Wehs betroffen werden ; es gibt unbeschreiblich Leid in der Welt , das Gefängnis ist ein solches . Ach , das Papier ist aus , ich sehe kaum , was ich geschrieben , und die Freude war so kurz ! Es ist doch schon ein Zweck , für den ich jetzt lebe , seit ich das kleine , kleine , ach so vortreffliche Stückchen Bleistift gefunden in einer kleinen Uhrtasche der Beinkleider , die ich niemals benutzt oder beachtet hatte . Es ist doch ein Geschäft , wenn auch nur von zehn Minuten . Denke Dir das Entsetzliche , wenn ich früh erwache , das kleine , düstere Gemach wiedersehe , das ich im Schlafe vergessen habe und mit Entsetzen wieder daran erinnert werde , daß mein Leben beendigt ist auf eine so trostlose Art ! Wir haben geklagt , wenn ' s keinen Reiz gab ; ach Freund , was ist ' s erst , wenn ' s gar kein Geschäft gibt ! Sobald ich aufgestanden bin , mich angekleidet und mein kärglich Frühstück verzehrt habe , dann bin ich fertig , nun liegt der lange , öde Tag vor mir , grau wie die Unterwelt der Alten ; ich habe kein Buch , ich höre nichts , ich sehe nichts , es ist mir keine Tätigkeit übrig , als in dem kleinen Raume herumzugehen , die Gedanken schweifen zu lassen , bis sie schwindlig werden gleich meinem Kopfe , ruckweis kommen und gehen , atemlos am Ende die Dienste versagen . Gegen zwölf , oft lange vor zwölf bringt der Wärter das Mittagbrot ; das ist doch eine Unterbrechung , die magere Speise ist doch ein Gegebenes , woran der Gedanke sich wieder aufrichtet , ich möchte langsam darüber wenigstens eine halbe Stunde hinziehen , wenn auch die eigentliche Mahlzeit in zehn Minuten verzehrt sein kann , aber der Wärter gestattet eine solche Ausdehnung nicht , er hat noch dreißig andere zu füttern und Geschirr und Besteck müssen gleich wieder fort , damit ich keinen Mißbrauch damit treibe . Die Türe rasselt zu , es ist zwölf , sieben Stunden breiten sich vor mir aus , sie wollen durchgebracht sein , dann kommt ebenso flüchtig das bißchen Abendessen ; dann sind neue Gedanken zu suchen für den Abend , ehe der Schlaf zu finden ist , welcher dem Gefangenen ohne Bewegung und Luft so träge sich nähert , so unmutig ! Und das ist nur ein Tag und so reiht sich ausdruckslos einer an den andern , bis man eben verrückt wird von den unbeschäftigten Gedanken oder starr sich wie das Tier der Wüste in den Winkel hockt . Könnt ' ich Dir nur folgerecht erzählen , das würde mir nützlich sein ; es drängt und bäumt sich von Gedanken alles so durcheinander , daß ich nicht weiß , wonach ich greifen soll , und ich zittere , daß man meinen Bleistift oder die beschriebenen Papierstückchen entdeckt und ich wieder in die alte Wüste geworfen werde . Wenn die Wache auf dem Korridore einen unregelmäßigen Schritt macht , so fahre ich zusammen , ich denke , man sieht es meiner Tasche an , daß verbotenes Papier darin steckt , und es treibt mich ein halber Wahnsinn , dem Wärter zu sagen , wenn er mich ansieht , unaufgefordert zu sagen : » Denken Sie nicht etwa , daß ich hier rechts in der Tasche Papierstückchen und einen Bleistift habe ! « - So nerven- und geistesschwach wird man ; man weiß es noch eine Zeitlang , man sieht sich bei lebendigem Leibe sterben . Ich denke an alle die heruntergekommenen Leute meiner Bekanntschaft , es fiel eins nach dem andern von ihnen ab , der Besitz , der Umgang , die Kleidung , sie wollten doch noch auf Augenblicke leben , sie tranken oder sie stahlen gar und taten noch Schlimmeres und endeten kläglich , und die Welt höhnte darüber und verdammte sie rücksichtslos . Ich tat es nie , und jetzt im Elende fühle ich , wie nahe beieinander die guten und die schlechten Taten ruhen , so nahe wie die glücklichen und unglücklichen Geschicke ; ein kleiner Mangel führt zum nächsten großen , man greift nach der nächsten Rettung , Geist und Nerve wird schwach und verwirrt , Wahl hört völlig auf , der Zufall weiß , was daraus werden mag , und die Menschen verurteilen ! - Ach , mein Raum ist wieder aus , ich bin wieder wer weiß wohin geraten . - Mit peinlicher Mühe habe ich mir tagelang vorgesagt , was ich damals noch dazu schreiben wollte , als der Papierfetzen zu Ende war , und ich habe lange keinen erreichen können ; solch ein halb übrig bleibender Gedanke quält und martert , er will entweichen , weil er nur ein Halbes ist , mein Gedächtnis wird ohnedies täglich schwächer . Es war dies : in einiger Entfernung von meinem Kerker höre ich zuweilen Ketten rasseln , ich denke , es mag ein Bösewicht sein , und ich fühl ' s an meiner Schwäche , daß ich ja auch gar nicht sicher bin , ein solcher zu werden . O , was ist der Mensch ! - Und zu einem Erzählen komme ich immer nicht , und mein Klagen darüber füllt den spärlichen Papierraum nutzlos . Nun , ich will meine gefangenen Ideen noch spezieller einzufangen suchen für die Darstellung , diese notwendige Ordnung wird mir doch ein Geschäft sein und als solches , ach , wie willkommen ! Heute habe ich nur ein Papierstreifchen , das ums Licht gewickelt war , und muß schließen . Triumph ! Der Wärter hat mir ein altes , schlechtes Buch geliehen , darin ist vom Okulieren der Bäume , von Vertreibung der Hühnerwurzeln , vom Gelbmachen der Butter und solchen Dingen die Rede ; aber es ist etwas Lesbares , etwas außer mir , was zu Hilfe kommt , ich habe einen Trost , eine Hoffnung , wenn mir die Gedanken ausgehen ; ich klettere