ließ , die Korke zu ziehen und den golden schimmernden Rheinwein in die grünen Römer einzuschenken begann . Sein Konfrater ( der mit dem brennenden Kienspan ) war in dem Keller zurückgeblieben . Niemand dachte seiner mehr . An der Tafel belebte sich inzwischen die Unterhaltung ; die Damen waren ausgelassen , am ausgelassensten aber Lewin , der - nicht unempfindlich gegen das Entgegenkommen der augenscheinlich ein Gefallen an ihm findenden schönen Gräfin - vor allem in dem Bewußtsein glücklich war , sich endlich einmal Kathinka gegenüber in einer anderen Rolle als in der des von ihr verspotteten Träumers zeigen zu können . Ihre Neckereien , in denen sich mehr und mehr ein Anflug von Eifersucht oder verletzter Eitelkeit aussprach , steigerten nur sein Wohlgefühl und seine gute Laune . » Haben Sie denn , gnädigste Gräfin « , wandte er sich an diese letztere , » das Weiße Fräulein bemerkt , als wir in den Wendeltreppenturm hineinsahen ? Ich schrak zusammen ; es war ein vollkommenes Bild unglücklicher Liebe . « Die Gräfin lachte ; Kathinka aber sprach an Lewin vorbei : » Glaub ihm nicht , Wanda ; er weiß nichts von unglücklicher Liebe . Ihm ist nie zu trauen , am wenigsten aber seinen Geschichten . Er erfindet sich , was ihnen fehlt . « » Desto besser « , sagte die Matuschka . » Ich mache mir nichts aus wahren Geschichten . Die wahren Geschichten sind immer langweilig oder häßlich . Bitte , Herr von Vitzewitz , erzählen Sie mir von dem Weißen Fräulein . Ganz auf Diskretion . Aber etwas recht Hübsches : Mönch , Liebe , Sehnsucht . « » Ja , gnädigste Gräfin , da haben Sie die Geschichte schon vorweg erzählt . Mönch , Liebe , Sehnsucht - das ist alles . « » Oh , tun Sie noch ein wenig hinzu . « » Ich darf es nicht , so gern ich Ihnen zu Diensten wäre . Solche Geschichten sind sehr empfindlich und nehmen es übel , wenn man an ihnen rührt oder sie gar verbessern will . Das Weiße Fräulein geht treppauf , treppab und sucht den Mönch , den sie liebt . Aber er verbirgt sich ihr . Um Sonnenuntergang tritt sie dann auf den Söller und breitet die Arme sehnsüchtig nach ihm aus , als habe sie ihn gesehen . Aber es war nur ein Schein . Dann setzt sie sich in den Pfeilerschatten und weint . « » Das ist hübsch « , sagte die Matuschka , auf deren immer lachendem Gesicht es einen Augenblick wie Teilnahme oder Trauer zitterte . Denn sie war weniger glücklich , als sie schien . Kathinka aber warf den Kopf in den Nacken und sagte : » Ich höre nicht gern von unglücklicher Liebe . « » Und doch ist die Welt voll davon « , antwortete Lewin . » Vielleicht gerade deshalb , daß ich sie nicht mag . Es ist so alltäglich , so tödlich , immer wieder dasselbe . Ich begreife keine unglückliche Liebe . « » Die Reichen begreifen nie , daß es auch Arme gibt . « Aber Kathinka hörte nicht , und in ihrer Vorliebe für Paradoxien auch vor dem Gewagtesten nicht zurückschreckend , gefiel sie sich jetzt darin , ihren einmal ausgesprochenen Satz in heiterem Spiele weiter auszuführen : » Wenn Liebe nicht glücklich sein kann , sollte sie gar nicht sein . Ich entsinne mich nicht , in der Bibel ( ich meine im Alten Testament , wo die Menschen noch menschlicher waren ) von einer unglücklichen Liebe gelesen zu haben . David liebte glücklich , Salomo noch mehr . Wenn man etwas sagen kann , so ist es vielleicht das , daß sie zu glücklich liebten . Unglückliche Liebe ist eine neue Erfindung , wie die Buchdruckerkunst oder das Spinnrad . Ja , wie das Spinnrad . Das surrt und summt , und endlos wird der tränennasse Faden weitergesponnen . « Die Matuschka horchte verwundert auf ; Kathinka aber , durch diese Wahrnehmung eher angespornt als eingeschüchtert , fuhr in sich steigerndem Übermute fort : » Und nun gar ein Weißes Fräulein , das einen Mönch liebt . Man liebt überhaupt keinen Mönch . Wenn man ihn aber liebt - und ich ertappe mich plötzlich auf der Laune , nur noch Mönche lieben zu wollen - , so muß man ihn so lieben , daß kein Kloster der Welt ihn halten und verbergen kann . Aber Pardon , Wanda ! Du mußt lachen ; deshalb sprech ich ja . Lewin bitt ich nicht um Entschuldigung , weil ich ihm wieder ansehe , daß er alles glaubt , was ich eben gesagt habe . « Es war inzwischen immer dunkler geworden , und an der dem Kamin gegenübergelegenen Giebelwand lag nur noch ein grauer Dämmer , den dann und wann ein helleres Aufleuchten der weiter oben in der Halle stehenden Fackeln durchblitzte . Man sah auch in diesem ungewissen Scheine , daß es draußen leise zu schneien begonnen haben mußte , denn durch das offene Dach fielen einzelne große Flocken . Jeder fröstelte , und die Damen zupften ihre Pelzröcke höher an den Hals hinauf . Das war die Stimmung , die Jürgaß brauchte ; er erhob sich jetzt , um nach seinen ersten , bei Beginn des Mahles gesprochenen Begrüßungsworten die eigentliche Rede des Tages zu halten . » Es hat Ihnen gefallen « , so begann er , » in Lehnin meine Gäste zu sein , in demselben Lehnin , an dessen vor vierhundert Jahren durch Frater Hermannus aufgezeichnete Weissagungen die Feinde Preußens so oft und so frohlockend erinnert haben , vor allem in diesen Tagen der Erniedrigung , in denen gehässiger Scharfsinn herausgerechnet hat , daß jetzt die Stunde da sei , von der uns die Prophezeiung berichtet : Und dem Letzten seines Stammes wird das Zepter aus der Hand geschlagen werden . Aber diese Feinde Preußens haben nicht zu Ende gelesen , und wir , die wir andern Sinnes