Leben zuließ , noch eine muthige Anstrengung für die Wiedererlangung des gestörten Friedens . Wohl wußte die erhabene , also geprüfte Familie , daß England den Kummer theile und über die Beleidigung murre , die jeden edeln Mann in Bezug auf die schimpfliche Behandlung des Grafen Bristol zu betreffen schien . Aber es sind nicht alle Gemüther gestimmt , in der Theilnahme der Menge Trost finden zu können . Graf Bristol war am Ende eines glücklichen und ruhmvollen Lebens nicht vorbereitet , es so traurig zu beschließen , und das stolze Herz seiner Tochter widerstand dem Unglück mit ergebungslosem Unwillen . Lord Bristol war vom Hofe und aus London verwiesen . Der Stolz , womit er das Parlament zum Schiedsrichter zwischen seinem Ankläger und sich gestellt wissen wollte , war eine Herausforderung zu gefährlicher Art für Buckingham , als daß er nicht eine Verweisung vom Könige erpressen sollte , um alle Anstrengungen mit einem Male zu vernichten , die von Seiten der mächtigen Familie des Grafen gemacht wurden , um ihn glänzend zu rechtfertigen . Machtlos stand Lord Bristol vor diesem harten Gebot . Das Antlitz seines Königs war ihm entzogen ; der Prinz von Wales , wie es schien , theilte die Meinung des verwegenen Herzogs ; zu widerstehen war der Gewalt nicht ; der Graf mußte vor den Thoren von London umwenden und in der Verbannung sich für begünstigt halten , daß man das Schloß der Herzogin von Nottingham als Zufluchtsort anzusehn , ihm verstattete . Was ihm von hier aus zu thun möglich war , beschränkte sich darauf , die Wirksamkeit des Grafen Archimbald und des Lord Richmond durch Alles zu unterhalten , was ihm zu seiner Rechtfertigung an Beweisen zu Gebote stand ; doch der Widerstand und die gesetzwidrigen Hindernisse , welche diese auf allen Wegen von Buckinghams Kreaturen aufgestellt fanden , machte ihr Streben zu dem erfolglosen Geschäft der Danaiden und setzte ihre eigene , stets behauptete achtungsvolle Stellung allgemach herab . Ihre offenen Bemühungen hatten zuerst das Mißfallen des Hofes zur Folge , welcher sich nicht an eine Sache erinnert sehen wollte , die nicht zu rechtfertigen war , und in Ansehung der betreffenden ausgezeichneten Person nicht in der Stille sich beseitigen ließ . Die Minister des Königs , obwol von der Unschuld des Grafen überzeugt , hatten Buckinghams Willen gegenüber keinen Einfluß auf den König , und Lord Salisbury hatte mit engherziger Strenge sich von jeder Theilnahme an seiner Familie ausgeschlossen , sobald sie gegen den einmal ausgesprochenen königlichen Willen lief . So geschah es , daß der Mann , der noch vor Kurzem im Mittelpunkte der Gnade zweier großen Höfe , von den Freundschafts- und Gnadenbezeigungen der spanischen und englischen Majestäten überhäuft , und im Begriff gewesen war , eine glänzende Allianz für sein Vaterland durch die heiligsten Bande zu befestigen , und sich den Segen und den Dank seines Königs und seines Vaterlandes zu verdienen - jetzt , durch die beispiellose Unverschämtheit eines ungeschickten und leichtsinnigen Thoren , sich zum Spielball der boshaften Willkür desselben herabgesetzt sah , angeklagt treulosen Verraths des königlichen Vertrauens , angeklagt öffentlich und laut vor ganz England , vor ganz Europa , und durch den grausamsten Machtspruch zur Verbannung und zu einem Schweigen verdammt , das diesen geachteten Namen zu einem Gegenstande des Zweifels machte . Bis zu dem Augenblicke waren alle Bemühungen seiner Freunde , ihm Gelegenheit zur Rechtfertigung auszuwirken , vergeblich gewesen . Ihre Bitten erreichten Jakobs wohlverwahrtes Ohr nicht mehr . Der Prinz zeigte eine Kälte dagegen , die den besorgten Freunden des Vaterlandes die Wahrheit zu bestätigen schien , es habe der Karakter des Prinzen nach der Rückkehr aus Spanien eine traurige Umänderung erlitten , die man dem entschieden hervorgetretenen Einflusse Buckinghams zuzurechnen , sich für berechtigt hielt . Der König von Spanien , Bristols unermüdlicher Freund und Bewunderer , hatte , trotz der feindlichen Stellung , die beide Länder jetzt gegeneinander annahmen , seine gerechte Empfindlichkeit überwunden , und in einem eigenhändigen Schreiben an Jakob seinen Liebling vertheidigt und den König für ihn zu gewinnen gesucht . Jakob hatte diesen Brief nie erhalten , und dem großmüthigen Philipp ward angedeutet , daß seine Vorliebe dem Grafen eben nicht zum Besten gereiche , da er gerade verklagt sei , der katholischen Majestät zu vortheilhaft gesinnt gewesen zu sein . Ein gleiches Schicksal hatte Lord Bristols erhabene Freundin , die edle und unglückliche Pfalzgräfin Elisabeth , die Tochter Jakobs , die , aus dem Besitzthum ihres Gemahls vertrieben , in trostloser Verlassenheit , jetzt auch der Hoffnung beraubt war , nachdem mit Bristols Sturz der spanische Einfluß auf ihr Schicksal verloren gegangen , von dem sie ihr gesunkenes Glück wieder aufgerichtet zu sehen hoffte . Vergeblich sagte man ihr , daß Frankreich die Rolle Spaniens ersetzen , daß sie bei dieser politischen Umwälzung nichts verlieren würde ; ihr Langmuth war erschöpft , und die Verzweiflung gab ihrer Sprache die ungeschminkte Färbung der Wahrheit . Die dringenden Briefe dieses Inhalts an ihren Vater , die stets von heftigen Ausbrüchen gegen Buckingham und von Betheuerungen für Bristols Unschuld erfüllt waren , wurden nicht unterdrückt , sondern Buckingham weidete sich daran , wie sie selbst den Zweck zerstörten , den sie erreichen sollten . Jakob hatte die unglückliche Verbindung stets als eine Plage betrachtet , wovon sein ängstlich bewachtes Friedenssystem bedroht und seine stets sparsam gefüllten Kassen zum Oeftern geplündert wurden , und wenn er seiner Tochter diese beiden Belästigungen bisher verziehen hatte , geschah es immer nur in so fern , als das Unheil eines Krieges noch wirklich abgewendet worden war . In dem Augenblicke , wo seine sinkenden Lebenskräfte ihn herzloser und übellauniger , als je , machten , erbitterte ihn die Vorstellung , dem Kriege mit Spanien nicht mehr entgehen zu können , so heftig , daß er , getäuscht über die wahren Urheber desselben , sich durch die Vertheidigung Bristols , der ihm als ein solcher vorgespiegelt worden , wahrhaftig empört fühlte ; zumal , da diese Vertheidigung von einer Prinzessin ausging