ritt neben ihm . » Ma ' assalami - - lebe wohl , Kara ! « lachte ich ihm zu . » Gieb dem Barkh doch das Geheimnis ! « » Ich gab es ja bereits ! « antwortete er . » So komm hübsch langsam nach ! « Syrr wieherte , als ob er diesen Scherz verstanden habe , in sich hinein , schnellte sich mit zwei , drei fast unbegreiflichen Sprüngen über Barkh hinaus , warf den Kopf für einen Augenblick herum , um zu sehen , ob er ihn auch wirklich überholt habe , und nahm dann nur noch Assil in die Augen . Dieser war ungefähr zwanzig Pferdelängen voran . » Sabah bil-cher - - guten Morgen ! « rief ich nun dem Ustad zu . » Mach schnell , sonst wird es Tag ! « Er antwortete nur , indem er den Arm in die Luft warf , denn etwas Anderes hätte den Lauf seines Pferdes leicht hemmen können . Dennoch wurden aus den zwanzig Längen fünfzehn - - zehn - - fünf - - zwei - - eine - - jetzt hatte ich ihn ! - - wieder einige federschnellende Sprünge meines Syrr - - da war ich voraus - - - » Gibst du zu , daß du bald weit hinter mir sein wirst ? « fragte ich . » Warum das ausdrücklich zugeben ? « antwortete er . » Weil ich dann innehalte . Ich möchte meinen Assil nicht kränken . Er schämt sich , wenn er überholt wird . « » Das ist brav von dir ! Ja , dein Syrr ist uns über , sogar weit über . Hemmen wir also den Lauf ! « Indem wir dies taten , holte uns Kara schnell ein . Da war es geradezu rührend , daß alle drei Pferde vor Freude darüber , daß sie nun wieder beisammen waren , laut aufwieherten , eines wie das andere , fast » wie aus einem Munde « , wie man zu sagen pflegt . Und nun sahen wir , wie unglaublich schnell uns dieses Proberennen vorwärts gebracht hatte : Die Ebene war zu Ende ; die Berge der Dschamikun lagen vor uns . Wir hatten nur noch hinunter in das Tal und drüben wieder hinaufzureiten , um an den Steinbruchweg und also heimzukommen . So leicht , so schnell kommt der Mensch vom Bösen auf das Gute , wenn er die Kräfte zu benutzen weiß , die ihn nach oben und heim zu tragen haben ! Wir konnten mit dem Resultate dieses Proberittes im höchsten Grade zufrieden sein . Hatten wir uns schon vorher nicht vor dem Rennen gefürchtet , so waren wir nun vollständig überzeugt , wenn nicht alle , so doch wenigstens die Haupttouren sicher zu gewinnen . Bei uns angekommen , sorgten wir zunächst für die herrlichen Tiere ; dann trennten wir uns . Ich ging sogleich schlafen und wachte erst am späten Morgen auf . Als Schakara mir das Frühstück brachte , sagte sie mir , daß noch während der Nacht ein Eilbote des Schah gekommen und dann mit der Antwort des Ustad wieder fortgeritten sei . Er habe sich absichtlich so gekleidet gehabt , daß Niemand erraten konnte , wer oder was er sei . Der Herrscher hatte nichts weiter als den Befehl geschickt , womöglich Blutvergießen zu vermeiden . Der Ustad war erfreut gewesen , bei dieser Gelegenheit dem Schah zunächst das von dem Aschyk erhaltene Verzeichnis und sodann auch die heut Nacht erlangten beiden Kaiserdokumente senden zu können . Damit waren der Scheik ul Islam und Ahriman Mirza ein für allemal vernichtet . Und zugleich hatte er auch ein Gnadengesuch für den Aschyk beigelegt . Ich dachte , als ich dies hörte , an seinen Ausspruch , daß der Aschyk ein prachtvoller Mensch geworden sei . Er hatte sich hierüber nicht weiter geäußert ; nun aber erfuhr ich von Schakara , daß der Aschyk sich Ibn el Idrak freiwillig zur Verfügung gestellt und eine gradezu erstaunliche Geschicklichkeit und Ausdauer entwickelt habe , die Taki zu überzeugen , daß man durch lichtscheuen Ungehorsam gegen den Schah nichts als den eigenen Untergang erreiche . Uebrigens sei der Ustad der Meinung , daß die dortigen Ultra ' s den Mut nicht haben würden , den sie zeigten , wenn sich nicht grad jetzt der Scheik ul Islam , der Mirza und die Gul-i-Schiras bei ihnen befänden , in deren Interesse es liege , diese Leute in ihrem stupiden Fanatismus zu bestärken . Ich war noch nicht draußen auf meinem Freidache gewesen . Jetzt bat mich Schakara , mit ihr hinauszukommen , weil sie mir Interessantes zu zeigen habe . Sie meinte da zunächst ein großes , herrschaftliches Zelt , welches , schon fast fertig , drüben in den Ruinen errichtet worden war . Nicht weit davon sah ich andere Leute beschäftigt , ein zweites , auch großes , aber nicht so prächtiges herzustellen ? Auf meine Frage , für wen diese beiden Zelte seien , antwortete sie : » Das so schön ausgeschmückte ist für die Gul-i- bestimmt . Sie handelt da jedenfalls im Auftrage des Ahriman Mirza , der hierdurch der Besetzung der Ruinen durch die Taki vorauskommen will . Ihre Leute kamen schon kurz nach Tagesanbruch hier an , um den Bau sogleich zu beginnen . Der Scheik ul Islam scheint so etwas gewußt oder wenigstens geahnt zu haben , denn er hat sich beeilt , auf diesen Schachzug einen ähnlichen zu tun . Seine Diener kamen mit dem zweiten Zelte , und wie du siehst , wird sich nun die himmlische Tugend eng neben dem irdischen Laster niederlassen , und zwar beide , ohne uns vorher um unsere Ansicht hierüber gefragt zu haben . « » Will das der Ustad dulden ? « » Er wartet noch . Kommt seine Zeit , so wird er zu handeln wissen . Und nun schau dort hinaus , jenseits des Sees ! Da baut man ein drittes , großes Zelt .