und sieh , in dieses Auges schwarzem Spiegel , vom blauen Kränzlein umrahmt , flimmerten winzig die drei Flammen unseres feierlichen Leuchters . Sibylle blickte aufmunternd , als wolle sie mir sagen : » Wohlan , nutze die Stunde ! « Ich aber war bereits so glückselig , daß ich nicht denken konnte , wie uns noch Besseres solle werden als die wunderbare Bekehrung Heinrichs . Daß er nun den rechten Glauben gefunden , und daß dein Glaube , mein Psalmist , den seinen geweckt hatte , war meine Seligkeit . Nicht lockte mich , was Vorteil uns beiden Liebesleuten erwachsen könne aus Heinrichs Nachgiebigkeit . Und hiermit sei es gestanden : » Schmachtend nach dir , bin ich doch bange vor der Erfüllung dieses Schmachtens . Denn sie wird uns Änderung bringen . Alles hat ja seine Zeit , und sobald die Frucht ansetzen will , muß die Blüte welken . Versteht mein Johannes , was ich meine ? Sieht er das graue Gespenst , vor dem ich zage ? Ach daß es unserer Liebe erspart bliebe , seine Macht zu fühlen . « Wem vertraut ist der Minne Art - wie sie nach langem Dürsten entzückt wird , da auf einmal dem Schmachtenden ganz nah die liebliche Quelle von Stillung flüstert - der mag ohne meine Worte erraten , welch Triumphieren in mir anhub , und wie voller Lachen mein Herz den Lenz begrüßte , so mit sonniger Gunst mich begnaden wollte . Ganz jugendschön , nicht Frau Agnete , sondern meine Magdeburger Braut schwebte Thekla um mich auf allen Pfaden ; in des Schneegefildes Lichtfunken , aus den Eiszapfen der Tannen strahlte ihr Blick , ihr Lächeln war im Goldgewölk , ihr zärtlich Geflüster vernahm ich lauschend , von ihrer Umarmung träumte ich , mein Haupt lag ihr im Schoße , indessen sie übergeneigt ihr aufgelöstes Haar niederwallen ließ , so daß mich eine duftige Laube umgab . All meine zärtlichen Gedanken schrieb ich für Thekla auf . Es schloß aber mein Brief folgendermaßen : » Mich nennest Du siegreich ? Dir einzig gebürt die Palme . Du hast unser Schicksal gelenkt . Ohne Dich wär ich erlegen der Versuchung , die schon den schwarzen Drachenfittich um mich schlug . Deine Güte hat mich erlöst , hat mein Minnen geadelt . Und wenn mein Lied für Heinrich heilsam war , Du hast es mit solchem Heil erst erfüllt . Drum vertraue ich Dir mein Dasein an . Der Himmel in Dir hat alle Führung , und folgen will ich , sogar wenn ich des weitern den Weg der Entsagung zu gehen hätte . Daß Deine Hoheit ihn mir anweiset , würde meine Trauer mit Trost und sanfter Schönheit erfüllen . Aber sage mir , mein Engel , ob Deines Briefes Schlußworte den Weg der Entsagung meinen . Und verständlicher sprich mir von dem grauen Gespenst , so Deine Hoffnungen verdüstern will . Es ist wohl nur ein Spuk schwermütiger Laune . Oder was sonst ? Warum bangt der Schmachtenden vor ihres Schmachtens Erfüllung ? « Eine Woche , nachdem ich mein Schreiben zum Kesselstein gebracht , fand ich daselbst die Antwort . Sie bestand nur in einem Gedicht , von Sibyllens , nicht von Theklas Hand geschrieben , und ich selber war der Verfasser . Entstanden war es , kurz bevor ich Kiesewalds ersten Besuch erhalten hatte . Nebst anderen Gedichten hatte ich es Thekla mitgeteilt . Wie ein Echo kam es nun zurück , bedeutend : Den Bescheid auf seine Frage mag Johannes sich selber geben , mag er ihn ableiten aus seinen eigenen Worten . » Zur Fernesucht geboren , Wird nie der Pilgram froh . Seine Heimat ging verloren - Er weiß nicht wo . Ihn rührt ein stummes Mahnen Von blauer Höhen-Wand . Darf er dahinter ahnen Sein Wunderland ? Im Tale Bauden winken , Zum Dorfe traut gereiht . Er aber muß versinken In Einsamkeit . Er haust auf Bergesklippen In dumpfer Schwermut Bann , Umstarrt von Knieholz-Rippen Und wüstem Tann . Verworren träumt im Grunde Des Mühlenrads Gesumm . Er lauscht mit zuckendem Munde ; Sein Lied bleibt stumm . Er schmachtet - wie im Staube Ein welkes Blumenhaupt . Doch ward sein frommer Glaube Ihm nicht geraubt . O Pilgram , du mußt lernen In Demut abseits stahn , Du darfst den blauen Fernen Nie täppisch nahn . Wenn ungestüme Minne Dich riß zum Götterweib , Umarmten deine Sinne Nur Menschenleib . So bleib dem Wunderlande In keuscher Andacht hold , Dann spülst du aus dem Sande Das ewige Gold . Es sammelt alle Zähren Die treue Ewigkeit . Sie sollen sich verklären Zum Krongeschmeid . O sieh , ein Fenster glühet Im letzten Abendglast ! Das Baudenhaus erblühet Zum Goldpalast . Die Felsenschatten dehnen Sich weit ins Talgefild . So wird gar manches Sehnen Noch spät gestillt . Erst wann im großen Dunkel Versank die wirre Welt , Erblüht das Trostgefunkel Am Sternenzelt . Und birgt sich in der Erden Ratlos dein Angesicht , Tief innen soll es werden Auf einmal Licht . « Was war das nun ? Es beunruhigte mich , daß kein Wörtlein von Thekla geschrieben war . Sollte sie erkrankt sein ? Angstvoll bedachte ich , daß mehrfach von ihrer Hinfälligkeit die Rede gewesen . Nicht gänzlich hatte sie sich erholen können von Berthuldens Stich . Wenn sie mir entrissen würde - wie ein betäubender Schlag traf mich dieser Gedanke . Sofort mußte ich Gewißheit schaffen . Begab mich also zu meinem erprobten Boten , der sollte unauffällig in Sibyllens Hand dies knappe Briefel geben : » Ist Agnete krank ? Euren Bescheid mag mein Bote sogleich mitnehmen . « Da kam folgende Antwort , von Theklas Hand geschrieben , doch ohne die Festigkeit ihrer früheren Schriftzüge : » Wohl war ich krank . Ich genese . Frohen Dank für die Nachfrage , doch ich flehe : Wollet nimmermehr einen Boten schicken . Es genüge , was ich mitteile . Geduld , bis der Rauch