seinesgleichen bin ! Armes Tier , du und ich sind getrennt von unsersgleichen , wir sind beide einsam , und wir teilen dies Gefühl der Einsamkeit ; o wie oft hab ich für dich in den Wald gedacht , wo du lang auslaufen konntest , und nicht ewig in die Runde , wie hier in deinem Verschlag ; dort liefst du doch deines Weges immerzu und konntest mit jedem Schritte hoffen , endlich einen Gefährten zu treffen , hier aber war deines Ziels kein Ende , und doch war alle Hoffnung abgeschnitten . Armes Tier ! Wie schaudert mich dein Geschick , und wie nah verwandt mag es dem meinen sein ! Ich auch lauf in die Runde , da oben seh ich die Sterne schimmern , aber sie halten alle fest , keiner senkt sich herab , und von hier aus ist es so weit bis zu ihnen , und was sich lieben lassen will , das soll mir nah kommen ; aber so war ' s mir in der Wiege gesungen , daß ich mußte einen Stern lieben , und der Stern blieb mir fern ; lange Zeit hab ich nach ihm gestrebt , und meine Sinne waren aufgegangen in diesem Streben , so daß ich nichts sah , nichts hörte und auch nichts dachte als nur meinen Stern , der sich nicht vom Firmament losreißen werde , um sich mir zu neigen . - Mir träumt , der Stern senkt sich tiefer und tiefer , schon kann ich sein Antlitz erkennen , sein Strahlen wird zum Auge , es sieht mich an , und meine Augen spiegeln sich in ihm . Sein Glanz umbreitet mich , von allem auf Erden , soweit ich denken kann , soweit mich meine Sinne tragen , bin ich getrennt durch meinen Stern . * * * Nichts hab ich zu verlieren , nichts hab ich zu gewinnen , zwischen mir und jedem Gewinn schwebst Du , der , göttlich strahlend im Geist , alles Glück überbietet ; zwischen mir und jedem Verlust bist Du , der sich mir menschlich herabneigt . Ich verstehe nur das Eine , an Deinem Busen die Zeit zu verträumen ; - ich verstehe nicht Deiner Schwingen Bewegung , die Dich in den Äther tragen , droben in schwindelnder Höhe über mir , im ewigen Blau Dich schwebend erhalten . * * * Mich und die Welt umkleidet Dein Glanz , Dein Licht ist Traumlicht der höheren Welt , wir atmen ihre Luft , wir erwachen im Duft der Erinnerung ; ja sie duftet uns , sie hebt uns und trägt unser schwankendes Los auf ihren spiegelnden Fluten der Götter allumfassenden Armen entgegen . Du aber hast ' s mir in der Wiege gesungen , daß ich Deinem Gesang , der in Träumen mich wiegt über das Los meiner Tage , träumend auch lausche bis ans End meiner Tage . * * * Einmal schon , im Kloster , hatten mich die Geister bewogen , mich ihnen zu gesellen , in den hellen Mondnächten lockten sie mich ; ich durchwanderte wunderliche dunkle Gänge , in denen ich die Wasser rauschen hörte , ich folgte beklemmt , bis zum Springbrunnen kam ich ; der Mond schien in sein bewegtes Wasser und gewandete die Geister , die auf seinem wogenden Spiegel sich mir zeigten , in Silberglanz ; - sie kamen , sie bedeuteten mein fragendes Herz und verschwanden wieder , es kamen andere , sie legten Geheimnisse auf meine Zunge , berührten alle Lebenskeime in meiner Brust , bezeichneten mich mit ihrem Siegel , sie verhüllten meinen Willen , meine Neigungen und die Kraft , die von ihnen auf mich ausgegangen war . Wie war das ? - Wie berieten sie mich ? - Durch welche Sprache gab sich ihre Lehre kund ? - Und wie soll ich Dir darlegen , daß es so war ? - Und was sie mir lehrten ? - Die Mondnacht deckte mich im süßen , tiefen Kindesschlaf , dann trat sie aus sich selbst hervor und berührte mich an meinen Augen , daß sie ihrem Licht erwachten , und senkte sich mit magnetischer Gewalt in meine Brust , daß ich alle Furcht bezwang , auf Wegen , die nicht geheuer waren , forteilte in tiefer , regungsloser Nacht , bis ich zum Springbrunnen kam zwischen Blumenbeeten , wo jede Blume , jedes Kraut in täuschender Dämmerung ein Traumgesicht ausdrückte , wo sie buhlten und stritten mit der Phantasie . Dort stand ich und sah , wie der von den Lüften bewegte Wasserstrahl hinüber und herüber schwankte , und wie die Mondstrahlen das bewegte Wasser durchwebten , und wie der Blitz mit zingelnder Eile silberne Hieroglyphen in die wogenden Kreise schrieb ; da kniete ich in den feuchten Sand und beugte mich über dies schwindelnde Lichtweben und lauschte mit allen Sinnen , und mein Herz hielt still , und ich nahm es an , als ob mir diese schwindenden Strahlenzüge etwas hinschrieben , und mein Herz war freudig , als ob ich sie verstanden hätte , daß ihr Inhalt mir Glück andeute ; ich ging zurück durch die langen , dunklen , labyrinthischen Gänge , vorüber an Bildern von wunderlichen Heiligen in gelassener Ruhe , bis zu meinem Bettchen , das im Erker am Fenster eingeklemmt war , da öffnete ich leise das Fenster dem Mondlicht und ließ es meine Brust anstrahlen ; - ja , mich umarmte in jenen glücklichen , glückbringenden Momenten ein freudegeistiges Gefühl , groß , allumfassend ; es umarmte von außen mein Herz , mein Herz fühlte sich umfaßt von einer liebenden Gewalt , der es sich anschmiegte im Schlummer , der von dieser Gewalt aus über mich kam . Wie soll ich diese Gewalt nennen ? - Lebensgeist ? - Ich weiß es nicht , - ich weiß nicht , was ich erfahren hatte , aber ein Begegnis war es mir , ein wichtiges Ereignis , und ich war im Herzen als wie der Keim , der