bin , wie ich bin , wie soll man anders sein ? Ich tat , was mir oblag , viel verdanke ich auch dem Fräulein und dem alten Herrn Baron , die beide so klug und gebildet sind . Was in den Büchern stand , die ich für mich las , behielt ich , und dann hatte ich jederzeit schon als Kind über alles meine Gedanken , von denen ich gar nicht wußte , woher sie kamen . « » Die werden wohl das Beste an dir getan haben , meine Lisbeth . Wollen wir nun zur schönen Blume gehen ? Mich dünkt , sie blüht nahebei . « Sie nahm seinen Arm , bat ihn aber , nun vernünftig zu sein . Sie gingen durch den Forst , kleine grüne Stege hinab . Sein Herz , ihr Herz war ruhiger geworden , sie genossen sich und ihre Seligkeit gesänftigter ; eine Sabbatstille hatte sich in ihre Busen gesenkt . Von gleichgültigen Dingen sprachen sie , dazwischen von ihrer Zukunft , die wie ein rosenroter Traum vor ihnen schwebte . Sie sagte ihm , er möge nur alles so einrichten , wie ihn gut dünke , wenn er wolle , sei sie die Seinige ; an der Einwilligung ihrer Pfleger zweifle sie nicht . » Ich auch nicht ! « rief er mit unwillkürlichem stolzem Jauchzen . Sie sah ihn fragend und erstaunt an . Er erschrak und suchte sich mit einer übel erfundenen Ausrede zu helfen , die nur ein liebendes Mädchen glauben konnte . Von seinen Verhältnissen wußte sie nichts , sie hatte auch eigentlich nie so recht danach gefragt . War nicht sein Blick treu , seine Rede ehrlich und verständig , der Druck seiner Hand sanft und bieder ? Hieß er nicht Oswald Waldburg ? Was brauchte sie mehr zu wissen ? - Er aber hatte sich einen Streich heute ausersonnen , einen Streich - bei dem Gedanken an das Gelingen dieses Streiches schwindelte ihm der Kopf vor Freude . Er wollte die Wonne genießen , sein Liebstes mit einer Fülle von Glück zu überraschen . An der Senkung des Forstes , da wo er in die Wiesen auslief , begegnete ihnen eine Frau mit einem Korbe voll früher Äpfel . Er kaufte ihr einige ab , » denn « , sagte er , » wir müssen doch an unsere Wirtschaft denken . Wenn wir noch ein Stückchen Brot dazu hätten , so könnten wir eine Herrenmahlzeit halten . « - » Damit will ich Ihnen dienen « , sagte die Frau , » ich habe Weißbrot aus der Stadt mitgenommen , um es in den Kotten umher zu verkaufen , wenn Sie mir aber etwas abnehmen , brauche ich es nicht weiter zu tragen . « Sie öffnete ein weißes Tuch , welches sie nebst dem Korbe trug und er nahm zwei Brötchen heraus . Nun gingen sie quer durch die Wiesen und nicht lange , so sahen sie ihren lieben Platz , den sie seit dem ersten Zusammentreffen noch nicht wieder besucht hatten . Als sie die Büsche erblickten , die kleinen Felsen und die schwarzen Baumtrümmer , freuten sie sich wie die Kinder . Ihr erster Gang war nach der Blume . Die war aber inzwischen verwelkt und die roten Kelche hingen blaß und erschöpft vom Stengel herunter . Lisbeth seufzte , er aber sagte : » Die Blume starb , die Liebe lebte auf , geben wir der Blume ein Grab im Heiligtume der Liebe ! « Er streifte die Kelche vom Stengel , pflückte das Blatt einer wilden Lilie , bereitete daraus ein Röllchen , steckte das Verwelkte hinein und reichte Lisbeth den kleinen grünen Sarg . Sie sah ihn , eine Träne im Auge , an , dann schob sie ihn unter ihr Tuch und bestattet ihn an ihrem Busen . Es war zwischen Nachmittag und Abend und das Wasser unter den kleinen Felsen schickte berauschenden Duft empor . » Nun wollen wir speisen wie die Könige ! « rief er fröhlich . » Bist du hungrig ? « - » Ei ja « , versetzte sie lachend , » es ist nicht wahr , daß die Liebe von der Luft lebt . « - » Höre , mein Herz « , sagte er , » da hast du eine kühne Wahrheit ausgesprochen , wirst es aber mit allen Romanschreibern zu tun bekommen . Im Vertrauen : Mich hungert auch ! « - » Es ist doch ein Unterschied « , sagte sie lächelnd . Sie nahm jetzt seinen Ohrzipfel , wie er früher ihren , legte die Lippen an sein Ohr und flüsterte : » Man hungert wohl , aber der Hunger tut nicht so weh . « Sie wollte sich auf einen Baumtrumm ihm gegenüber setzen , er zog sie auf seinen Schoß . Sie aß aus seiner Hand , und er aß aus ihrer , und so vollbrachten sie ihr kleines Mahl von Brot und Äpfeln . Dann setzten sie sich unter einen Haselstrauch am Bache und sahen den klaren Wellchen zu und den Fischlein , die darin hin und her scherzten . » Du könntest mir jetzt einen Gefallen tun und mir dein Waldmärchen erzählen , wovon du mir schon öfter sprachest « , sagte sie . » Ach ! « rief er , » haben wir nichts Besseres zu tun , als erzählen und vorlesen ? « Er wollte sie umarmen , sie entzog sich ihm aber , legte einen Zweig von der Haselstaude zwischen ihn und sie und sagte : » Da bleib jenseits sitzen und erzähle , zum Küssen haben wir immer noch Zeit genug . « Er zog die Blätter und Blättchen , auf welche er das Märchen geschrieben hatte , und die er zufällig bei sich trug , aus der Tasche , las und erzählte frei , wechselsweise . Wenn er ein Blatt zu Ende gelesen hatte , so warf er es in den Bach , da trugen es die Wellen