erwählt , Und sie beschenkt ihn mit dem Kranze , Er hat die Küsse nicht gezählt . Da sind die Brüder zugetreten Und seine Eltern allzugleich , Die alle haben ihn gebeten , Daß er doch von dem Feste weich . Da hat er trotzig ausgerufen : » Ich will auch einmal lustig sein , Und morgen bring ich wieder Stufen Und heute geh ich auf das Frein ! « Da hat er einen Ring genommen , Vom Gold , wie es noch keiner fand , Den hat die Jungfrau angenommen , Als er ihn steckt an ihre Hand , Dann sitzt er froh mit ihr zum Weine , Hat manches Glas hinein gestürzt ; Spät schwankt er fort und ganz alleine , Manch liebreich Bild die Zeit verkürzt . Die Lieb ist aus , das Haus geschlossen Im Schacht der reichen Königin ; Er hat die Türe eingestoßen Und steigt so nach Gewohnheit hin . Die Eifersücht ' ge hört ihn rufen , Sie leuchtet nicht , er stürzt herab , Er fand zur Kammer nicht die Stufen , So findet er nun dort sein Grab . Nun seufzt sie , wie er schön gewesen , Und legt ihn in ein Grab von Gold , Das ihn bewahrt vor dem Verwesen , Das ist ihr letzter Minnesold . Die Eltern haben ihn vergessen , Da er nicht kommt zum Licht zurück , Und andre Kinder unterdessen Erwühlen neu der Erde Glück , Und bringen andre schöne Gaben , An Silber , Kupfer , Eisen , Blei , Doch mit dem Gold , was er gegraben , Damit scheint es nun ganz vorbei . Die Jungfrau lebet nur in Tränen , Die Liebe nimmt der Hoffnung Lauf Und meint in ihrer Hoffnung Wähnen , Ihr steh das Glück noch einmal auf . Glück auf ! nach funfzig sauren Jahren Ein kühner Durchschlag wird gemacht , Die Kön ' gin kämpfet mit den Scharen Und hat gar viele umgebracht . Sie hat gestellt viel böse Wetter , Die um des Lieblings Grabmal stehn , Doch Klugheit wird der Kühnen Retter , Sie lassen die Maschinen gehn ; Da haben sie den Knaben funden In kalten Händen kaltes Gold , So hat er sterbend noch umwunden Die Königin , die ihm einst hold . Zur Luft ihn tragend alle fragen , » Weiß keiner , wer der Knabe war , Ein schöner Bursche , zum Beklagen , Gar viele rafft hinweg das Jahr , Doch keiner je so wohl erhalten Kam aus der Erde Schoß zurück , Denn selbst die flüchtigen Farben walten Noch auf der Wangen frohem Glück ; Es sind noch weich die starken Sehnen , Es zeigt die Tracht auf alte Zeit , Er kostete wohl viele Tränen , Jetzt kennt ihn keiner weit und breit . « Die Jungfrau war tief alt geworden , Seit jenem Fest , wo sie ihn sah , Spät trat sie in den Nonnenorden Und geht vorbei und ist ihm nah ; Sie kommt gar mühsam hergegangen , Gestützt auf einem Krückenstab , Ein Traum hielt sie die Nacht umfangen , Daß sie den Bräut ' gam wieder hab . Sie sieht ihn da mit frischen Wangen , Als schliefe er nach schöner Lust , Gern weckte sie ihn mit Verlangen , Hier stürzt sie auf die stille Brust . Da fühlt sie nicht das Herz mehr schlagen , Die Männer sehn verwundert zu : » Was will die Hexe mit dem Knaben , Sie sollt ihm gönnen seine Ruh . Das wär doch gar ein schlimm Erwachen , Wenn er erwachte , frisch gesund , Und sie ihn wollte froh anlachen Und hätte keinen Zahn im Mund . « Jetzt schauet sie sein hart Erstarren , An dieser neuen Himmelsluft , Die Farbe will nicht länger harren , Die treu bewahrt der Kön ' gin Gruft . Hier ist die Jugend , dort die Liebe , Doch sind sie beide nicht vereint , Die schöne Jugend scheint so müde , Die alte Liebe trostlos weint . Was hülf es ihr , wenn er nun lebte , Und wäre nun ein alter Greis , Ihr Herz wohl nicht mehr zu ihm strebte , Wie jetzt zu dieses Toten Preis . Wie eine Statue er da scheinet Von einem lang vergeßnen Gott , Die Alte treu im Dienst erscheinet Und ist der jungen Welt zum Spott . Es mag der Fürst sie nimmer scheiden , Er schenket ihr den Leichnam mild , Verlaßne möchten ihr wohl neiden Ein also gleich und ähnlich Bild . Da sitzet sie nun vor dem Bilde , Die Hände sanft gefalten sind , Und sieht es an und lächelt milde , Und spricht : » Du liebes , liebes Kind , Kaum haben solche alte Frauen , Wie ich noch solche Kinder schön , Als meinen Enkel muß ich schauen , Den ich als Bräut ' gam einst gesehn . « Der Minister bezeigte bei dieser Erzählung eine ihm ungewöhnliche Rührung ; seine Gesellschafter befragten ihn um den Grund , er gab ihnen ganz unbestimmte Antworten . Endlich redete der Kammerjunker zu der Dichterin ganz leise ; sie aber schüttelte mit dem Kopfe und sagte : » Es geht nicht . « - » Frei heraus « , rief der Minister , » ich denke , wir sind auf der Reise genugsam mit einander bekannt geworden , um die Scheu alter Verhältnisse aufzugeben ; ein Reisewagen muß allmählich zu einem Körper alle Reisenden verbinden , so daß jeder seine gemäßen Funktionen verrichtet ; ich will wetten , Ihr habt einmal irgend einen Scherz auf mich gemacht . « - » Da Sie es erraten « , antwortete die Dichterin , » so kann ich es Ihnen nicht verschweigen , liebwerter Landesvater : es ist ein kleines Gedankenspiel , was ich nach allerlei Gerüchten über Ihr Verhältnis zur Fürstin freilich unter veränderten Nebenumständen , und selbst mit mancher Verwandlung , die mir in der Arbeit gut dünkte , damals darstellte