Beni Lam befanden sich in einer so bedeutenden Anzahl hier , daß wir uns bei ihnen , den Feinden der Beni Khalid , gegen diese im vortrefflichsten Schutz befanden , den wir uns nur wünschen konnten . Das war auch sehr viel wert ! Uebrigens hatte Abd el Idrak die Absicht , jetzt mit uns zu sprechen , und da mußte es sich ja zeigen , welchen Zweck er mit dem ihm so wohlgelungenen Ueberfalle verfolgte . » Ihr werdet keine Ahnung davon gehabt haben , daß sich eine so große Schar der Beni Lam in der Nähe des Brunnens Hilu befand , « begann er . » Oh , doch , « antwortete ich . » Also ist es trotzdem so , wie ich dachte ! Dieser Tawil Ben Schahid hat euch gesagt , daß er es auf uns abgesehen hatte ? « » Ja . « » Ich sandte zwei Kundschafter nach dem Brunnen ; sie haben mit euch gesprochen . Für wen oder was habt ihr sie gehalten ? « » Für das , was sie waren , für deine Späher . « » Warum gabt ihr ihnen keine Auskunft über die Beni Khalid , an denen ihr euch dadurch nicht nur hättet so schön rächen , sondern von denen ihr euch dadurch auch hättet befreien können ? « » Wir sind ehrliche Krieger , also keine Verräter ! Wir handeln schon überhaupt nach dem Grundsatze , daß Allah den Frieden , nicht aber den Krieg zwischen seinen Kindern will , und jetzt befinden wir uns als Pilger auf dem Wege nach der heiligen Stadt und sind als solche verpflichtet , uns bei keiner Gelegenheit von der Hand der Unfriedfertigkeit leiten zu lassen . « » Ja , « nickte er nachdenklich , » du überhaupt bist ein Abd el Musalaha155 ! « » Wie kommst du dazu , mich so zu nennen ? « fragte ich verwundert . » Du hast bewiesen , daß du es bist ! « » Weißt du das ? « » Ja . Ich weiß mehr von euch , als ihr denkt . Es giebt mehrere Personen , welche mir von euch erzählt haben . « » Darf ich fragen , wer diese Personen sind ? « » Zunächst meine beiden Kundschafter . Es hat mich sehr von euch gefreut , daß ihr eure Feind nicht verraten habt ! Ich sage euch , wenn ihr das gethan hättet , wäre euch dasselbe Los wie ihnen beschieden gewesen , denn der Verräter ist ein stinkender Dib156 , den man nicht schonen darf , sondern vernichten muß ! « Da stieß mich Halef mit dem Ellbogen an . Ich wußte , was er meinte . Er hatte mir Vorwürfe darüber gemacht , daß ich gegen die beiden Späher so verschwiegen gewesen war . Nun sah er ein , wie richtig dieses Verhalten von mir gewesen war . Dieser Abd el Idrak war ein ganz , ganz anderer Mann als der Scheik der Beni Khalid , ein bei aller Barschheit des hiesigen Lebens edel angelegter und edel handelnder Charakter ; das sollten wir später noch deutlicher erkennen als jetzt . Er trug seinen Namen Abd el Idrak , Diener der Einsicht , mit vollem Rechte ! Er fuhr fort : » Der Scheik der Beni Khalid glaubte , uns ganz unvorbereitet zu finden ; aber Allah schützt die Guten und verdunkelt die Augen der Bösen . Er fügte es , daß ich das Unternehmen unserer Feinde zur rechten Zeit erfuhr . Ich rüstete meine Krieger und zog den Beni Khalid entgegen , um die Entscheidung zwischen uns und ihnen in die Wüste zu legen , damit nicht die Wohnungen friedlicher Leute dabei verwüstet würden . Meine Späher standen von ferne und lauschten . Ich hörte , daß sie nach Süden gezogen seien , und folgte ihnen . Sie waren von dort zurückgekehrt , hatten aber einen Mann zur Beobachtung zurückgelassen , den wir festnahmen . Er mußte uns alles erzählen , was am Brunnen geschehen war . So erfuhren wir von euch , von dem Kanz el A ' da , von seinen Dieben und von dem Kampf um ihn . Der Schatz hat einen großen , großen Wert ; ich beschloß , ihn in meine Hände zu bringen und euch zu überfallen . Darum ließ ich euch genau beobachten , ohne daß ihr eine Ahnung davon hattet . Auch die Beni Khalid merkten nichts davon . « » Bi Khatir-i-Khudah - um Gottes willen , « rief da der Perser aus . » Nun soll ich den Kanz el A ' da schon wieder hergeben ! « » Das sollst du nicht , « lachte der Scheik , doch es war ein freundlich klingendes Lachen . » Wir haben ihn doch schon ! « » Ja , das Paket ist fort ! « » Dort liegt es bei dem Tachtirwan und wird mit dem Harem des Scheikes der Haddedihn sehr gut bewacht , wie du siehst ! « » Ihr werdet es behalten ? « Der Scheik that , als ob er diese Frage gar nicht gehört habe und sprach weiter : » Abadilah el Waraka , den man El Ghani nennt , trat vor einigen Monaten eine Reise an , welche von Mekka nach Meschhed Ali gehen sollte . Auf dieser Reise kam er auch nach Oneizeh , der großen Stadt . Er hatte seinen Sohn mit , drei andere Begleiter und auch einen alten Mann , den man El Münedschi nennt , weil er die Gabe der Weissagung besitzt . Dieser Münedschi verkehrt mit einem Engel des Himmels , welcher Ben Nur heißt und ihm alle Geheimnisse des Lebens entdeckt . Darum ist alles , alles wahr , was der Münedschi sagt , und wenn er etwas verkündet , so geht es in Erfüllung . Er muß sehr , sehr reich sein , denn es kommen Tausende von Pilgern zu ihm , welche ihn sehen und hören wollen und dann nicht