er . » Woher hast du sie ? Sie waren doch vorhin nicht da ! « » Fu schenkte sie mir . Er hat sie mir sogar mit seiner eigenen Hand befestigt ; denke dir ! Und diese Quasten sind aus zwei Nüssen gemacht , von denen die eine Areka und die andere Betel heißt . Oder heißt die andere Areka und die eine Betel . Vielleicht heißen sie auch beide Areka und beide Betel ; ich weiß das nicht mehr genau , denn es war sehr viel , was er mir sagte und was ich nicht vergessen darf ! Es ist etwas daran . « » Ein Zeichen ? « » Ja , und dieses Zeichen heißt Shen . Das ist nämlich keine Frau und kein Mädchen , sondern es ist die Gesamtheit von allen , allen Menschen , die auf Erden endlich einmal Frieden haben wollen . Fu hat es mir erklärt ; ich sagte aber auch Etwas dazu und darüber hatte er Freude . « » Was war das ? « » Das war so : Jeder Mensch will glücklich werden ; das ist falsch . Jeder Mensch soll glücklich machen ; das ist richtig . Weil Jedermann bisher das Glück für sich verlangte , konnte es kein Glück auf Erden geben . Hieraus folgt , daß wir zum Richtigen greifen müssen . Wie das zu machen ist , lehrt uns die Shen . Ist das wahr oder falsch , Sihdi ? « » Es ist wahr . Kam das aus deinem eigenen Kopf ? « » Ja , und Fu gab mir Recht . Er öffnete einen Schrank , in welchem viele , viele Arekanüsse sind , von allerlei Größe , Form und Farbe , und gab mir diese hier , indem er sie an meinem Fez befestigte . Dabei erklärte er mir sehr viel , was ich begriffen habe . Ich sage jetzt noch nichts , denn es hat in mir erst richtig festzuwachsen . Dann aber , wenn das geschehen ist , wirst du dich über mich freuen ! Und als ich von ihm ging , trug er mir auf , dir zu sagen , daß in einer halben Stunde Wan-Fan sein wird . Ich will es Euch übersetzen . Dieses Wort bedeutet nämlich so viel wie Abendessen . Was Ihr bekommen werdet , das weiß ich nicht . Ich aber werde unten mit den Schreibern der Shen speisen , und da gibt es heut , wie ich erfahren habe , Wurzeln von Wasserlilien , Bambussprossen und Krebse , worauf gebratene Enten mit Lotossamen und Senfblättern folgen werden . Jetzt gehe ich . Sagen aber soll ich Euch noch , daß Ihr gleich so kommen sollt , wie Ihr seid . Es wird nichts weiter angezogen , weil Ihr hier zu Hause seid , sagte Fu ! « Der Governor lachte herzlich und begab sich in sein Zimmer , um trotz alledem noch einige kleine Veränderungen in Beziehung auf seine Toilette zu treffen . Ich tat dasselbe . Dann gingen wir zur Tafel . Zur Tafel ? Eigentlich nicht ! Denn die Diener , welche auf uns warteten , brachten uns nicht nach einem Speisesaal oder Speisezimmer , sondern hinunter in den Garten , und zwar nach der Lieblingslaube unserer Yin . Kann ich vergessen , wen ich da erblickte ? Nein ! Wer meine Bücher gelesen hat , der kennt meine Freundin Marah Durimeh , die überhundertjährige Kurdin , das Bild der Menschheitsseele . So , grad so sah ich die chinesische Matrone , dunkel , ernst gekleidet , mit tiefen Falten im Gesicht , doch lieben , herzensguten Zügen , die Augen aus der tiefsten Seele strahlend und um den Mund ein Lächeln , wie es nur dieses eine gibt : das Lächeln wahrer Güte . So saß sie da , umleuchtet von duftenden Rosen , das weiße Haar schmetterlingsartig aufgesteckt , dann aber immer noch so lang , daß es ihr wie ein Schleier von den Schultern niederwallte . Das war Fu ' s Mutter , die Ahne . Links von ihr seine Frau und rechts seine Tochter , die Schwester unsers Tsi . Außer Vater und Sohn kam Fang . Der Hafenmeister war geladen und dazu noch einige hervorragende Herren des Ortes . Als die Letzte von Allen stellte sich Mary Waller ein , die ihr Vater so lange beschäftigt hatte . Aus diesen Angaben ist zu ersehen , daß in diesem Hause die Frauen keineswegs eine so beklagenswerte Stellung einnahmen , wie man sich in Europa von den chinesischen Frauen erzählt . Es wäre ganz im Gegenteile unmöglich gewesen , ihnen eine größere Rücksicht , Aufmerksamkeit und Ehrerbietung zu erweisen , als hier geschah . Es saß nicht Jeder an einem besonderen Tischchen , auch hatte nicht Jeder seinen besonderen Diener . Wir aßen genau so , wie man in Deutschland mit guten Bekannten speist . Nur die Kleidung und der Speisenzettel waren anders , sonst weiter nichts . Ich sagte , bevor wir Platz nahmen , Fu ganz aufrichtig , daß ich wünsche , neben seiner Mutter zu sitzen . Er drückte mir dafür die Hand und führte mich zu ihr hin . Ich muß die Wahrheit sagen : Wir haben sehr wenig gegessen , aber einander gegenseitig so gern und so fleißig bedient , daß ich sie und hoffentlich sie auch mich immer lieber gewann . Ich blieb sogar bei ihr und den andern Damen sitzen , als nach Tische die Herren einen Spaziergang durch den Garten unternahmen , um , ohne die Frauen zu beunruhigen , über ernste Dinge sprechen zu können . Hierbei fragte ich Mary nach dem Befinden ihres Vaters . » Er ist ganz wohl , « antwortete sie . » Jetzt schläft er . Er macht auf mich den Eindruck , als ob er hier in eine ganz neue Atmosphäre gekommen sei , auch geistig . Der Transport in dieses gastliche Haus hat ihn nicht im geringsten angegriffen . Als ich es