bezeugen auffordere , ob nicht der unterdrückte Rest noch unschicklichere Angriffe enthalten habe und aus gleichen Gründen von ihm wie von mir unterschlagen worden ist . Darauf wurde der Roman an Hrn . von Trattner in Wien geschickt , weil man dahin , sagte Vult , nur halb frankieren dürfe . » Ich danke Gott , sobald ich nur hoffen kann « , sagte Walt . Die neue Arbeit wurde der alten mit beigelegt . Der Buchhändler blieb dabei , daß er jede Woche nicht mehr als einen Korrektur- Bogen zuschickte und folglich dieses Erbamt des Korrektorats ungewöhnlich ausdehnte . Der Notarius beging jede Woche zwar nicht neue Korrektorats-Fehler , aber unzählige ; nur über den Buchstaben W keine , weil sein Wohl und Weh , Wina , damit anfing . Tot-öde wäre das Doppel-Leben der Brüder ausgefallen ohne die Liebe , welche den Baugefangenen der Not die höchsten Luftschlösser erbauen läßt , welches so viel ist , als sie bewohnen ! Nichts erträgt die Jugend leichter als Armut ( so wie das Alter nichts leichter als Reichtum ) ; denn irgendeine Liebe - sie meine ein Herz oder eine Wissenschaft - erhellet ihre dunkle Gegenwart künstlich und lässet sie im künstlichen Tage so freudig sein , als sei es ein wahrer , wie Vögel vor dem Nachtlicht fortschlagen , weil sie es für einen Tag ansehen . Vult war nun entschlossen , in der Neujahrs-Nacht auf Winas Herz seine feindliche Landung - mit der Flöte in der Hand - zu machen . Hoffnungen hatt ' er - da aus Gemeinschaft der Arbeit leicht die des Herzens wird und aus dem Faktor der Handelswitwe leicht ihr Mann - genug : » Wenn ein Paar durch das Ausführen eines zweistimmigen Satzes nicht einstimmig werden : so irr ' ich mich sehr « , sagt ' er . Walt hingegen entwarf keinen andern Eroberungsplan als den , Wina verstohlen anzuschauen - vor Freude zu weinen - ja heranzurücken mit sich - und , wenn Gott ihm Finsternis oder sonst Gelegenheit bescherte , im Saus und Braus der Wonne ihre Hand zu küssen und gewiß irgend etwas zu sagen . Bis dahin sagte er ihr noch mehr , aber gedruckt auf Taffent und feinstem Papier . Da er nämlich durch seinen poetischen Anteil an der Haßlauer Zeitung das Vertrauen des Herausgebers so sehr gewonnen hatte , daß dieser von ihm die ganze Lieferung gedichteter Neujahrswünsche , eines beträchtlichen Handels-Artikels des Mannes , sich verschrieben , so legte er in die Blätter , die für Mädchen verkauft wurden , unzählige Phönix- , Paradiesvögel-und Nachtigallen- Eier zum Wünschen nieder , welche das Schicksal später ausbrüten sollte ; nämlich es gab mit anderen Worten wenig Freudenkränze , Freudenmonde , Freudensonnen , Freudenhimmel , Freudenewigkeiten , welche er auf dem Taffent nicht den verschiedenen Mädchen wünschte , bloß in der Hoffnung , daß unter so vielen Wünschen wenigstens einer von so vielen Freundinnen Winas werde gekauft werden , für diese . » O wohl zehn ! « sagt ' er . So kam Weihnachten heran und ging vorüber , ohne daß aus der Asche der Kindheit die gewöhnlichen schillernden Phönixe aufstiegen - da die Neujahrs-Nacht ihnen zu nahe vorglänzte - , und diese brach endlich mit ihrer Abend-Aurora an , die noch dem alten Jahre gehörte . Noch abends beim Schimmer des Hesperus oder sonst eines Sterns verflucht ' es Vult von neuem , daß er nichts weiter hatte als die schönste Gelegenheit , aber kein Geld , nachts den galantesten Mann von Welt bei den Jungfrauen zu spielen : » Ich wollte , ich wäre wie schlechtere Musici mit dem Bettelorden der Neujahrsfahrer umhergeschifft und hätte wenigstens mir soviel erbettelt , um den Reichen zu machen « , sagt ' er . Sobald Engelberta ihn auf 4 Uhr morgens in die große gelbe Stube mit dem Bewußten bestellte : so ging er nachts mit Walt freudeglühend in das Weinhaus , wo er als ein alter Hausfreund den Tag vorher ( es kostete ihm bloß seine feinen Beinkleider-Schnallen ) Champagner-Wein ohne Kork aufs Eis setzen lassen , um , wie er sagte , die Ruinen ihres Hunds-Lebens ein wenig auszutapezieren . Walt nahm sich eine halbe Stunde Zeit , um zu begreifen , daß dem offenen Weine kein Weingeist verrauchet sei . Dann trank - allen Nachrichten zufolge , die man hat - jeder ; doch so , daß beide einander als positive und negative Wolken entladend entgegenblitzten , Walt mehr mit scherzhaften Einfällen , Vult mit ernsten . In einer Blumenlese aus ihrem Gespräche würden die Farben so bunt nebeneinander kommen , als hier zur Probe folgt : » Der Mensch hat zum Guten im Leben so wenig Zeit als ein Perlenfischer zum Perlen-Aufgreifen , etwa zwei Minuten . - Manche Staatseinrichtungen zünden ein Schadenfeuer an , um die eingefrornen Wasserspritzen aufzutauen , damit sie es löschen . - Man steigt den grünen Berg des Lebens hinauf , um oben auf dem Eisberge zu sterben . - Jeder bleibt wenigstens in einer Sache wider Willen Original , in der Weise zu niesen . - Winckelmann verdient Suworows Ehrennamen Italiskoi . - Heimlich glauben die meisten , Gott existiere bloß , damit sie erschaffen wurden ; und die durch den Äther ausgestreckte Welten-Partie sei die Erdzunge ihres Dunst-Meers , oder ihre Erde sei die Himmelszunge . - Jeder ist dem andern zugleich Sonne und Sonnenblume , er wird gewendet und wendet . - Viele Witzköpfe an einer Tafel , heißt das nicht mehrere herrliche Weine in ein Glas zusammengießen ? - Kann eine Sonne mit andern Kugeln als Welt-Kugeln beschossen werden ? - Sterben heißt sich selber durch Schnarchen wecken . « Und so weiter ; denn im Verfolge war viel weniger Zusammenhang und mehr Feuer . So schlug endlich die Totenglocke des Jahrs ; und der unsichtbare Neumond des neuen schrieb sich bald mit einer Silber-Linie in den Himmel ein . Als die Gläser endlich geleert waren wie das Jahr : so lustwandelten beide auf der