, den Kopf in die Hand gestützt , schweigend dagesessen hatte , jetzt sich erhob und sagte : Du hast Recht . Es giebt nur das eine Mittel . Ich muß selber hingehen und zwar sogleich . Bruderherz ! rief Timm aufspringend und Oswald mit Heftigkeit umarmend ; das ist das vernünftigste Wort , das Du in Deinem Leben gesprochen hast . Oswald machte sich mit einem Schauder , der dem aufgeregten Timm entging , aus dieser Umarmung los . Laß mich jetzt allein , sagte er , ich bin , wie Du Dir denken kannst , von dieser Unterredung angegriffen . Ich muß mich zu der Scene , die mir bevorsteht , sammeln . Um Himmelswillen , nur keine neuen Bedenken ! rief Timm ; frische Fische , gute Fische ! Ich fürchte , sobald ich Dir den Rücken kehre , fallen Dir tausend Aber ein . Ich gebe Dir mein Wort , daß ich noch in dieser Stunde hingehen werde . Die Papiere läßt Du mir doch hier ? Ich könnte sie der Baronin gegenüber gebrauchen . Albert warf einen mißtrauischen Blick auf Oswald . Er gab die Papiere ungern aus der Hand . Wenn Oswald falsch spielte , wenn - aber es war keine Zeit sich lange zu bedenken . Und in Oswalds Wesen lag ein Etwas , das jeden Widerspruch gewagt erscheinen ließ - eine Entschiedenheit in dem festgeschlossenen blassen Munde , ein düsteres Feuer in den großen Augen - Timm hatte ihn so noch nie gesehen . Es war nicht mehr der alte wankelmüthige Oswald Stein , es war der Sohn Haralds von Grenwitz , der da vor ihm stand . Meinetwegen , sagte er , mache , was Du willst . Ich sehe wohl , daß Du zum Aeußersten entschlossen bist . Aber , Oswald , wenn der große Wurf gelingt , und jetzt zweifle ich nicht mehr , daß er gelingt - vergiß nicht den , der Dir die Würfel in die Hand gedrückt hat . Sei überzeugt , sagte Oswald mit einem unheimlichen Lächeln , daß Du in dieser Angelegenheit , was den materiellen Vortheil betrifft , nicht schlechter fahren sollst , als ich selbst . Albert Timm wollte Oswald noch einmal umarmen . Der indessen machte eine ungeduldig abwehrende Bewegung . Na , ich sehe , sagte Albert ohne alle Empfindlichkeit , Du bist schon mitten in Deiner Rolle . Ich will Dich nicht länger aufhalten . Adieu , Oswald ! mache Deine Sache gut ! es ist jetzt drei Uhr . Ich komme um vier wieder und frage , wie es abgelaufen ist . Adieu so lange ! Oswald ging , als Albert fort war , mit langsamen Schritten im Zimmer auf und ab . Dann trat er vor den Kupferstich und betrachtete ihn lange mit starren Augen . Es ist zu spät , murmelte er ; ich kann ihr Retter nicht werden , kann sie nicht mehr befreien von dem Felsen , an den das Schicksal sie geschmiedet . Aber sehen will ich sie noch einmal und mein Andenken von der Schmach reinigen , die dieser Schurke auf mich gehäuft hat . Sie soll nicht glauben , daß ich mich je unwürdiger Mittel bedienen konnte . Er trat an den Tisch und legte die Papiere zusammen . Dann fing er an , sich zu dem Gange , den er vorhatte , anzukleiden . Er kam nicht schnell damit zu Stande . Seine Glieder waren wie abgestorben ; er mußte sich mehrmals hinsetzen , um einen Anfall von Schwindel vorübergehen zu lassen . Endlich war er fertig . Er steckte die Papiere in die Tasche und verließ das Zimmer . Fünfundvierzigstes Capitel Durch die wenig belebte Straße , in welcher Doctor Braun wohnte , fuhr ein Wagen , dessen rasches Rollen manches neugierige Gesicht an ' s Fenster lockte . Es war eine herrschaftliche , mit zwei wundervollen Pferden bespannte Kutsche , an deren Schlage ein großes Wappen prangte . Auf dem Bock neben dem Kutscher saß ein Jäger in glänzender Livrée . Die Kutsche hielt vor dem Hause des Doctor Braun , der Jäger sprang vom Bock , riß den Schlag auf ; eine junge , sehr elegant gekleidete Dame stieg aus und trat rasch durch den kleinen Garten vor der Thür in ' s Haus . Ist Frau Doctor Braun zu sprechen ? Ich weiß nicht , antwortete das Mädchen , und warf dabei einen scheuen Blick auf den schwarzen Sammetmantel und das reizende weiße Hütchen der Dame : ich will nachsehen . Ist nicht nöthig , sagte Sophie , die plötzlich im Schmuck einer sehr langen Schürze in der Thür der Küche erschien , hier bin ich schon . Liebe Sophie ! Liebe Helene ! Sophie zog die Freundin in die Stube , nestelte ihr mit vor Freude zitternden Händen den Mantel los , nahm ihr den Hut ab , faßte sie an beiden Händen und rief : Nun , laß Dich doch einmal beim Lichte besehen , Du Liebe - schön , wie immer , wunderschön ! aber so blaß und so ernst und angegriffen , wie mir scheint . Kann ich etwas zu Deiner Erquickung thun ? Du siehst , ich habe die Küchenschürze noch um . Helene lächelte . Es war ein schwermuthsvolles Lächeln , das ihre dunklen Augen nur noch dunkler machte . Ich danke Dir , Sophie ! ich wollte mich nur an Deinem Augenblick erquicken . Ach , Du weißt nicht , wie ich mich nach Dir gesehnt habe . Die beiden jungen Damen hatten sich bis zu Sophiens Abreise von Grünwald Sie genannt . Die Freude des Wiedersehens hatte das schwesterliche Du geboren . Sophie dachte daran , als sie das erste Du aus Helenens stolzem Munde hörte . Es rührte sie , und noch mehr der traurige Ton , in welchem Helene sagte , daß sie sich nach ihr so gesehnt habe . Ein solches Geständniß , daß die Pensionärin von Fräulein Bär sicher nicht gemacht hätte , kleidete