wohl recht habe ? « » Pekala , du hast ein kluges Köpfchen ! « » Nichts weiter ? Das habe ich längst gewußt ! Aber es freut mich , daß auch du es nun erfahren hast . Jetzt gehe ich wirklich ! « Und sie ging auch wirklich ; Tifl mit . Ich war allein . Ueber mir schlug ein persischer Ispinos159 . Er sprang von Zweig zu Zweig , immer weiter herab . Ich warf ihm Brocken hin , und er kam bis an den Tisch heran , um sie zu nehmen . Seine hellen Augen waren ohne Furcht auf mich gerichtet . Warum läßt die sogenannte unvernünftige Kreatur sich von der Güte locken ? Warum lacht nur der Mensch über den , der selbstlos alle liebt ? Oder ist das nicht der Mensch überhaupt , sondern nur der Menschengeist , der raffinierende Teil der » Schöpfungskrone « ? Wie glücklich dann die niederen Geschöpfe , von denen man behauptet , daß sie keinen » Geist « besitzen ! Was versteht das gesellschaftliche Tier , Mensch genannt , denn eigentlich unter » Liebe « ? Wenn die Hassenden sich zusammenrotten , damit Liga gegen Liga , Konfession gegen Konfession , Fraktion gegen Fraktion aufeinanderplatze , so behaupten auch sie , in Liebe verbunden zu sein . Eine Liebe aber , welche hassen kann , giebt es einfach nicht ! In ganz derselben Weise belieb- und zugleich behaßäugeln sich die Völker ebenso wie auch die einzelnen Individuen . Wer aber wahre Liebe bringt oder brachte , die vor allen Dingen und zunächst nach Frieden strebt , der wurde stets und wird noch heute an das liebe Kreuz geschlagen . Und dabei behauptet jede Partei , daß sie allein es sei , die den Frieden wolle ! Natürlich aber behält sie sich stillschweigend vor , daß er nur zu ihrem Vorteil abzuschließen sei ! Ist das denn Frieden ? Nein , sondern neuer Grund zum Kampfe ! Das Weltmeer kann nicht ruhig sein . Es ist eine den Winden preisgegebene , willenlose Flüssigkeit . Aber muß denn die Menschheit mit ihren anderthalbtausend Millionen bewußter und denkender Intelligenzen sich ebenso in stetem Wogengange befinden ? Muß der hochbegabte , seiner Verantwortlichkeit sich sehr wohl bewußte Mensch , sobald sein Nachbar wellt , sofort auch Wellen schlagen und sie weitergeben ? Giebt es keinen Halt auf weiter See ? Kein festes Land ? Und muß auch jedes der vorhin gezählten kleinen , winzigen Binnenwässerlein gleich lächerlich hohe Brandung schlagen , wenn vom Andern her ein Lufthauch es berührt ? Kennt denn niemand jene Wunderhand , die damals , als auf dem See Genezareth der Ruf » Herr , wir verderben « erscholl , den Elementen sofort Ruhe gab ? Weiß man nur in seinem Namen , aber nicht in seinem Geiste zu handeln ? Erheben sich nicht augenblicklich tausend Wogen ringsumher , wenn es einmal eine freundliche Herzenswelle wagt , sich von dem allgemeinen Strom zu trennen ? Wie manche solche Welle , die nach den Gärten und Feldern des Ufers fließen wollte , um sie zu befruchten , ist von den dunkeln Fluten , auf deren Grund die schwere , stählerne Schlepperkette ruht , mit fortgerissen worden ! Aber droben auf den Bergen , da liegen sie , in tiefer Einsamkeit , vom hohen Forst beschützt , die immer klaren Wasserspiegel . Von unentweihten Quellen gespeist , fließen sie über von Heil und Segen für jedermann , der von dem sumpf- und fieberreichen Strome aufwärts nach seinem Ursprung wandert . Anstatt Menschenrecht herrscht hier noch Gottesrecht . Die holde Fee der Menschheitskinderzeit geht liebreich wandeln von Haus zu Haus . Des Edens fromme Sage wird beim Scheine des brennenden Spanes an jedem Herd erzählt , und wenn die Ahne im lauschenden Kreise der Enkel eine mit ihr altgewordene Mähr erzählt , so hebt sie wohl mit den Worten an : » Als wir noch Kinder waren . « Sie weiß ja nicht , daß sie stets Kind geblieben ist ! So sitzt nach vollbrachtem Tagewerke oft auch die gute Pekala mit » ihrem Kind « auf jener Bank im Garten , wo ich von beiden als Pflaumendieb überfallen wurde . Was mag sie ihm erzählen , die ebenso Kind wie er geblieben ist ? Hat doch der Ustad es erreicht , seine früher unbotmäßigen Dschamikun in wohlerzogene , dankbare Kinder zu verwandeln ! Mit welchen Mitteln hat er das fertig gebracht ? Mit Hilfe jener Fee , welche keine Gewaltthat kennt und doch alle Menschen zwingt : sie heißt - - die Güte ! Aber mit welchen andern Mächten mag er gerungen haben , um sie in sich abzutöten , ehe er den Weg nach diesen seinen Bergen fand ! Es sei ihm nichts , gar nichts erspart geblieben , sagte er . Nun aber war es glücklich überwunden . Warum geben unsere Dichter solchen Lebenskämpfen fast immer einen tragischen Schluß ? Kennen sie unsern Herrgott nicht ? Die Erdenbühne , für welche er seine Gestalten schafft und , wie es scheint , nach freiem Willen handeln läßt , kennt die Tragik nur als kurze Episode . So ist auch das , was der befangene Mensch für ein Lustspiel , einen Schwank oder gar für eine Farce hält , nichts weiter , als eine vom Schauspieler eigenmächtig extemporierte Scene , welche der unbestechliche Regisseur sehr bald zu rügen weiß . Auf dieser Bühne geht niemand tragisch unter . Wer in dem einen Akt am Boden zu liegen scheint , darf sich im nächsten zum neuen Kampf erheben . Und wenn für ihn nach endlich errungenem Siege die letzte Erdenscene kommt , so hält der Dichter selbst den Kranz für ihn bereit . Ich saß hier - um mich des Bühnenjargon zu bedienen - vor den pietätvoll aufbewahrten Requisiten mir unbekannter Leidensscenen . Warum war es grad mir erlaubt , sie zu berühren ? Weil ich Marah Durimeh kannte ? Weil der Ustad Grund zu haben glaubte , anzunehmen , daß ich