hirnschale . Bei alledem konnte er weder lesen noch schreiben . So folgten sich , da man eine ganze Zeit zusammenfaßte , Scharen von ausdrucksvollen Gestalten , die alle im Leben gestanden hatten , bis dieser Teil des Zuges mit der Zunft der Maler und Bildhauer und der Erscheinung Albrecht Dürers abschloß . Unmittelbar voran ging ihm der Edelknabe mit dem Wappenschilde , der in blauem Felde drei silberne Schildchen zeigt und von Maximilian dem großen Meister für die ganze Künstlerschaft gegeben worden ist . Dürer selbst schritt zwischen seinem Lehrer Wohlgemuth und Adam Kraft ; die eigenen hellen Ringellocken des Darstellers fielen nach beiden Seiten gleich gescheitelt ganz so auf die breiten , mit Pelz bedeckten Schultern wie im bekannten Selbstbildnis , und mit anmutiger Geschicklichkeit trug der geschmeidige Mann die feierliche Würde , die auf ihm lastete . Nachdem nun , was eine Stadt baut und ziert , vorangegangen , trat gewissermaßen die Stadt selbst auf . Von zwei bärtigen Hellebardieren begleitet , wurde ihr das große Banner vorgetragen . Hoch trug der kecke Fähndrich die wallende Fahne , im üppig geschlitzten Kleide , die linke Faust stattlich in die Seite gestemmt . Alsdann kam der Stadthauptmann , kriegerisch prächtig in Rot und Schwarz gekleidet , mit dem Brustharnisch angetan und den Kopf mit breitem , von Federn wogendem Baretthute bedeckt . Ihm folgten Bürgermeister , Syndikus und Ratsherren , unter ihnen manch ein im weiten Reich angesehener und ersprießlicher Mann , und endlich die festlichen Reihen der Geschlechter . Seide , Gold und Juwelen glänzten hier in schwerem Überfluß . Die kaufmännischen Patrizier , deren Güter auf allen Meeren schwammen , die zugleich in streitbarer Haltung mit dem selbstgegossenen Geschütze die Stadt verteidigten und an den Reichskriegen teilnahmen , übertrafen den mittlern Adel an Pracht und Reichtum wie in Gemeinsinn und sittlicher Würde . Ihre Frauen und Töchter rauschten wie große lebende Blumen einher , einige mit goldenen Netzen und Häubchen um die schöngezöpften Haare , andere mit federwallenden Hüten , diese den Hals mit feinstem Linnen umschlossen , jene die entblößten Schultern mit köstlichem Rauchwerk eingerahmt . Inmitten dieser glänzenden Reihen gingen einige venezianische Herren und Maler , als Gäste gedacht , poetisch in ihre welschen , purpurnen oder schwarzen Mäntel gehüllt . Diese Gestalten lenkten die Phantasie auf die Lagunenstadt und von da in die Weite an alle Küsten des Mittelmeeres . Eine zweite breite Reihe von Trompetern und Paukern , überragt vom Doppelaar , führte endlich schmetternd das Reich heran , mit allem , was es an Tapferkeit und Glanz um den Kaiser zu scharen hatte . Ein Haufen Landsknechte mit seinem robusten Hauptmann gab sogleich ein lebendiges Bild jener Kriegszeit und ihres unruhigen , wilden und sanglustigen Volkstumes . Durch den Wald von achtzehn Schuh langen Spießen , unter dem sie einhermarschierten , sah der innere Blick Berg und Tal , Wälder und Felder , Burgen und Vesten , deutsches und welsches Land sich ausbreiten , nachdem die mauerumschlossene , reichgebaute Stadt sich vorhin kundgetan . Die Schar der Kriegsgesellen , aus dem jungen Volke und einigen älteren Schnapphähnen bestehend , hatte sich so eifrig in Tracht , Sitten und Lieder des geschichtlichen Vorbildes eingelebt , daß von diesem Feste her sich eine eigene Landsknechtkultur in Wort und Bild auftat und die bloßen sonnverbrannten Nacken der Schwartenhälse , ihre zerschnittenen Bauschkleider und kurzen Schwerter noch langehin überall zu sehen waren . Nun wurde es