und mit ihm der gefürchtete Gänsepfuhl 30 Jahre später in meinen Besitz , und als ich an die Urbarmachung des Bruches ging und den mit Kraut ganz durchwachsenen Gänsepfuhl ausbaggern ließ , kam auch das Boot wieder ans Licht , darin Hettig und Kalle ihren Tod gefunden hatten , und ich sah nun deutlich die Löcher , die der Kahnbesitzer , um seine fischdiebenden Feinde zu vernichten , hineingebohrt hatte . Zehn Jahr alt , kam ich auf das Ruppiner Gymnasium und verließ es von Sekunda aus , um noch die Magdeburger Handelsschule zu besuchen , denn es stand fest , daß ich für den Kaufmannsstand erzogen werden sollte . Jahr und Tag war ich in Magdeburg und kam dann in ein Stettiner Modewaarengeschäft , um daselbst die Handlung zu erlernen . Es erging aber meinen Eltern mit mir nicht besser , als mit meinem älteren Bruder Wilhelm : auch mir wollte das Kaufmännische , wenigstens in der Gestalt , in der es mir damals entgegentrat , nicht behagen , und alle meine Neigung richtete sich , wie bei meinem Bruder , auf die Kunst . Ich überwand mich aber und hielt aus . Als ich 20 Jahr war , wollt ' ich aus den engen Verhältnissen heraus und in die Welt hinein . Meine Sehnsucht war Paris , was meine Eltern veranlaßte , meinen Oheim , den in Neu-Strelitz wohnenden Rentier Voigt ( einen Bruder meiner Mutter ) nach Ruppin kommen zu lassen , um mich von meiner Reise-Sehnsucht abzubringen . › Der Junge geht ins Verderben . , sagte Onkel Voigt , › bringt ihn nach Wittstock . Was soll er in Paris ? In Wittstock kann er was lernen . ‹ Es half aber alles nichts , ich blieb bei meinem Willen , und meine Mutter war schließlich einsichtig genug , in dieser Frage nachzugeben . Ich packte also meinen Koffer und ging auf zwei Jahre nach Paris . Während der ersten Monate flanirte ich , um die Weltstadt kennen zu lernen , in den Straßen umher , dann nahm ich eine Stellung in einem kaufmännischen Geschäft an und wurde meines Fleißes halber belobt , während man mir das ausbedungene Gehalt schuldig blieb . Meine Collegen lachten darüber und sagten : › Monsieur , vous avez travaillé pour le roi de Prusse .. Bald danach trat ich , um ' s besser zu haben , in ein spanisches Commissionshaus ein . Als aber in Folge der ausbrechenden Februar-Revolution ( 1848 ) alle Geschäfte zu stocken begannen , gab ich auch diese Stellung wieder auf und zog es vor , eine Reise nach dem südlichen Frankreich , nach Spanien und Algier zu machen . Bei dem Wiedereintreffen in Paris fand ich Briefe vor , die mich in die Heimath zurückberiefen , und vom Sommer 1848 an war ich wieder in Ruppin . Es folgten diesem ersten großen Ausfluge noch verschiedene Reisen , aber alle waren von kürzerer Dauer . So war ich beispielsweise Anfang der fünfziger Jahre verschiedentlich in Wien und Venedig und 1855 ein halbes Jahr lang in England , bis ich mich das Jahr drauf mit Helene Campe , Tochter des Buchhändlers Julius Campe zu Hamburg ( Verleger Heines ) verlobte . Mein Papa , als er mich zur Verlobungsfeier nach Hamburg begleitete , schmeichelte sich damit , in meinem Schwiegervater einen wohlhabenden Mann gewonnen zu haben , von dessen Vermögen mir sofort ein erheblicher Bruchtheil zufallen würde . Beide alte Herren unterhielten sich denn auch über diesen Punkt und suchten sich auszuhorchen . › Was geben Sie Ihrem Sohne mit ? ‹ fragte Campe . › 50000 Thaler ‹ , antwortete mein Papa und erwartete eine Gegenerklärung von ungefähr derselben Höhe . Campe aber antwortete nur : › Wohl Ihnen . ‹ Und dabei blieb es . 4000 Thaler abgerechnet , die mir mein Schwiegervater zur Bestreitung der Aussteuer , unmittelbar nach der Trauung , in die Hand drückte . Glücklicherweise zog ich mit meiner Heirath , auch ohne besondere Legitimirung von Seiten meines Schwiegervaters , ein glückliches Loos . Meine Frau hatte , unter häuslichen Tugenden auch den Vorzug einsichtsvoller Klugheit und die Fähigkeit sich in die Verhältnisse der neuen Familie zu schicken . Aus unserer Ehe wurden uns vier Kinder geboren . 1857 übernahm ich das alte Geschäft in der Stadt , das ich von diesem Zeitpunkt an selbständig leitete . Vier Monate des Jahres befand ich mich in der Regel auf Reisen , um die nötigen Einkäufe zu machen , war ich aber wieder daheim , so langweilte mich der › Verkauf im Einzelnen ‹ , und das sogenannte › Ladengeschäft ‹ sagte mir grade so wenig zu , wie vordem . Auch das kleine Ruppiner Leben war durchaus nicht nach meinem Sinn , lauter Dinge , die sich erst zum Bessern kehrten , als mich der Wandel der Zeiten in größere kaufmännische Verhältnisse führte : Kapitals- Associationen fanden statt und eine der großen Gründer-Epoche der siebziger Jahre voraufgehende Aktien-Schwindelzeit brach gerade damals an . In sich verwerflich genug . Aber so verwerflich diese Zeit und ihre Manipulation sein mochten , ja , mit so großen Verlusten sie für mich verknüpft waren , – das ganze kaufmännische Leben erschien mir doch plötzlich in einem neuen Lichte und wenn mich früher das Kleinliche gelangweilt und auch angewidert hatte , so war jetzt etwas da , was mich interessirte , was Gedanken und Spekulation in mir anregte . Mit den größeren Summen , die mir trotz und inmitten meiner Verluste doch immer reichlich wieder zu Händen kamen , ermöglichten sich Unternehmungen der mannigfachsten Art , Ankäufe kamen zu Stande , und große und kleine Liegenschaften theils in Nähe , theils in mehrmeiliger Entfernung von Ruppin , wurden erworben , was schließlich dahin führte , daß wir , mein Vater und ich , eine halbe Quadratmeile Torf- und Wiesen-Terrain im Wustrauschen und im Rhin-Luch besaßen , ja , uns bald danach sogar in der Lage sahn , ein mit einigen fruchtbaren Ackerstreifen durchsetztes Stück Sandland