und einen Topf mit heißem Wasser brudeln ließ , da kam ihr Töchterlein traurig zur Küche , und sprach : Ach Mutter mein ! Vor der Thüre sitzt das Brüderlein und sieht aus wie der Schnee , und ißt nicht seinen Apfel und antwortet nicht , ob ich ihn gleich gebeten ; mir von dem Apfel zu geben . - Ei , sagt die Mutter , wenn der böse Bube nicht reden will , so ziehe ihn an den Ohren . Lenchen ging hin , und that wie ihr die Mutter geheißen , und da lag der Bruder todt zur Erde . Da hat nun das arme Mägdlein geschrien und geweint , und die Mutter hat gesprochen : Ach , Lene , Lene , was hast Du gethan . Komm , daß wir ' s dem Vater verbergen ! Und sie hackte den Jungen in Stücken , und steckte diese in den Topf mit Wasser und kochte sie zum Imbiß ; Lenchen stand aber dabei , und weinte , und weinte , daß alle Thränen in den Topf fielen , und das Gericht brauchte weiter kein Salz . « - » Aber , Fräulein ! « sprach hier Frau Else : » welch schreckliche Mähr erzählt Ihr uns da ? Gott vergebe der bösen Stiefmutter ! « » Und es ist doch nur ' ne Stiefmutter ; « entgegnete Petronella mit häßlichem Lächeln , » und manche wahre und echte Mutter hat also gethan an ihrem Kinde « - Else schlug ein Kreuz ; Veit wollte sich todt lachen über die Schnurren , die seine Base auftischte ; Wallrade war jedoch ganz still , und sah ernst vor sich . Die Leuenbergerin nahm dafür den Faden wieder auf , und erzählte : » Wie nun der Vater kam aus dem Wald , und warf die Art weg und setzte sich zum Tisch , so fragte er : Wo ist denn der Bube ? - Zuerst antwortete die Mutter nicht , und trug das Essen auf ; du jedoch Lenchen die Zähren nicht verbergen konnte , so fragte der Vater wieder : Weib , wo ist denn der Bube , mein Sohn ? - Über Land ist er gegangen , antwortete ihm die Frau hierauf , als ob sie kein Wasser getrübt hätte : er will beim Großohm verweilen sechs Wochen lang und ich habe ihm ' s nicht versagen mögen . - Ach , was ist doch dem Buben eingefallen ? versetzte hierauf der Vater gar wehmüthig : Wie konnte er doch fortgehen , ohne mir gesagt zu haben : Leb ' wohl Vater , und bleib ' gesund ? - Der gute Mann wurde recht wehmüthig , und wollte nichts genießen ; da er aber den ersten Bissen der Gräßlichen Speise gekostet , wurden ihm Augen und Mund weit , und er aß und aß , und aß ganz allein , und ließ keinem Menschen einen Bissen übrig , und vom ganzen Gerichte nur die Beinlein , die das kleine Lenchen in ein seiden Stück wickelte , verstohlen , daß es die Mutter nicht sah , und damit von dannen ging , unter den Mandelbaum , wo sie des Bruders Überreste niederlegte in ' s grüne Gras , und sie befeuchtete mit blutigen Thränen . Da geschah es aber mit einemmale , daß der Mandelbaum begunnte sich zu bewegen , und der Wipfel nickte freundlich , während dessen die Zweige auseinander rauschten , und wieder zusammenschlugen , wie fröhliche Leute mit ihren Händen zu thun pflegen , und die Wurzeln hüpften hüpften und zuckten , wie die Füße eines tanzlustigen Gesellen . Und dabei ging eine Nebelwolke aus von dem Baume und in der Wolke brannte ein schönes rothes Fetter , und aus dem Feuer flog so ein schöner Vogel heraus , wie er nimmer gesehen wird in deutschen Landen ; der sang lieblich und wohlgemuth und flog in die hohe Luft . Unter dem Mandelbaume war jedoch alles wie zuvor , und das Gras spielte im Winde , die Blätter regten sich leise , aber des Brüderleins Gebeine waren verschwunden , wie das seidne Stück , so daß Lenchen ' s Herz weit wurde , wie das eines Glücklichen , und sie sich nicht anders vorstellen konnte , als daß lieb Brüderlein noch lebe . Worauf sie vergnügt nach Hause ging . Der bunte Vogel setzte sich inzwischen auf eines Goldschmids Haus , und sang vernehmlich : Die Mutter hat mich erschlagen , - Verzehrt hat mich des Vaters Mund , - Mein Schwesterlein thät mich begraben , - Beim Mandelbaum im kühlen Grund ! Kywitt ! kywitt ! welch ein schöner Vogel bin ich ! - Meister Goldschmid saß gerade in der Werkstatt und fertigte eine goldne Kette . Der Gesang des fremden Vogels auf seinem Dach gefiel ihm über die Maßen , und er lief , ob er gleich Schuh ' und Schurzfell in der Eile verlor , auf die Straße , wo die Sonne so hell schien , wie das goldne Geschmeide in seiner Hand . - Ach Vögelein ! rief , der kunstreiche Mann : wie singst Du doch so schön ! Wiederhole die Weise noch einmal . Der Vogel kratzte sich darauf schelmisch am Kopf , und er wiederte : Gibst Du mir die goldne Kette in Deiner Hand , so singe ich noch einmal . Umsonst thu ' ich ' s jedoch nicht . Der Goldschmid reckte ihm hierauf die Kette dar vom reinsten Golde , und der Vogel packte sie in die Kralle , und setzte sich vor dem Goldschmid nieder und sang : Die Mutter hat mich erschlagen , - Verzehrt hat mich des Vaters Mund , - Lieb Schwesterlein thät mich begraben , - Beim Mandelbaum im kühlen Grund ! Kywitt ! kywitt ! welch ein schöner Vogel bin ich ! « - » Traun ! « schaltete hier der Leuenberger ein : » man kann nicht leichter zu goldnen Ketten kommen . « - » Unterbrecht doch die